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19. Dezember 2005

Athenaeum-Stiftung eröffnet der Heidelberger Ägyptologie neue Möglichkeiten

Heidelberger Athenaeum-Stiftung ermöglicht der Ägyptologie eine Forschungsstätte für Kulturwissenschaft – Große Bedeutung der ägyptischen Kultur und ihrer 3.000 Jahre währenden Tradition – Prof. Dr. Dietrich Goetze, dem Begründer der Stiftung, wurde am 7. Dezember durch den Senat die Würde eines Ehrenbürgers verliehen

In Zeiten leerer Kassen und voller Streichlisten leiden gerade die kleineren geisteswissenschaftlichen Fächer unter den allgegenwärtigen Kürzungen. Eine großzügige Spende oder gar eine gestiftete Forschungsstätte – wie sie kürzlich der Heidelberger Ägyptologie zu Teil wurden – kann hier wie ein kleines Wunder wirken. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse, als im Sommer eine Meldung über die neue Ägyptologische Forschungsstätte für Kulturwissenschaft (ÄFKW) die Runde machte. Ermöglicht wurde diese durch die Heidelberger Athenaeum-Stiftung für Kultur und Wissenschaft, die für zunächst einmal fünf Jahre den Unterhalt der ÄFKW sichert, die zwar in enger Verbindung zum Ägyptologischen Seminar steht – personell jedoch von diesem getrennt ist. Gleichwohl erfährt auch das Seminar, das seit kurzem von Professor Joachim Quack geleitet wird, der sich zentral mit der Philologie und hier vor allem mit römerzeitlichen Handschriften beschäftigt, ab Januar finanzielle Unterstützung durch die Athenaeum-Stiftung.

Amun verleiht dem König Lebensatem
Amun verleiht dem König Lebensatem, symbolisiert durch das Anch-Zeichen. Amuntempel Karnak, 18. Dynastie.

Wichtigstes Ziel der ÄFKW ist es, "die ägyptologische Forschung mit spezifisch kulturwissenschaftlicher Ausrichtung langfristig in der Universität zu verankern und fortzuführen", wie es der Stiftungsvertrag formuliert. Damit spricht sich auch die Ruperto Carola eindeutig für den dauerhaften Fortbestand des Seminars aus – sowie für die Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeit von Professor Jan Assmann, der das Ägyptologische Seminar von 1976 bis 2003 leitete, und maßgeblich für das gute Renommee auf den Forschungsgebieten der Literatur, der Geschichte und nicht zuletzt der Religion verantwortlich war. Beide Parteien – also Stiftung und Universität – "gehen dabei davon aus, dass das Fach Ägyptologie ein Kernelement altertumswissenschaftlicher Forschung und Lehre an der Universität ist und daher langfristig bestehen wird", erklärt der Vertragstext weiter, und macht so deutlich, welche Stärkung das Fach durch die neue Forschungsstätte erfährt, die das Arbeitsfeld der Heidelberger Ägyptologie massiv erweitert.

Nicht vergessen sollte man hierbei, dass die ÄFKW ohne die Bemühungen von Prof. Dr. Dietrich Goetze niemals hätte entstehen können. Er hat sich als Begründer der Athenaeum-Stiftung drei zentralen Förderzielen verschrieben: Neben der Unterstützung der Naturwissenschaften – Dietrich Goetze habilitierte sich 1975 in München auf dem Fachgebiet Immunologie und Genetik und war bis 1981 stellvertretender Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für Immunogenetik – liegen dem ehemaligen Geschäftsführer des wissenschaftlichen Springer-Verlags und stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Universität Heidelberg gerade auch die Geisteswissenschaften am Herzen.

Vor allem die Ägyptologie hat es ihm hierbei regelrecht angetan: "Die ägyptische Kultur ist in meinen Augen etwas wirklich Einmaliges. Alleine die Tatsache, dass ein Kulturreich über die unglaubliche Zeitspanne von fast 3.000 Jahren bestehen konnte – die zwischenzeitlichen Brüche und Veränderungen kann man im Verhältnis zur gesamten Zeitspanne und der Kulturbeständigkeit getrost vernachlässigen – macht einen sprachlos. Dies noch umso mehr, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Reiche und Kulturen zeitlich parallel entstanden und vergingen. Das Ägyptische Reich hat zwar durch seine geografische Lage – im Osten und Westen lagen Wüsten, im Süden unwegbares Gebiet und im Norden das Mittelmeer – einen Sonderstatus, das allein kann aber noch keine ausreichende Erklärung sein. Was macht also den Unterschied? Das hat mich schon immer fasziniert", betont der gebürtige Berliner, der bereits durch sein Elternhaus in Kontakt mit der ägyptischen Kultur kam. "Mein Vater, wie auch meine Mutter, war Kunsthistoriker und Archäologe, bevor er 1949 in das Verlagswesen wechselte. Doch galt sein privates Interesse weiterhin den Kulturwissenschaften. Eine frühe Prägung kann ich folglich nicht bestreiten", erklärt der pensionierte Verleger schmunzelnd.

