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2. November 2005

Ethnozentrismus und Menschenbild: eine kulturvergleichende und evolutionsbiologische Betrachtung

Vortrag von Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel, Max-Planck-Institut für Ornithologie Andechs, am 6.11.2005 im Rahmen der Reihe "Weltsichten – Weltbilder: Vom Bild zur Wahrnehmung" – 11.00 Uhr im Institut für Zoologie, Im Neuenheimer Feld 230

Aus kulturvergleichenden und evolutionsbiologischen Untersuchungen an weitgehend isoliert lebenden Völkern, etwa aus Papua Neuguinea, kann auch viel über Mechanismen unserer Wahrnehmung und unserer Weltbilder verstanden werden: Menschen und sozial lebende Tiere verhalten sich nach einem Zwiebelschalenmodell: Das Ich mit seinen Bedürfnissen und Interessen ist im Mittelpunkt, Kinder und Reproduktionspartner folgen in der nächsten Schicht, dann die erweiterte Familie, die Sippe, der Stamm, die Sprachgemeinschaft usw. In manchen Sprachen, z.B. dem Kilivila, das auf den Trobriand-Inseln in Papua Neuguinea gesprochen wird, existieren in abgestuften Ebenen unterschiedliche Possessivpronomina, die engere oder weitere Nähe zu Ego ausdrücken. In allen Kulturen findet oder fand sich die in der Tradition fest verankerte Vorstellung, dass die eigene Ethnie das Zentrum der Welt ist. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass Stammes-Endogamie ein sehr weit verbreitetes Heiratsmuster war und vielerorts noch ist. Andererseits waren andere Gruppen, z.B. für das Einhandeln lebenswichtiger oder bedeutender Güter, begehrte und akzeptierte Partner. Schon früh in der Geschichte unserer Spezies mag daher ein Spannungsbogen zwischen Xenophilie und Xenophobie bestanden haben.

Krieger aus dem Hochland von Papua Neuguinea auf dem Weg zum Kampf gegen die Feinde im  Nachbartal.
Krieger aus dem Hochland von Papua Neuguinea auf dem Weg zum Kampf gegen die Feinde im Nachbartal. Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel, (Max-Planck-Institut für Ornithologie Andechs) wird in seinem Vortrag eine kulturvergleichende und evolutionsbiologische Betrachtung zu Ethnozentrismus und resultierenden Menschenbildern geben
Aufnahme: W. Schievenhövel

Wie wir zunehmend und oft erschrocken zur Kenntnis nehmen, verhalten sich Gruppen, aber auch ganze Länder, oft extrem ethnozentrisch und versuchen, ihre Interessen zum Teil mit Gewalt durchzusetzen. Das Bild vom jeweils Anderen wird entsprechend gezeichnet. Insbesondere in Situationen (quasi) kriegerischer Auseinandersetzung geschieht das mit dem propagandistischen Instrument der Dehumanisierung: Den Anderen wird abgesprochen, richtige Menschen zu sein. Im Vortrag werden Beispiele, vor allem aus archaischen Kulturen Melanesiens, dafür gegeben, und es wird die Frage gestellt, wieviel Ethnozentrismus angemessen sein mag und ob möglicherweise unsere moderne, globale Welt die Menschen auch bezüglich ihrer Loyalität überfordert.

Das Zoologische Museum ist am Vortragstag von 10.00-12.00 Uhr geöffnet.



Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Volker Storch
oder Dr. Henner Hollert
Tel. 06221 545655 oder 545650, Fax 546162
Volker.Storch@urz.uni-heidelberg.de
Henner.Hollert@urz.uni-heidelberg.de

allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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