zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

20. Dezember 2005

"Ahnenforschung auf höchstem Niveau"

Großer Andrang beim Weihnachtskolloquium des Physikalischen Instituts der Universität Heidelberg – Der Referent und "TV-Astronom" Professor Harald Lesch im RNZ-Interview

Der große Hörsaal der Physik im Neuenheimer Feld platzt aus allen Nähten. Studenten tragen zusätzliche Stühle hinein und Franz Eisele, der geschäftsführende Direktor des Physikalischen Instituts bittet, zusammenzurücken. Grund für den Andrang ist der Referent beim Weihnachtskolloquium des Instituts. Der ist kein Nobelpreisträger, sondern Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik an der Universität München – und Dozent für Naturphilosophie, Autor und Fernsehmoderator.

Professor Harald Lesch.   
Professor Harald Lesch.
Foto: Kresin

Vor allem durch seine Sendung "Alpha Centauri" auf BR Alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Fernsehens, wurde Lesch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dort erklärt er alle zwei Wochen in einer Viertelstunde was ein schwarzes Loch ist, wie Galaxien entstehen oder was man unter Higgs-Teilchen versteht – und zwar so anschaulich, dass auch Laien etwas verstehen. Mittlerweile hat er noch zwei weitere Sendungen. Bei "Lesch & Co" führt er mit dem Philosophieprofessor Wilhelm Vossenkuhl Zwiegespräche über Themen wie "Sind die Naturgesetze überall gültig?", bei "Alpha bis Omega" unterhält er sich mit Theologen. In diesem Jahr wurde er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem "Communicator"-Preis ausgezeichnet, die Deutsche Physikalische Gesellschaft verlieh ihm die Publizistik-Medaille.

Beim Weihnachtskolloquium mit dem Titel "Sind wir allein im Universum" glänzt der Hobby-Kabarettist Lesch nicht nur durch fundiertes Wissen, sondern auch durch Sprachwitz und Schlagfertigkeit – etwa, als sein Laser-Pointer ausfällt und er den Elektronen darin gut zuzureden versucht. Im Gespräch mit der RNZ spricht Lesch über seine Tätigkeit als TV-Moderator, die Bildungsfeindlichkeit in Deutschland und sein Vorbild Hanns Dieter Hüsch.

Fremde Galaxien interessieren den Astronomen Lesch
Fremde Galaxien interessieren den Astronomen Lesch – wie hier die sieben Millionen Lichtjahre entfernte NGC 300.
Foto: MPG/ESO

Herr Lesch, seit 1998 moderieren Sie "Alpha Centauri". Wie kam es eigentlich dazu?

Ich sollte im Bayerischen Fernsehen erklären, was die Symbole auf der Pioneer-10-Sonde bedeuten. Ich kannte nicht alle und habe das auch gesagt. Aber der Rest meines Vortrags hat den Fernsehleuten wohl gefallen, denn sie haben mich gefragt, ob ich nicht eine Sendung machen wollte. Wir haben Probeaufnahmen gemacht und dann ging's los.

Sie bringen dem Laien-Fernsehpublikum komplexe physikalische Zusammenhänge nahe. Gibt es da einen Trick?

Ich denke, dass es vor allem wichtig ist, die Zuschauer ernst zu nehmen. Ich verzichte auch auf Fachsprache. Das Erklären habe ich schon während des Studiums geübt, wenn ich meinen Eltern davon erzählt habe, denn ich komme aus einer sozialen Schicht, die mit Naturwissenschaft nichts zu tun hatte.

Sie sind ein Bewunderer des kürzlich verstorbenen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Haben Sie sich bei ihm etwas für ihre Vorträge und Fernsehauftritte abgeschaut?

Ja, ich bin ein waschechter Hüschianer. Als ich in Toronto gelehrt habe, habe ich beim Joggen Hüsch gehört. Ich habe mehrere seiner Programme fast Wort für Wort im Ohr und viel von ihm übernommen. Er ist der Größte.

Sie unterrichten auch Naturphilosophie. Kommt man damit automatisch in Berührung, wenn man sich in der Forschung immer weiter an den Urknall heranbewegt?

Da muss man nicht unbedingt an den Urknall ran. Die Physik war lange Zeit eine experimentelle Philosophie. Bis ins 18. Jahrhundert gab es keinen solchen Bruch zwischen den beiden Disziplinen wie heute. Erst dann haben sie sich auseinander entwickelt. Für mich gehören Philosophie und die Naturwissenschaften einfach zusammen.

Sie waren drei Jahre lang Forschungsassistent an der Landessternwarte auf dem Königstuhl. Wie sind ihre Erinnerungen an Heidelberg?

Sehr gut, wir haben damals in Wiesenbach gewohnt und uns sehr wohl gefühlt. Außerdem habe ich in Heidelberg ganz wichtige Menschen kennen gelernt, zum Beispiel Immo Appenzeller, der bis vor kurzem Leiter der Landessternwarte war. Er war mein erster Mentor und hat mich eingestellt, obwohl ich noch nichts veröffentlicht hatte. Solch ein Vertrauen gegenüber jungen Wissenschaftlern würde ich mir heute auch manchmal wünschen.

Sie haben des öfteren die "Bildungsfeindlichkeit" in Deutschland angeprangert.

Sogar die Politik sagt ja manchmal, "die in den Universitäten sind faule Säcke". Da würde ich mir ein bisschen mehr Respekt wünschen. Denn der beste Rohstoff, den wir haben, sind gute Ideen. Und außerhalb weiß man oft nicht, was die Wissenschaftler da eigentlich machen. Da müssen sich die Hochschulen verstärkt der Öffentlichkeit zuwenden, bevor sich die Mehrheit die Gehirne vorm Fernseher zerdämmern lässt. Gerade in Heidelberg gibt es dafür gute Voraussetzungen, denn hier ist ein wichtiges Zentrum für die Wissenschaft.

Was bedeuten Ihnen die Preise, die Sie für die Wissensvermittlung bekommen haben?

Das ist natürlich toll. Man hat dann nicht mehr das Gefühl, der Narr am Hof des Königs zu sein. Besonders habe ich mich über den Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft gefreut, denn der kam direkt von den Kollegen. Das ging runter wie Öl, denn es gibt wohl nichts Selteneres im Universum als Kollegenlob.

Bleibt Ihnen bei den vielen Fernsehsendungen überhaupt noch Zeit für die Forschung?

Ja natürlich. Wir drehen an einem Tag vier Folgen "Alpha Centauri", das reicht für zwei Monate. Aus den vielen Anfragen wähle ich meine Termine kritisch aus, ich habe keinen vollen Terminkalender. Aber das Wochenende ist heilig.

Der Titel Ihrer allerersten Sendung hieß "Warum betreiben wir Astronomie?" Haben Sie eine kurze Antwort für uns?

Wir wollen wissen, was am Himmel geschieht. Aber im zweiten Schritt ist Astronomie Ahnenforschung auf höchstem Niveau. Wenn wir uns mit der Entstehung des Universums und der Erde beschäftigen, denken wir nach über uns selbst, wir fragen uns, wo wir herkommen. Zudem ist Astronomie eine harmlose Wissenschaft, es kommen ja keine Waffen dabei raus. Deswegen wird sie vielleicht auch manchmal etwas stiefmütterlich behandelt.

Wie lange wollen Sie "Alpha Centauri" noch machen?

Ich habe Material für 1000 Sendungen. Das ist mein Ziel, dann bin ich 78 Jahre alt.

Steffen Blatt



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg