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29. Oktober 2005

Mars dominiert den Sternenhimmel

Sonne, Mond und Sterne im November – Sternbild Perseus steht hoch über dem Horizont – Roter Planet der Erde sehr nahe

Kurz nach Einbruch der Dämmerung ist der gestirnte Himmel von den Herbststernbildern Cassiopeia (das "Himmels-W"), Cepheus, Andromeda, Pegasus, Perseus, Cetus, den Fischen und dem Widder geprägt. Den Hauptorientierungspunkt bietet das Pegasusquadrat, das aus den vier hellsten Sternen des Sternbilds Pegasus besteht.

Das Sternbild Perseus kann gut im Herbst beobachtet werden, da es dann hoch über dem Horizont steht. Der zweithellste Stern des Perseus ist Algol, ein veränderlicher Stern. Bereits im Mittelalter hatten arabische Astronomen entdeckt, dass der Stern regelmäßig über einen bestimmten Zeitraum dunkler wird. Der Name Algol leitet sich aus dem arabischen al Ghul ab und bedeutet soviel wie "Teufelstern". Algol ist eigentlich ein Dreifachstern, wobei der Hauptstern von zwei lichtschwachen Begleitern eng umkreist wird. Einer der Begleiter zieht zeitweise vor dem Hauptstern vorbei und verdunkelt diesen.

Sterne, bei denen dieses Phänomen auftritt nennt man Bedeckungsveränderliche. Algol repräsentiert das Auge der mythologischen Medusa (siehe unten). Die Sternenkette der Andromeda steht hoch am Himmel.

Die Andromeda Galaxie, unsere Nachbarmilchstraße in rund zweieinhalb Millionen Lichtjahren Entfernung, steht recht zenitnah in diesem Sternbild und kann bei klarem Himmel mit bloßem Auge wahrgenommen werden. Südlich von Andromeda erstreckt sich das Sternbild Fische und der Wassermann. Östlich davon leuchtet im Sternbild Widder der Planet Mars, der sich zur Zeit in geringer Erdentfernung befindet.

Sternbild des Monats: Perseus

Der Mythologie zufolge wurde Akrisios, dem König von Argos, vorhergesagt, dass ein Sohn seiner Tochter Danae ihm einmal zum Verhängnis werden würde. Zutiefst verängstigt schloss er die Tochter deshalb zusammen mit ihrer Amme in einem Bronzeturm des Palasthofes ein, damit kein Mann sie berühren konnte. Zeus, der sich in Danae verliebt hatte, befruchtete die Schlafende als Goldregen, woraufhin sie einen Jungen zur Welt brachte. Nach der Geburt des Kindes stand Akrisios vor einem Dilemma: Er liebte seine Tochter, fürchtete sich aber wegen der Weissagung vor seinem Enkel. So entschied er sich, beide in einen Korb einzuschließen und sie auf dem Meer auszusetzen.

Als Mutter und Sohn auf Seriphos, einer Insel der Kykladen, an Land gespült wurden, fand ein Fischer die beiden und ließ sie bei sich wohnen. Der König der Insel aber verliebte sich in Danae und wollte ihren mittlerweile zu einem Mann gereiften Sohn Perseus loswerden. Deshalb verlangte er von Perseus, ihm das Haupt der Medusa zu bringen. Diese war einer der schrecklichen Gorgone, deren Blick jedes Wesen zu Stein werden ließ. Mit seinem Schild bewaffnet drang Perseus in Medusas Höhle ein, näherte sich ihr im Rückwärtsgang und schnitt ihr den Kopf ab, den er in seinem Schild sehen konnte.

Auf seinem Rückweg in die Heimat rettete er die Prinzessin Andromeda vor dem Meeresungeheuer Cetus. Die schöne Prinzessin sollte geopfert werden, weil ihre Mutter Cassiopeia damit geprahlt hatte, noch schöner zu sein als die Meeresnymphen. Als das Ungeheuer sich nun der Andromeda näherte, kam es zu einem dramatischen Kampf, bei dem Perseus mit seinem Schwert das Untier erlegte. Und so bekam Perseus Andromeda zur Frau. Auf seinem Weg nach Argos machte das Paar im Pelasgerland Halt, wo gerade Kampfspiele abgehalten wurden. Perseus Wurf mit dem Diskus traf seinen eigenen Großvater, der eben dorthin geflohen war, um seinem Enkel zu entgehen, sodass sich der Orakelspruch erfüllte. In tiefer Trauer begrub Perseus seinen Großvater. Ihm selbst schenkten die Götter ein langes und glückliches Leben mit Andromeda. Nach ihrem Tod wurden beide als leuchtende Sternbilder in den Himmel erhoben, wo Perseus mit dem Haupt der schreckliche Medusa in seiner Hand noch zu sehen ist.

