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14. Dezember 2005

Frischer Wind an historischer Stätte

Das Seminar für Klassische Philologie fördert junge Wissenschaftler – Universitätsverlag Winter beteiligt

Im schieren Größenverhältnis mag sich das Seminar für Klassische Philologie gegenüber manchen naturwissenschaftlichen Instituten eher klein ausnehmen. Dafür jedoch kann das im Marstallhof beheimatete Fach auf eine knapp 200-jährige Geschichte zurückblicken – kein Seminar der Universität Heidelberg ist älter. Jüngstes Beispiel für dennoch frische Wissenschaft ist der "Heidelberger Förderpreis für klassisch-philologische Theoriebildung", der die beste Nachwuchsarbeit auf den Gebieten der Griechischen und Lateinischen Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft honoriert und nun erstmals verliehen wurde.

Das Projekt als Provokation

Das Projekt hat sich explizit der Nachwuchsförderung verschrieben, wie Prof. Jürgen Paul Schwindt erklärt. Der Direktor des Seminars für Klassische Philologie ist seit über fünf Jahren mit dem Förderpreis beschäftigt. "Die Idee entstand schon, als ich meinen Lehrstuhl antrat – und bemerkte, wie schwer es der Nachwuchs hat, bestimmte Fragestellungen anzugehen. Denn reine Theoriethemen, die sich mit ganz grundlegenden Sachverhalten beschäftigen und beispielsweise der Frage nachgehen, was überhaupt eine philologische Frage ist, werden meist nur ungern oder gar nicht als Dissertation oder Habilitation angenommen. Manchen Kollegen sind solche Problemstellungen eben viel zu modern."

Der erste Preisträger, Dr. Martin Vöhler (FU Berlin), wurde für seine Habilitationsschrift "Pindarrezeptionen. Sechs Studien zum Wandel des Pindarverständnisses von Erasmus bis Herder" ausgezeichnet, die sich mit der gesamteuropäischen Nachwirkung des altgriechischen Lyrikers Pindar beispielsweise in der Kulturgeschichte oder der Rhetorik beschäftigt.

Prof. Schwindt möchte den Förderpreis durchaus auch als eine Provokation innerhalb der klassischen Philologie verstanden wissen, die seiner Meinung nach zu sehr an der gewohnten wissenschaftlichen Arbeit rein pragmatischer Texterschließung hängt und vor moderneren Fragestellungen zurückschreckt. "Was ist überhaupt Literatur? Was macht einen klassischen Text aus? Wie stelle ich eine philologische Frage? Das sind unbequeme Themen, die von vielen Doktorvätern nur ungern gesehen werden und deshalb junge Leute abschrecken. Doch eine Behandlung lohnt sich, greifen die Themen doch tief in die Geschichte der Ideen hinein. Und das ist ein faszinierendes Gebiet", findet Schwindt. Und nicht nur er. Von Anfang an war auch Dr. Andreas Barth, Leiter des Heidelberger Universitätsverlages Winter, von der Idee eines moderneren Verständnisses der Klassischen Philologie überzeugt, so dass der initiierte Förderpreis aus der Kooperation zwischen Verlag und Seminar entstand.

Der Verlag ermöglicht hierbei den wohl größten Anreiz des Preises, der mit 1500 Euro dotiert ist. Viel wichtiger ist jedoch die Chance auf eine Publikation – übernimmt doch der Verlag die Kosten für die Drucklegung in der renommierten "Bibliothek der Klassischen Altertumswissenschaften". Die von Prof. Schwindt herausgegebene "Bibliothek" ist eine der international angesehensten Buchreihen auf den Gebieten der Griechischen und Lateinischen Philologie. "Mit dem Einbeziehen hervorragender Nachwuchstexte wollen wir natürlich auch die gesamte Schriftenreihe nach vorne bringen – sie vielleicht sogar zum Paradepferd der Altphilologie machen", erklärt Schwindt. "Wir sollten uns ohnehin viel mehr auf unser grundlagenwissenschaftliches Erbe besinnen und uns der systematischen und analytischen Arbeit an den begrifflichen und kategorialen Voraussetzungen antiker und moderner Diskurse widmen. Diese stand zwar schon einmal – zu Beginn des 19. Jahrhunderts und somit zur Gründungszeit des Heidelberger Seminars – im Zentrum der Klassischen Philologie. Doch ist es alles andere als abwegig, dass sie heute erneut eine tragfähige Grundlage für eine moderne Wissenschaft vom Altertum sein könnte.

Denn selbst ein 1807 gegründetes Seminar ist vor den aktuellen Kürzungen nicht gefeit. "Die Klassische Philologie steht an vielen deutschen Universitäten mit dem Rücken zur Wand. Lehrstühle für griechische und lateinische Sprach- und Literaturwissenschaft bleiben über Jahre unbesetzt, werden bestenfalls vertreten, schlimmerenfalls umgewidmet, gestrichen", warnte Prof. Schwindt denn auch im Rahmen der Preisverleihung. Zudem erinnerte er an die zahlreichen Zubringerdienste, die die Klassische Philologie heute zu leisten hat: "Sie verhilft Pädagogen zur Sprachkenntnis. Hilft Historikern beim Quellenstudium der Originale. Neuphilologen erwarten von ihr Aufschluss über thematisch-motivische Zusammenhänge. Was man nicht erwartet, ist, dass die Klassische Philologie mit eigenen Erkenntnissen aufwarten könnte, spezifischen Einsichten in die Verfassung von Sprache und Literatur!"

Zahlreiche Zubringerdienste

Mit dem neu geschaffenen Preis soll demnach nicht nur der modern denkende akademische Nachwuchs unterstützt, sondern auch ein anderes Bild des Fachs in der Öffentlichkeit vermittelt werden. "Wir können eben keine sensationellen Ausgrabungen vorweisen wie die Archäologie", bedauert Prof. Schwindt mit einem wehmütigen Lächeln. "Deshalb sind wir gezwungen, die Bedeutung der Klassischen Philologie auf andere Weise deutlich zu machen."

Der neu geschaffene Preis ist hierfür ein gutes Beispiel. So konnten als Mitjuroren der Literaturwissenschaftler und erste Heidelberger Gadamer-Professor Karl Heinz Bohrer (New York/Stanford) und die Tübinger Romanistin Maria Moog-Grünewald gewonnen werden. Eine weitere Besonderheit des Preises stellt die Tatsache dar, dass einzig die eingereichte Schrift den Ausschlag gibt. Eine ideale Chance also für all jene Nachwuchswissenschaftler, deren Arbeiten andernorts als zu modern abgetan werden.

wac



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