zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

3. November 2005

Der reiche Niederschlag von drei Jahrtausenden Kultur

Der neu berufene Heidelberger Ägyptologe Joachim Quack arbeitet vor allem an römerzeitlichen Handschriften – Zurück zur Basisarbeit am Material

Der neu berufene Heidelberger Ägytologe Prof. Joachim Quack   
Der Heidelberger Ägytologe Prof. Joachim Quack. Wichtige Stationen seines Werdegangs waren Tübingen und Berlin.
Foto: Müller

Herr Prof. Quack, was fasziniert Sie im Zeitalter von Kinofilmen wie "Stargate" oder "Die Mumie" besonders an Ägypten?

Als diese Filme in die Kinos kamen, lag mein ägyptologischer Anfang schon eine Weile zurück. Als Heranwachsenden hat mich zum Beispiel eine Tut-anch-Amun-Ausstellung (1981) in Hamburg besonders fasziniert. Was mir aber an "Stargate" und der "Mumie" interessant erscheint, ist die stellenweise richtige ägyptologische Beratung – obwohl diese Filme ja viel Geschichtsklitterung und gewollten Trash enthalten. Da ich mich vor allem mit Sprache beschäftige, finde ich den Versuch reizvoll, für manche Sätze das Ägyptische in seiner realen Aussprache zu rekonstruieren. Wenn im Film unverständlich und mit Untertiteln unterlegt gesprochen wird, so handelt es sich tatsächlich um Altägyptisch.

Haben Sie diese Filme gerne angeschaut?

Die "Mumie" war für mich durchaus unterhaltsam, bei "Stargate" fand ich nur eine Szene wirklich gut: diejenige, in welcher der Hauptdarsteller in einer Diskussion über die Übersetzung der wichtigen Inschrift dagegen loswettert, dass die völlig veralteten Publikationen von Budge immer wieder nachgedruckt werden – dies ist eine recht lebensechte Szene, da sich die Ägyptologie tatsächlich mit veralteten Werken herumschlägt, die auch das Verständnis Ägyptens in der Öffentlichkeit noch zu sehr dominieren.

Dr. Mohamed Saleh, der frühere Direktor des Kairoer Nationalmuseums, hat vor einiger Zeit in der RNZ das große Museumsprojekt bei den Pyramiden beschrieben. Und es gab zwei erfolgreiche Ägypten-Ausstellungen in Basel und Bonn. Die Attraktion Ägyptens scheint ungebrochen.

Zweifellos. Noch kürzlich war es im ägyptischen Nationalmuseum in Kairo enorm voll – trotz der verschiedenen Terroranschläge, auch vor diesem Museum selbst. Deshalb wird man dort inzwischen sehr gründlich durchleuchtet.

Sie kommen jetzt aus Berlin, das einmal Zentrum der Ägyptologie war. Gilt dies noch heute?

Es gab die so genannte "Berliner Schule", und sie war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert führend. Der wichtigste Vertreter war Adolf Erman, der Berlin zum weltweiten Mekka der Ägyptologie machte. Dies gilt heute so nicht mehr. Durch die Kriegszeiten brachen viele Entwicklungen ab, und inzwischen ist die Ägyptologie in Deutschland eher dezentral strukturiert. Allerdings wird sie gegenwärtig tendenziell abgebaut, während viele andere Länder einen Aufschwung der Ägyptologie erleben. Berlin hat noch heute die größte Sammlung in Deutschland und als einer der wenigen Standorte zwei Professorenstellen – fast alle anderen verfügen nur über eine Professur.

Wie schätzen Sie die Position des 1910 gegründeten Heidelberger Seminars ein?

Schon im 19. Jahrhundert gab es vorübergehend eine Professur. Heute zählt das Seminar zu den älteren Instituten, und es hatte immer einiges Ansehen in Deutschland. Gerade durch meinen Vorgänger Jan Assmann ist es sehr bekannt geworden. Es ist typisch für die deutschen Seminare, dass sie ihre eigenen Schwerpunkte und Profile haben, die stark vom jeweiligen Professor abhängen. So war Heidelberg zuletzt in Bezug auf altägyptische Religion schon tonangebend und hinsichtlich der generellen Kulturgeschichte der Impulsgeber.