Dass diese Prägung heute der Heidelberger Ägyptologie zu Gute kommt, freut wiederum Dr. Hubert Roeder, den Leiter der ÄFKW. "Die langfristige Förderung durch die Athenaeum-Stiftung ist natürlich ein absoluter Glücksfall. Und das nicht nur, weil wir eine so großzügige finanzielle Unterstützung erfahren, sondern vor allem, weil uns eine private Stiftung Projekte ermöglicht, die wir sonst nie hätten realisieren können", betont Hubert Roeder, der die Forschungsstätte seit Sommer diesen Jahres gemeinsam mit zwei Stipendiaten und mehreren Hilfswissenschaftlern mit Leben füllt. "Natürlich ist die Ägyptologie unser Beschäftigungsfeld. Allerdings geht es uns hierbei nicht nur um die reine Quellenarbeit an überlieferten Texten, sondern um die Gesamtheit der ägyptischen Kultur", erklärt er. Hubert Roeder führt in diesem Zusammenhang die langjährige Tradition seines Mentors Jan Assmann weiter – möchte zugleich aber auch einige neue Akzente setzen und die Bedeutung der Ägyptologie in der öffentlichen Wahrnehmung weiter stärken.

Die Wahrnehmung des Fachs in der Öffentlichkeit könnte sich künftig stark verändern, möchte sich doch die ÄFKW vor allen Dingen den Themen der Kulturwissenschaften widmen – und dies auch außerhalb des ägyptologischen Forschungsalltags. "Wir wollen in diesem Kontext jährlich eine Tagung veranstalten und entsprechende Publikationen zu den vorgestellten Themen herausgeben. Gleich im kommenden Jahr werden wir uns hierbei mit dem Erzählen in den frühen Hochkulturen beschäftigen, wobei wir uns nicht nur auf ägyptische Quellen stützen möchten, sondern auch benachbarte Fächer zur Mitarbeit einladen." 2007 dann sollen ganz gezielt die anderen Mittelmeerkulturen ins Visier genommen werden – was eine weitreichende Vernetzung innerhalb der Altertumswissenschaften der Ruperto Carola nach sich ziehen wird.

"Solche und ähnliche Projekte – ich denke hier vor allem an unser Vorhaben, ein mehrteiliges Handbuch zu altägyptischen Ritualen herauszugeben – wären natürlich ohne die Athenaeum-Stiftung undenkbar. Nun jedoch können wir auf Jahre hinaus langfristig planen und forschen – eine solch faszinierende, einzigartige Chance kann man sich als Wissenschaftler nur wünschen", erklärt Dr. Roeder, dem gleichwohl klar ist, dass gerade die jährlichen Tagungen ein intensives öffentliches Interesse an der Ägyptologie nach sich ziehen werden – was wiederum voll und ganz der Intention der Stiftung entspricht, die neben der generellen Förderung der Wissenschaften auch ihre positive Wahrnehmung in der Gesellschaft forcieren möchte. Und dies bezieht sich beileibe nicht nur auf die Naturwissenschaften, die zwar ebenfalls von der Athenaeum-Stiftung unterstützt werden, nach Meinung von Dietrich Goetze jedoch die Geisteswissenschaften in der Vergangenheit zu sehr an den Rand gedrängt haben.

"Die Naturwissenschaften haben bei uns solch ein starkes Primat, dass die Geisteswissenschaften in den letzten Jahren viel zu kurz kamen. Nehmen wir nur einmal die Kunstgeschichte oder die Philosophie! Ich glaube, da leisten wir uns einen unerhörten Luxus, wenn wir diese Fachgebiete vernachlässigen. Eine Gesellschaft kann meiner Meinung nach nämlich nur dann einen Wertekonsens haben, wenn dieser durch die Geschichte, durch die Philosophie oder auch durch die Religion vermittelt wird. Deshalb hat es sich die Athenaeum-Stiftung zur Aufgabe gemacht, die Wissenschaft nicht nur zu unterstützen, sondern auch ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft zu fördern."

Gerade in Zeiten leerer Kassen kann solch eine Unterstützung zuweilen ein echtes kleines Wunder darstellen. Die Heidelberger Ägyptologie ist hierfür ein beeindruckendes Beispiel.

Heiko P. Wacker



Rückfragen bitte an
ÄFKW
Ägyptologische Forschungsstätte für Kulturwissenschaft
Marstallhof 4, 69117 Heidelberg
Tel. 06221 542535, Fax 542551
aefkw@urz.uni-heidelberg.de

Athenaeum-Stiftung für Kultur und Wissenschaft
Neuenheimer Landstraße 34, 69120 Heidelberg
Tel. 06221 6551967, Fax 6551965

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse




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