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6. Dezember 2005

Abendstern im hellsten Glanz

Sonne, Mond und Sterne im Dezember – Ab dem 22. werden die Tage wieder länger

Die erste Wintersternbilder, Fuhrmann und Stier, sind über dem Osthorizont zu sehen. Bis Mitternacht folgen dann der Jäger Orion mit seinen Jagdhunden, der Große und der Kleine Hund, und das Sternbild Zwillinge. Das Wintersechseck, bestehend aus den hellen Sternen Capella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Pollux im Sternbild Zwillinge, strahlt in seinem vollen Glanz. Der hellste Stern am Nachthimmel überhaupt ist jetzt zu sehen: Sirius (griech. seírios = der Flammende, heiß), das Auge des Großen Hundes. Dieser Stern hat ein strahlend helles, bläulich-weißes Licht, das so hell erscheint, weil er mit 8,6 Lichtjahren (81 Billionen km!) Entfernung relativ nahe an uns steht.

Sternbild Orion in Kulturvergleich

Der Name dieses Sternbildes bezieht sich auf den großen griechischen Jäger Orion, der sich einmal damit gebrüstet haben soll, der beste Jäger der Welt zu sein und alle wilde Tiere der Erde erlegen zu können. Dies verübelte ihm Gaia, die Erdgöttin. Sie schickte einen Skorpion aus, der Orion einen tödlichen Stich zufügte. Zeus versetzte daraufhin beide an den Himmel. Wenn das Sternbild Skorpion im Osten in Sommer aufgeht, muss Orion den Himmel im Westen verlassen. Dadurch stehen die beiden Rivalen niemals zusammen am Himmel!

Wir wissen mit Sicherheit, dass der Name des Sternbilds älter ist als die griechische Mythologie. So zeigen jüngste Untersuchungen, dass sich der Name vom Akkadischen Uru-anna, "Licht des Himmels" herleitet, den die Griechen später übernommen haben. Die Sumerer sahen darin ein Schaf. Und so war sein hellster Stern Beteigeuze, der aus dem Arabischen mit "Achsel" übersetzt wird, die "Achsel des Schafs".

Beteigeuze ist einer der 20 hellsten Sterne am Himmel. Er ist ein roter Variabelstern, dessen Durchmesser während seiner Pulsationen zwischen dem 300- und 400-fachen des Durchmessers unserer Sonne schwankt. Im alten China ist Orion eines der 28 chinesischen Tierzeichen. Er wird als "Shen" bezeichnet, was "drei" bedeutet und wahrscheinlich von den drei Gürtelsternen herrührt. Die Ägypter sahen in Orion eine Widerspiegelung ihres Gottes Osiris und die Wikingern den Gott Thor, der durch einen Fluss watet und den Gott Loki an seinem Gürtel hängend hinüber zieht. Aufgrund seiner Auffälligkeit es ist nicht erstaunlich, dass viele Völker dem Sternbild verschiedenste Bedeutungen zugeschrieben haben.

Sonne, Mond und Planeten

Da die Sonne am 21. Dezember den südlichsten Punkt ihrer scheinbaren Jahresbahn durchläuft (Wintersonnenwende, astronomischer Winteranfang), steigt die tägliche Sonnenscheindauer auf der Nordhalbkugel ab dem 22. wieder an, die "Tage werden länger". Die Neumondphase wird am Monatsersten erreicht, Vollmond entsprechend am 15. Dezember. Merkur erreicht am 12. seine größte (westliche) Winkeldistanz zur Sonne und ist demnach kurz vor Sonnenaufgang im Südosten zu sehen. Die beste Gelegenheit, den flinken Götterboten zu erspähen, bietet sich zwischen dem 7. und 17., jeweils um 7 Uhr.

Venus ist weiterhin "Abend-Stern". Am Monatsanfang ist sie bis etwa 19 Uhr im Südwesten zu sehen, am Monatsende bestenfalls bis 18 Uhr. Mars ist weiterhin ein auffälliges Objekt am Abendhimmel, vom Morgenhimmel zieht er sich zunehmend zurück. Zu Silvester verschwindet er bereit um 3 Uhr früh in den horizontnahen Dunstschichten. Jupiter übernimmt die morgendliche Himmelsbühne vom Mars. Ab 5 Uhr kann man ihn im Osten sehen. Saturn nähert sich der Gegenscheinphase (Opposition zur Sonne) und ist somit fast die ganze Nacht sichtbar. Er steht zwischen Regulus im Löwen und den Zwillingssternen Castor und Pollux. Uranus kann noch in den Abendstunden aufgefunden werden, Neptun und Pluto sind derzeit nicht sichtbar.