Was werden Ihre Forschungsschwerpunkte sein?

Meine Arbeit ist gegenwärtig stärker philologisch ausgerichtet. Ich beschäftige mich schwerpunktmäßig mit den Resten von altägyptischen Tempelbibliotheken, vor allem hieratischen und demotischen Handschriften der Römerzeit. Diese Kursivschriften entsprechen etwa unserer Schreibschrift. Das Demotische beispielsweise ist eine stark abgekürzte Kursivschrift, die selbst bei Ägyptologen als extrem schwierig gilt. Da sie von relativ wenigen Wissenschaftlern beherrscht wird, enthält sie noch viel zu erforschendes Potenzial.

Die Reste altägyptischer Tempelbibliotheken stehen im Zentrum der Forschungen von Prof. Joachim Quack
Die Reste altägyptischer Tempelbibliotheken stehen im Zentrum der Forschungen von Prof. Joachim Quack – sie enthalten noch viel zu erforschendes Potenzial. Im Bild: eine Liste von Mineralien und ihren Herkunftsorten, Museum Berlin.
Foto: Liepe

Welches Ziel verfolgen Sie?

Mein Ziel ist es, im Vergleich zu Assmann den Schritt zurück zu machen zur Basisarbeit am Material, um dann später in einem zweiten Schritt zu einer neuen Synthese über die altägyptische Kultur zu gelangen. Zum Beispiel arbeite ich jetzt an dem Projekt "Das Buch vom Tempel". Es handelt sich um ein Handbuch der alten Ägypter über den Betrieb an einem idealen Tempel – mit der architektonischen Anlage des Baues, der Organisation der Räume, den dargestellten Gottheiten oder den Priestern und Tempelbediensteten.

Soll der bisherige interdisziplinäre und kulturwissenschaftliche Ansatz weitergeführt werden?

Ja. Ich habe schon immer den interdisziplinären Austausch gesucht. Der Blick auf eine andere Kultur schärft auch das Verständnis für Ägypten. Umgekehrt können die Beiträge Ägyptens zu einem generellen Kulturverständnis eine nur eurozentristische Weltsicht verhindern.

Auf welche ägyptischen Perioden bezieht sich Ihre Arbeit?

Die Handschriften, an denen ich hauptsächlich arbeite, sind römerzeitlich – sie stammen aus dem ersten bis zweiten Jahrhundert n. Chr.; allerdings enthalten diese Texte nicht nur neue Kompositionen der Römerzeit, sondern den reichen Niederschlag von drei Jahrtausenden Kultur. Gerade im religiösen Bereich werden die alten Rituale stark tradiert.

Werden auch Forschungsprojekte in Ägypten betrieben?

Ich möchte jetzt ein solches starten. Es gab in Heidelberg immer eine Tradition der Feldarbeit, in jüngerer Zeit etwa das Ramessiden-Projekt in Theben. Ich beabsichtige nun eine Siedlungsgrabung. Dabei werden weniger künstlerisch attraktive Objekte gefunden als vielmehr elementare Dinge des Alltags, die für die Kultur in der Gesamtheit jedoch besonders wichtig sind.

Ist Ihr Seminar ausreichend ausgestattet?

Die Ausstattung ist sehr mager. Es gibt nur eine Professur für ein ganz weites Gebiet. Eine zweite Professur – etwa mit archäologischem oder kunstgeschichtlichem Zuschnitt – ist dringend erwünscht. Und dann brauchen wir für die Sammlung eine fest verankerte Kustodenstelle.

Der Katalog dieser Sammlung mit dem Titel "Vom Nil zum Neckar" kommt wieder?

In ihm werden die Objekte der Sammlung vorgeführt, ergänzt durch ihre Herkunftsgeschichte. Vieles stammt aus den badischen Grabungen, die von Hermann Ranke, dem ersten Heidelberger Lehrstuhlinhaber, in Ägypten durchgeführt wurden. "Vom Nil zum Neckar" wird es schon bald in einer überarbeiteten zweiten Auflage geben.

Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeiung



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg