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23. Dezember 2005

"Fragen Sie Dr. Sommer"

Dr. Lutz Sauerteig sprach über Etikette und Erotik in "Bravo"

"Fragen Sie Dr. Sommer." Wer diesen Satz hört und seine Jugend in den 60er und 70er Jahren erlebt hat, muss dabei unwillkürlich schmunzeln. Mit Dr. Sommer, der damals in der Zeitschrift "Bravo" für bundesweite Aufklärung erotischer Probleme sorgte, wurde eine ganze Generation groß. Über das Thema "Von der Etikette zur Erotik: Sexualaufklärung in Bravo (1960er/70er Jahre)" sprach jetzt Dr. Lutz Sauerteig im Institut für Geschichte der Medizin.

Sauerteig lehrt an der britischen University of Durham und hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Dass "Bravo" durchaus ein Thema ist, zeigt zur Zeit eine Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum in Hilden, die sich zum 50. Geburtstag des Blattes bestens besucht zu einem echten Renner entwickelt. Als die Zeitschrift im August 1956 zum ersten Mal auf den Markt kam (Miterfinder war übrigens Peter Boenisch, später Chefredakteur von "Bild" und "Welt", danach Regierungssprecher), betrug die Auflage 30 000 Exemplare pro Woche; 25 Jahre später waren es 1,5 Millionen.

Was war das besondere an dieser Zeitschrift, die, so Sauerteig, 60 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 21 Jahren erreichte? "'Bravo' sprach Mädchen und Jungen gleichermaßen an und prägte ein Stück westdeutscher Jugendkultur", so der Historiker. Die Werte, die Dr. Sommer (ein Pseudonym für Dr. Martin Goldstein) und sein Vorgänger, Dr. Christoph Vollmer (ein Pseudonym für die Schriftstellerin Marie Louise Fischer), in "Bravo" vermittelten, entsprachen stets strikt dem Zeitgeist.

In den 50er und frühen 60er Jahren setzte "Bravo" auf Ehe und Familie. In der Serie "Knigge für Verliebte" hieß das für Mädchen, dem "Drängen des Jungen auf das Letzte" nicht nachzugeben und sich "für die Ehe aufzusparen"; den Jungen dagegen wurde erklärt, dass Homosexualität heilbar sei und gleichgeschlechtliche Liebe eigentlich ein Fall für den Psychiater.

Doch die Zeiten änderten sich, die Pille kam auf den Markt und die 68er propagierten freie Liebe für alle. "Bravo" änderte sich mit. Mit dem Wechsel zum Bauer-Verlag kam in den 70er Jahren viel nackte (Mädchen-) Haut in die Jugendzeitschrift.

"Die Leser konnten jetzt erogene Zonen wie auf einer Landkarte studieren", erläuterte Dr. Sauerteig. Wer "Bravo" las, bekam erotisches Rüstzeug für eine gelingende Beziehung mit, er lernte beispielsweise die richtigen Kuss-Techniken in Text und Bild. Dass Mädchen mit einer vollen Oberlippe zärtlich und sensibel seien, stand ebenso in "Bravo" wie Foto-Lovestories zum Anschauen und Nachspielen. Was in "Bravo" stand, galt, schließlich waren Ärzte und Psychologen in den Augen der jugendlichen Leser wissenschaftliche Autoritäten. Das sind sie bis heute.

Ingeborg Salomon



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Irene Thewalt
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Tel. 06221 542311, Fax 542317
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