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30. November 2005

Der Wissenschaftler und die Medien – Eine Liaison mit Zukunft?

Karrieresprungbrett Öffentlichkeit: Doch der Weg des Forschers zum Laien ist oftmals weit – In der multimedialen Lehrredaktion der Universität Heidelberg – HeidelR@d – können Studenten frühzeitig den Umgang mit den Medien üben

Die Wirtschaft weiß es seit langem: Über ökonomischen Erfolg entscheidet nicht allein ein marktgerechtes Produkt. Auch das Image eines Unternehmens in der Öffentlichkeit stellt einen entscheidenden Faktor dar. Deshalb suchen Manager gerne – und zwar mit Raffinesse und professioneller Hilfe – wann immer sie können den Weg in die Medien.

Der Trend schwappt nach Europa

Die Wissenschaft zeigt sich derweil auf diesem Terrain noch im Dornröschenschlaf befangen. Erst allmählich dämmert es, wie wichtig Wahrnehmung in die gesellschaftliche Breite hinein zu sein vermag. Das Renommee eines Wissenschaftlers scheint nicht länger allein davon abzuhängen, was er in Fachorganen publiziert, oder mit welchem Engagement er seine Studenten unterrichtet. Der Trend, heute gleichermaßen als Forscher wie als Dolmetscher der eigenen Arbeit brillieren zu müssen, schwappt mit erstaunlicher Vehemenz aus den angloamerikanischen Ländern auf den europäischen Kontinent herüber.

Der Anlass für die geforderte professionalisierte Kommunikation erweist sich dabei meist als der gleiche: Es geht um die Verteilung von Ressourcen. Universitäten streben danach, über eine positive Außenwahrnehmung möglichst die besten Studenten an sich zu binden. Vor dem Hintergrund eines allerorten keimenden Alumnigedankens bedeutet dies natürlich auch die zahlungskräftigsten. Die Naturwissenschaften, des Nimbus unhinterfragbarer gesellschaftlicher Nützlichkeit verlustig, finden sich im Zentrum gleich mehrerer kritischer Debatten von erstaunlicher Komplexität wieder. "Stichworte sind hier die Fragen der Nutzung der Atomenergie, Gentechnik, Stammzellforschung, und als jüngstes Beispiel die Nanotechnologie. Hinzu kommt in manchen Fächern eine Legitimationskrise, in vielen weiteren Finanzierungs- und Nachwuchsprobleme. All diese äußeren Faktoren tragen dazu bei, dass die Kommunikation verstärkt wird", so Dr. Eva-Maria Streier, Direktorin des Bereichs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Vor allem in den Geisteswissenschaften zeigen sich Berührungsängste. Gewaltig war die Fallhöhe aus einem bisher auch ökonomisch anerkannten Selbstverständnis des althergebrachten Wissenschaftsideals. Selbstverständlich galt vielen, dass die Zwecke des Forschens "von einem viel höheren Gesichtspunkte aus", wie Humboldt es formulierte, den Belangen des Gemeinwohls dienen. Die Öffentlichkeit hat sich emanzipiert. "Wissenschaft lebt nicht im Elfenbeinturm, sondern in einer Gesellschaft, die sie alimentiert und ihr Rahmenbedingungen struktureller und rechtlicher Art schafft", stellt Streier fest.

Leichter tun sich jüngere Wissenschaftler mit dem Metier der Öffentlichkeitsarbeit. Die Investition eines Teils der immer viel zu knapp bemessenen Wissenschaftlerzeit hat für sie erkennbaren Nutzen. Denn Aufmerksamkeit bedeutet Anerkennung und bringt oft Forschungsgelder für die eigenen Projekte. Doch oft ist es auch das persönlich empfundene Anliegen, den Nutzen der eigenen Forschungsarbeit vermitteln zu wollen.

In Heidelberg werden für Nachwuchsforscher Möglichkeiten angeboten, diesen Weg in die Öffentlichkeit zu üben. Denn erst die Fähigkeit, die Bedürfnisse des publizistischen Gegenübers zu erkennen, ist der Schlüssel zum Erfolg. "Es gibt ganz bestimmte Spielregeln, nach denen Medien funktionieren. Doch mit einer Hand voll Tipps allein ist es ganz sicher nicht getan. Pressearbeit braucht vor allem Übung und Praxis", stellt Winfried Göpfert, Autor und Moderator von ARD-Serien fest. Seit 1990 hat er die erste und bis vor kurzem in Deutschland einzige Professur für Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin inne. "Ein Wissenschaftler muss die Sprache der Journalisten wie das spezifische Leserinteresse begreifen lernen."

Zusammen mit dem Freien Wissenschaftsjournalisten Jörg Göpfert bietet er seit 2001 Seminare mit den Titeln "Schreibwerkstatt" und "Medientraining" an. Sie finden vier bis sechs Mal jährlich in der Villa Bosch statt und werden von der Klaus Tschira Stiftung im Rahmen ihres Fortbildungsangebots "Kommunikationskompetenz für Naturwissenschaftler" gefördert. Vor allem praktische Übungen prägen die Lehrinhalte. Denn das wichtigste Instrument, um die Redaktionen zu erreichen, ist und bleibt die passgenaue Pressemitteilung. Sie muss klar formuliert sein, der Journalist muss auf Anhieb erkennen, worin der Neuigkeitswert liegt.

"Früher reagierten viele Wissenschaftler oft unwirsch, wenn ich sie bat, sich vor der Kamera möglichst verständlich auszudrücken", erinnert sich Winfried Göpfert. In den USA gelte nicht selten derjenige unter Fachkollegen besonders viel, der in beiden Bereichen glänzen könne: als wissenschaftlicher Publizist wie als Autor in den Zeitungen.

Hart umkämpftes Terrain

Eine Gefahr, die Wissenschaftlern gleichwohl immer wieder aufs Neue droht, wenn sie in die Öffentlichkeit gehen oder auch unfreiwillig dorthin geraten, ist die Verzerrung oder Falschdarstellung ihrer Forschungsergebnisse. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten, schon im Vorfeld das hart umkämpfte publizistische Terrain für das eigene Thema zu gewinnen. In der so genannten HeidelR@d, der multimedialen Lehrredaktion der Universität Heidelberg, können Studenten frühzeitig den Umgang mit den Medien üben. In kostenlosen Kursen erlernen sie das Recherchieren, üben Interviews, erfahren wie eine Redaktion funktioniert. Die Ruperto Carola, das Wissenschaftsmagazin der Universität, gibt Wissenschaftlern im Internet überdies einen klar strukturierten Leitfaden an die Hand, wie wissenschaftliche Artikel für das gebildete Laienpublikum aufzubereiten sind. Hinweise wie eine zugkräftige Pressemitteilung geschrieben werden sollte, bietet überdies auch die Rhein-Neckar-Zeitung online an.

Johannes Schnurr

www.heidelred.uni-hd.de sowie www.uni-heidelberg.de/presse/ruca/merkblatt.html. – Seminare der Klaus Tschira Stiftung: www.kts.villa-bosch.de; Hinweise zum Erstellen einer Pressemitteilung: www.rnz.de



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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