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18. November 2005

Impfung weckt die Immunabwehr gegen Hirntumor

Acht postoperative Injektionen von körpereigenen Krebszellen können Prognose von Patienten mit Glioblastom deutlich verbessern

Privatdozent Dr. Hans-Herbert Steiner   
Privatdozent Dr. Hans-Herbert Steiner, Neurochirurgische Klinik der Universität Heidelberg.
Foto: Medienzentrum Uniklinikum Heidelberg

Eine Impfung mit körpereigenen Krebszellen, die während der Operation entnommen und dann modifiziert werden, kann die Überlebenszeit von Patienten mit bestimmten Hirntumoren (Gliobastoma multiforme) verlängern. Das haben Privatdozent Dr. Hans-Herbert Steiner und seine Mitarbeiter von der Neurochirurgischen Klinik der Universität Heidelberg gemeinsam mit Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums in einer kleinen Pilotstudie gezeigt. Für ihre grundlegende Arbeit sind die Heidelberger Forscher im April 2005 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Immuntherapie ausgezeichnet worden.

Das Glioblastom ist eine der bösartigsten Krebsarten überhaupt. Trotz aller Fortschritte der Chirurgie, Strahlen- und Chemotherapie bleibt die Prognose für Patienten mit einem Glioblastom schlecht. Ihre durchschnittliche Überlebenszeit beträgt nicht mehr als ein Jahr. Glioblastome nehmen ihren Ausgang in den Zellen der Neuroglia, dem auch für die Immunabwehr wichtigen Unterstützungsgewebe der Nervenzellen des Gehirns. Sie durchdringen das umliegende Gewebe schnell und setzen dabei Substanzen frei, die dessen Immunabwehr hemmen, so dass es dem Angriff der Krebszellen fast wehrlos ausgesetzt ist. Eine Therapie, die die Immunabwehr wachrüttelt, damit sie den Tumor in Schach halten kann, scheint deshalb eine lohnende Strategie gegen Glioblastome zu sein.

Zehn Millionen Tumorzellen pro Dosis

Die Injektion der gleichen Tumorzellen, die es innerhalb des Körpers bisher übersehen oder toleriert hat, macht das Immunsystem schlagartig auf den Feind im Inneren aufmerksam, so dass es mit Antikörpern und Killerzellen den Kampf aufnehmen kann. Noch empfindlicher reagiert das Immunsystem auf diese Injektion, wenn der Impfstoff mit einem Adjuvans - es wirkt wie ein zusätzliches Gefahrensignal - aufgerüstet ist. Das war im Fall der Heidelberger Arbeitsgruppe ein für den Menschen normalerweise ungefährliches Vogelvirus, das sich nur in Tumorzellen vermehren kann und deren Erkennbarkeit für das Immunsystem erhöht. Mit diesem Virus wurden die Tumorzellen, die den Patienten nach der Operation entnommen worden waren, infiziert. Eine Dosis des Impfstoffs enthielt dann zehn Millionen derart modifizierter Tumorzellen des jeweiligen Patienten.

Zwischen Dezember 1995 und April 2001 impften die Heidelberger Forscher 23 Patienten mit Glioblastomen mit körpereigenen Tumorzellen. Ihnen gegenüber stand eine Kontrollgruppe von 87 Patienten, die nicht geimpft wurde. Alle Patienten hatten nach der chirurgischen Resektion ihres Tumors an einer Strahlentherapie, viele von ihnen auch noch an einer Chemotherapie teilgenommen. Bis zu acht Mal wurden die 23 Patienten der Verumgruppe mit jeweils drei bis vier Wochen Abstand in die Haut ihres Oberschenkels geimpft.

Doppelte Überlebenrate auch in größeren Studien?

Die Impfungen wurden von den Patienten gut vertragen und riefen keine Nebenwirkungen hervor, die die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigt hätten. Bei den geimpften Patienten konnten deutlich erhöhte Zahlen von Anti-Tumor-Immunzellen nachgewiesen werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit der geimpften Patienten betrug 100 Wochen - gegenüber einem durchschnittlichen Wert von 49 Wochen in der Kontrollgruppe. 39 Prozent der geimpften Patienten überlebten länger als zwei Jahre - während dies in der Kontrollgruppe nur elf Prozent gelang. "Das ist eine hohe Überlebensrate, die bisher noch mit keiner anderen Behandlungsart erreicht wurde", kommentiert Hans Herbert Steiner, erinnert aber gleichzeitig daran, dass die Ergebnisse der Pilotstudie nicht ohne weiteres zu verallgemeinern seien. Denn die Studie habe nur wenige Patienten eingeschlossen, die zudem nicht nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) den beiden Gruppen zugeteilt worden seien. Sie weise aber mit ihren bemerkenswerten Resultaten in Richtung eines vielversprechenden Behandlungskonzeptes für Glioblastome, dessen Effektivität nun in größeren, randomisierten Studien geprüft werden solle.

Literatur:
Hans Herbert Steiner et al.:
Antitumor vaccination of patients with glioblastoma multiforme: A pilot study to assess feasibility, safety, and clinical benefit.
In: Journal of Clinical Oncology. Vol. 22, Nr. 21, Nov. 1 2004, S. 1-10.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Bei Rückfragen:
Privatdozent Dr. Hans-Herbert Steiner
E-Mail: Hans.Steiner@med.uni-heidelberg.de


Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
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www.klinikum.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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