Mond und Planeten

Neumond findet am Morgen des 2. statt, Vollmond am Morgen des 16. Venus ist strahlender Abendstern, am 3. des Monats erreicht sie ihre größte Winkeldistanz zur Sonne (47 Grad). Mars dominiert den Sternenhimmel. Er ist die ganze Nacht sichtbar und steht westlich vom Roten Riesen Aldebaran, dem Kopfstern des Sternbildes Stier. Jupiter kann in den frühen Morgenstunden der zweiten Monatshälfte am Osthorizont aufgefunden werden. Saturn kann am Monatsanfang ab Mitternacht gesehen werden, am Monatsende bereits ab 22 Uhr. Merkur bleibt diesen Monat unsichtbar.

Am 7. November steht Mars in Opposition (Gegenschein) zur Sonne. Das ist die günstigste Position, die ein äußerer Planet erreichen kann, da er dabei die ganze Nacht sichtbar ist und sich in geringstmöglicher Erdentfernung befindet. Aufgrund der elliptischen Natur der Planetenbahnen fallen die Oppositionsentfernungen der Planeten von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Vor zwei Jahren kam Mars der Erde außergewöhnlich nahe, lediglich 56 Millionen Kilometer trennten die Nachbarplaneten damals voneinander. Dieses Jahr werden es 69 Millionen Kilometer sein, knapp ein Viertel mehr als 2003.

Mars ist in den letzten Jahren zum intensiven Forschungsgegenstand der Planetologen geworden. Eine Reihe unterschiedlicher Weltraummissionen untersucht den roten Planeten, sowohl aus der Umlaufbahn (z.B. "Mars Global Surveyor") als auch auf Rädern (z.B. die Rover "Opportunity" und "Spirit"). Mit jeder Messung und jedem Photo vervollständigt sich ein fortwährend lückenhaftes Bild von der Geschichte dieser recht erdähnlichen Welt. Gerade die Fragen, wie erdähnlich Mars einmal war oder noch ist und ob es dort Leben gab oder gibt, sind von großem Interesse, auch für die Öffentlichkeit.

Interessante Entdeckungen sind in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren gemacht worden. Dazu zählt unter Anderem der eindeutige Nachweis von Hämatit, einem Eisenoxid, das sich unter irdischen Bedingungen nur bei Vorhandensein von flüssigem Wasser bildet. Zudem hat man Abflussrinnen gefunden, die in drei Jahre (1.4 Marsjahre) alten Aufnahmen noch nicht vorhanden waren. Ob diese Rinnen in zwingendem Zusammenhang mit flüssigem H2O stehen, ist jedoch unklar. Des Weiteren hat man ein versteinertes Flussdelta gefunden, was auf geologisch ausgedehnte Entwicklungsphasen mit flüssigem Wasser hindeutet.

Vieles spricht also dafür, dass Mars über gewisse Zeiträume Wasser in flüssiger Form "bereitgestellt" hat. Mit dem Wissen, dass auf unserer Erde Leben überall dort zu finden ist, wo Wasser ist, besteht also die berechtigte Hoffnung, auf dem Mars Spuren dieses Lebens zu finden.

Wo ist also das Marswasser? Ein Teil der Polkappen besteht mit Sicherheit aus Wassereis. Ein anderer Teil des Wassers wird in Form von Permafrost unter der Marsoberfläche erwartet. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil kann dem Mars aber auch verloren gegangen sein, da seine Anziehungskraft zu gering ist, um den Wasserstoff in der Atmosphäre zu halten, der bei der Aufspaltung von Wasserdampf durch Höhenstrahlung entsteht. Die Suche nach dem Marswasser und damit nach Leben im Universum ist also alles andere als abgeschlossen.

Dr. Cecilia Scorza de Appl und Dr. Andreas Korn
Landessternwarte
Zentrum für Astronomie Heidelberg
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

INFO: Marsbeobachtung: Am Freitag, den 4. November besteht die Möglichkeit, bei gutem Wetter und nur nach Voranmeldung abends den Mars an der Landessternwarte zu beobachten. Interessierte melden sich bitte per e-mail (cecilia.appl@abenteuer-astronomie.de) oder telefonisch (HD 21681, nur abends) an. – Lehrerberatung: Die Astronomieschule an der Landessternwarte (ZAH) bietet kostenlose Lehrerberatungen (Grundschule und Sekundärschule) für Schulprojekte an. Infos unter HD 21681 (abends) oder cecilia.appl@abenteuer-astronomie.de – Führungen: Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl bietet regelmäßige Führungen an, bei denen Beobachtungen am Fernrohr durchgeführt werden. Näheres unter 06221-541706 (12.00 bis 16.00 Uhr) oder unter www.lsw.uni-heidelberg.de



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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Irene Thewalt
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