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17. Dezember 2005

Ein Dichter der Nacht

Prof. Urs Heftrich vom Slavischen Institut der Ruperto Carola stellte im Heidelberger Kunstverein den tschechischen Lyriker Vladimír Holan vor

Der in Heidelberg lehrende Slavist Urs Heftrich übersetzt die Lyrik des tschechischen Dichters Vladimir Holan.   
Der in Heidelberg lehrende Slavist Urs Heftrich übersetzt die Lyrik des tschechischen Dichters Vladimir Holan.
Foto: Chlumsky

Als 1964 die Gedichte von Vladimír Holan (1905-1980) erschienen, gab es unter den jungen Studenten der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität in Prag zwei Reaktionen: totale Zustimmung oder totale Ablehnung. Die einen hörten in seinen Gedichten eine dunkle Stimme, die aus den Zonen jenseits des Denkbaren, Fühlbaren und Vorstellbaren kam, die anderen brandmarkten ihn als einen dem 19. Jahrhundert verpflichteten rückwärtsgewandten Dichter.

Die Stimme Holans jedoch begann schnell alle anderen zu übertönen. Es wurde offensichtlich, dass dieser Dichter der Dunkelheit, der Nacht und des Transzendentalen eine ungeheurer konsequente Arbeit an der tschechischen Sprache leistete und ihr poetische Bilder entriss, die niemand aus solcher Tiefe hervorzuzaubern vermochte.

Holans Dichtung hatte schon zu Beginn der 30er Jahre den symbolistischen Parnass verlassen, ab 1949 wurden seine Gedichtbände nicht mehr verlegt. Er wandte sich der "poésie pure" zu, um sich ausschließlich mit sich selbst, mit der Sprache und dem poetischen Funken, den er in die ungewöhnlichsten Metaphern zu übertragen wusste, auseinander zu setzen: "Ich zünde meine Hände an, wenn müd und schwer / der Vorhang deiner Lider dich des Lichts / beraubt, ich geb dich wie ein Fundstück her, / als hätte Gott selbst nichts."

Nach dem monumentalen Zyklus "Die Nacht mit Hamlet" wurde Holan als einer der würdigsten Kandidaten für den Nobelpreis gehandelt. In Folge der Zensur, des Denunziantentums und des bleiernen Schleiers, der sich über die tschechische Literatur legte, verstummte Holans Stimme in der Öffentlichkeit erneut. Als er 1980 starb, wurde ihm allerdings ein Staatsbegräbnis zuteil. Die Herren am Hradcín hatten sein Wort gefürchtet, jetzt glaubten sie, es sei für immer verstummt.

In einer beispielslosen Hingabe an den Wort- und Bildzauberer Holan bereitet der in Heidelberg lehrende Slavist Urs Heftrich eine Gesamtausgabe im Kölner Mutabene Verlag vor, deren erste Bände er jetzt im Kunstverein präsentierte. Sie verlangt nicht nur eine profunde Kenntnis der sprachlichen Nuancen im Tschechischen, sondern auch ein großes Einfühlungsvermögen in die zum Teil kryptische Innenwelt Holans.

Assistiert vom Lektor für tschechische Sprache am Slavistischen Seminar, Michael Spirit, sind die beiden Bände, die sich dem Frühwerk widmen, eine eindrucksvolle Einführung in Holans sprachliche Magie - auch wenn Heftrich zugeben musste, dass sich bestimmte Gedichte dem reinen Verstehen entziehen, weil sie Bilder enthalten, die nur auf Lautfolgen des Tschechischen aufbauen und deshalb von der Musikalität allein leben. Dennoch gelingt es dem Slavisten in seiner akribischen Nachdichtung, Holans Sprachzauber gerecht zu werden.

Auf 15 Bände (bis 2029) ist die Übertragung des Gesamtwerkes angelegt. Während die Übersetzung und die Herausgabe des ersten Bandes ganz und des zweiten nur teilweise gesponsert wurde, suchen die Herausgeber jetzt weitere Förderer, damit auch die restlichen Bände erscheinen können - keine leichte Aufgabe.

Im September 2005 wäre Vladimír Holan 100 Jahre alt geworden. Von der Rezeption durch ein breites Publikum hielt er nichts: "Ich sage dir, kunst ist klage, / etwas für manchen, nicht für alle".

Milan Chlumsky

Vladimír Holan, Gesammelte Werke; Lyrik I, 30 Euro; Epische Dichtungen III, 20 Euro, Mutabene Verlag Köln



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