Der Stern von Bethlehem als Konjunktion zweier Planeten

Was war der Stern von Bethlehem? Gab es ihn wirklich? Jahrhundertelang haben Astronomen und Astrologen nach einer Antwort gesucht. Noch heute gibt es den Versuch, biblische Beschreibungen mit von alten Völkern registrierten Himmelsereignissen zusammenzubringen um die Lösung zu finden. Den Stern als Kometen zu deuten war eine erste Idee, die keine astronomische Unterstützung fand: es wurde kein Komet in der römische Zeit besichtigt. Darüber hinaus galten Kometen eher als Unheilboten und nicht als Ankündiger von Königen. Auch wurde in der Zeit keine Supernova Explosion beobachtet.

Die jüngste Theorie hat der Astronom Michael R. Molnar in dem Buch "The Star of Bethlehem: The Legacy of the Magi" zusammengefasst. Nach einer ausführlichen Untersuchung von Münzmotiven der Herodeszeit, Schriftquellen und astronomischen Ereignissen, kommt er zu dem Ergebnis, dass Jesus am 17. April, 6 v. Chr., zwei Jahre vor dem Tod Herodes, geboren wurde. An diesem Tag erschien Jupiter im Osten als Morgenstern in Konjunktion mit Saturn (von der Erde aus gesehen, hintereinander) und der Mond im Zeichen Widder. Sehr wahrscheinlich konnte man beide Planeten mit bloßem Auge nicht trennen. Jupiter und Saturn sind schon für sich alleine sehr helle Objekte; wenn sie zusammen an der gleichen Stelle stehen, ergibt sich ein sehr heller neuer "Stern".

Der österreichische Astronom d'Occhieppo entdeckte im British Museum Keilschriften von babylonischen Priestern, die das astronomische Ereignis 6 v. Chr. beschreiben. Der Widder ist ein Symbol des jüdischen Volkes, das immer wieder im Alten Testament erwähnt wird. Deswegen zogen die drei weisen Priester (Könige) nach Israel. Dass die Geburt Christi "6 v. Chr" geschah, kann man wie folgt erklären: Unsere Jahreszählung geht auf den römischen Mönch Dionysus Exiguus zurück, der sich bei seinen Rückrechnungen um sechs Jahre geirrt hat. Somit passen nach Molnar die historischen Eckdaten und das Treffen der Planeten Jupiter und Saturn im Widder überrein. Dass wir die Geburt Christi am 24. Dezember feiern, liegt daran, dass die frühen Christen den genauen Geburtstag nicht kannten und einen heidnischen Feiertag – die Geburt des Sol Invictus –, der unbesiegbaren Sonne, adoptiert haben.

Von Dr. Cecilia Scorza de Appl und Dr. Andreas Korn
Landessternwarte
Zentrum für Astronomie Heidelberg
Ruprecht-Karls-Universität

INFO: SAP-Unterstützung für die Astronomieschule e.V.: Dank der Unterstützung von SAP im Rahmen des Regionalen Engagement Projekts, werden wir ab Dezember 2005 in der Lage sein, eine große Anzahl unserer Workshops und Lehrerberatungen an Schulen und Lehrer kostenlos anzubieten. Weitere Information unter HD 21681 (nur abends) oder cecilia.appl@abenteuer-astronomie.de.
Eine Einführung in die Himmelsorientierung für Familien bietet Frau Scorza de Appl am Sonntag, den 11.12.05 um 15:30 Uhr im EXPLO Heidelberg an (Technologiepark, im Neuenheimer Feld, Gebäude 582). Die Veranstaltung wird durch didaktische Spiele, eine Jahreszeitenstation und das Basteln einer drehbaren Sternkarte für die Himmelsorientierung begleitet.
Führungen: Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bietet regelmäßige Führungen an, bei denen, gutes Wetter vorausgesetzt, Beobachtungen am Fernrohr durchgeführt werden. Näheres unter 06221-541706 (zwischen 12:00 und 16:00 Uhr) oder unter http://www.lsw.uni-heidelberg.de



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
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