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21. November 2005

Wann werden akute Rückenschmerzen zum chronischen Leiden?

Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg entwickeln „Heidelberger Kurzfragebogen Rückenschmerz“ zur Risikoabschätzung

Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg haben einen Fragebogen entwickelt, der das Risiko für die Entwicklung chronischer Rückenschmerzen ermittelt. Danach sind vor allem Personen gefährdet, deren Rückenschmerzen mehr als eine Woche andauern und sehr intensiv sind, und die auch in anderen Körperregionen Schmerzen verspürten. Eine Rolle spielen ebenfalls psychische Faktoren wie Neigung zur Depression, zu „katastrophisierenden“ Gedanken und Hilflosigkeit. Bei Frauen werden Schmerzen häufiger chronisch als bei Männern; ebenso ist ein niedriger Schulabschluss mit einem höheren Risiko verbunden.

Der „Heidelberger Kurzfragebogen Rückenschmerz“ wurde von der Psychologin Dr. Eva Neubauer und dem Leiter der Sektion Scherztherapie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, Professor Dr. Markus Schiltenwolf, jetzt erstmals in zwei Publikationen veröffentlicht. Er enthält insgesamt 27 Fragen zu zehn Fragenkomplexen und kann von dem Patienten in wenigen Minuten selbständig ausgefüllt werden. Die Auswertung in der Praxis mit Hilfe eines Taschenrechners nimmt ebenfalls nur wenig Zeit in Anspruch.

Fragebogen sagt chronisches Leiden mit 78 % Wahrscheinlichkeit voraus

Zunächst haben die Heidelberger Wissenschaftler untersucht, welche Fragen eine Vorhersage der Entwicklung eines chronischen Leidens zulassen. Dafür befragten sie gemeinsam mit mehreren orthopädischen Praxen insgesamt 192 Patienten im Akutstadium der Rückenschmerzen und erneut nach sechs Monaten. Aus insgesamt 167 Fragen, die nach dem aktuellen Forschungsstand einen Risikofaktor einer möglichen Chronifizierung darstellen können, kristallisierten sich 27 Fragen zu zehn Fragekomplexen heraus, die in den neuen Kurzfragebogen einflossen. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 78 Prozent können diese Risikofaktoren vorhersagen, ob ein Patient chronische Rückenschmerzen entwickeln wird oder nicht“, erklärt Frau Dr. Neubauer.

Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind für den einzelnen eine Qual. Mit 30 Millionen Betroffenen in Deutschland, die einmal im Jahr über Rückenschmerzen klagen, gehören sie zu den häufigsten Leiden überhaupt. Volkswirtschaftlich betrachtet verursachen sie jährliche Verluste an Arbeitausfall in Milliardenhöhe. „Für die Therapie ist es wichtig vorhersagen zu können, bei wem das Leiden voraussichtlich chronisch wird“, sagt Professor Schiltenwolf. Dann können als vorbeugende Therapie spezfische Risikofaktoren identifiziert und bearbeitet werden: Patienten mit Chronifizierungsrisiken brauchen mehr Unterstützung und Motivation zur aktiven Bewältigung als nur Röntgenbilder und Spritzen.

Als nächster Schritt vor einer Einführung des Kurzfragebogens in die ärztliche Praxis soll nun in einer weiteren Studie überprüft werden, wie gut der Fragebogen bei einer zweiten unabhängigen Stichprobe vorhersagen kann, ob die akuten Rückenschmerzen chronisch werden.

Ansprechpartner:
Dr. Eva Neubauer
Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf
Schmerztherapie
Telefon: +49 6221 96 6323
Fax: +49 6221 96 6380
Sekretariat Frau Lueg-Damm
Email: sabine.lueg-damm@ok.uni-heidelberg.de

Literatur:
Neubauer E, Junge A, Pirron P, Seemann H, Schiltenwolf M.
HKF-R 10 – Screening for predicting chronicity in acute low back pain (LBP): A prospective clinical trial. Eur J Pain. 2005 Sep 29;

Neubauer E, Pirron P, Junge A, Seemann H, Schiltenwolf M.
What questions are appropriate for predicting the risk of chronic disease in patients suffering from acute low back pain? Z Orthop Ihre Grenzgeb. 2005 May-Jun;143(3):299-301.

Weitere Information im Internet: www.orthopaedie.uni-hd.de/


Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 – 56 45 36
Fax: 06221 – 56 45 44
Handy: 0170 – 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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