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30. November 2005

Hier entstand ihr erstes Gedicht

Die Heidelberger Dichterin Hilde Domin wurde mit dem höchsten Orden der Dominikanischen Republik ausgezeichnet

Der Ehemann war die ganze Feier über präsent, auch wenn er seit siebzehn Jahren tot ist. "Erwin und ich", diese Formulierung benutzte Hilde Domin mehrfach in ihrer den Festakt abschließenden Dankesrede. Die seit über 40 Jahren (wieder) in Heidelberg lebende Dichterin wurde im Großen Rathaussaal mit der höchsten Auszeichnung, die die Dominikanische Republik zu vergeben hat, geehrt, Anlass genug, der 96-Jährigen einige herzliche Laudationes zukommen zu lassen, in denen die komplexe Biografie der gebürtigen Kölnerin aufschien mit den markanten Daten 1932, 1940, 1951, 1954.

1932 war die Studentin an der Ruperto Carola gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Erwin Walter Palm, die bedrohlichen Zeichen der Zeit richtig deutend, nach Italien emigriert, wo in Rom geheiratet wurde. Die zweite Station war England, und von 1940 an bot ihnen die Dominikanische Republik großherzig Asyl. 1951 entstand dort das erste Gedicht. 1954 kehrten die Palms nach Deutschland zurück: "Ich stand auf und ging heim in das Wort. Von wo ich unvertreibbar bin. Das Wort aber war das deutsche Wort."

Der dem deutschen Bundesverdienstkreuz vergleichbare Orden "del Mérito de Duarte, Sánchez y Mella, en el grado de Comendador", die höchste Auszeichnung der Dominikanischen Republik, wurde der Dichterin für ihr Lebenswerk und das ihres Mannes Erwin Walter Palm verliehen. Botschafter Dr. Pedro Vergés stellte zunächst seinem allezeit gastfreundlichen Land, das den Ankömmlingen stets mit Sympathie begegnet sei, ein gutes Zeugnis aus, bevor er Hilde Domin und ihrem Mann, die dreizehn Jahre lang in der Dominikanischen Republik im Exil lebten, für den von ihnen geleisteten fruchtbaren Austausch zwischen den Kulturen dankte und unter dem Beifall der Festversammlung der Dichterin den hohen Orden ans Revers heftete.

Oberbürgermeisterin Beate Weber, ließ in ihre Ansprache, die die musikalisch umrahmte Feier eröffnete, zahlreiche Domin-Zitate einfließen, die nicht nur das menschliche Format der Lyrikerin, sondern auch ihre sensible Formulierungskraft demonstrierten und die Geschichte ihres Lebens obendrein. "Ich nannte mich/ ich selber rief mich/ mit dem Namen einer Insel" dichtete Hilde Palm, die nach ihrer Rückkehr den Künstlernamen Domin als Hommage an ihre temporäre Heimat trug. Zahlreiche Ehrungen hatte ihr die Stadt Heidelberg zukommen lassen. Sie ist Trägerin der Richard-Benz-Medaille, der Heidelberger Bürgermedaille, der Preis "Literatur im Exil", der gerade an den Algerier Hamid Skif verliehen wurde, ist ihr zu Ehren gegründet worden. Der große Saal der Stadtbücherei trägt ihren Namen, und 2004 verlieh ihr der Gemeinderat anlässlich ihres 95. Geburtstages das Ehrenbürgerrecht, fünf Jahre, nachdem sie der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, zur Professorin ernannt hatte. Beate Weber erwähnte Hilde Domins enge Kontakte zur Jugend und apostrophierte sie als "Vermittlerin zwischen den Kulturen".

Aus dem Geist persönlicher Freundschaft gespeist war die Lobrede von Prof. Heinz Häfner, der das Visum der Dominikanischen Republik als lebensrettendes Dokument des Ehepaars Palm bezeichnete und aus intimer Kenntnis der beiderseitigen Biografien heraus die einzelnen Phasen des Überlebens und der Bewältigung des Alltags darlegte. Auch er erinnerte daran, dass Hilde Domins Gedichte, deren bildkräftige Sprache er rühmte, in 21 Sprachen übersetzt wurden und ihre Schöpferin noch heute in alle Welt eingeladen wird. In Klassenzimmern und Turnhallen löse sie Sympathien aus, spreche die Lyrikerin doch Menschen aller Lebensalter an. Auch aufgrund ihrer Zivilcourage sei sie ein Vorbild gerade für junge Menschen.

In seiner Laudatio auf den einstigen Kollegen am Kunsthistorischen Institut der Ruperto Carola würdigte Prof. Peter Anselm Riedl in dem Klassischen Philologen und Archäologen Erwin Walter Palm (1910-1988) sowohl den Wissenschaftler als auch den Impulsgeber. Dass die koloniale Altstadt von Santo Domingo 1991 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, sei sein Verdienst gewesen. Er äußerte sich anerkennend über die Leistungen des Experten auf dem Sektor der prä-kolumbianischen, portugiesischen und spanischen Kolonialkunst, der viele Schriften aus dem Spanischen übertragen hatte, und fand zugleich rühmende Worte für seine ihm tatkräftig zur Seite stehende Ehefrau. Riedl attestierte dem Fachmann für die Kultur- und Kunstgeschichte ibero-amerikanischer Völker, den eurozentrischen Ansatz relativiert zu haben, bezeichnete ihn als zutiefst künstlerischen Menschen und versicherte, dass über Erwin Walter Palms Heidelberger Lehrtätigkeit seine Forschungen nicht in Vergessenheit geraten sind.

Nach soviel anerkennenden Reden artikulierte Hilde Domin ihre Freude darüber, dass die Feier auch eine Ehrung für Erwin sei und las einen Abschnitt aus seinen Lebenserinnerungen vor. Sie bekannte, dass Santo Domingo ihnen Heimat war, hatte sie doch auf der Karibikinsel begonnen, Gedichte zu schreiben.

Heide Seele



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