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11. November 2005

Wenn bei den Genen ein Schalter umgelegt wird...

...entstehen für die Wissenschaftler neue Forschungsansätze – Professor Hermann Bujards Technologie dient weltweit als Grundlage

Für die biologische Forschung sind Gene und ihre Funktion seit Jahren ein Hauptthema: Wenn man einzelne Gene an- oder abschalten ließe, könnte man ihre Wirkung in der Zelle oder im ganzen Organismus beobachten. Solche von außen bedienbaren Genschalter gibt es. Den erfolgreichsten weltweit entwickelte Prof. Hermann Bujard zusammen mit seinem Doktoranden Manfred Gossen in den 90er-Jahren am Zentrum für Molekulare Biologie in Heidelberg.

Die Forschung konzentriert sich...

Heute vermarktet seine Heidelberger Firma TET Systems diese Technologie, auf der jedes Jahr immer noch mehr als tausend wissenschaftliche Arbeiten basieren.

Aber auch die Entwicklung des jüngsten AIDS-Medikaments Truvada beispielsweise beruht auf einem zellulären Testsystem, in dem das Wiederaufrollen des AIDS-Virus über den Tet-Schalter strikt kontrolliert wird.

Bei einfachen Lebewesen wie Bakterien, Hefen oder auch Fruchtfliegen lassen sich durch Inaktivierung einzelner Gene relativ leicht Zusammenhänge zwischen Gen und Funktion aufklären. Komplizierter wird es bei Säugetieren oder gar beim Menschen, wenn man in das regulatorische Netzwerk eingreifen will. Immerhin besitzt jede Körperzelle 30 000 Gene, wobei, so erklärte Professor Bujard im Gespräch mit der RNZ, zum Beispiel in den Muskelzellen nur fünf bis zehn Prozent aktiv sind. "Im Gehirn sollten 30 Prozent der Gene aktiv sein."

Bujards Technologie basiert auf Genschaltern, die sich mit Hilfe des Antibiotikums Tetrazyklin an- oder abschalten lassen. Das funktioniert prima im Mausmodell mit transgenen Tieren, denen für den Schaltvorgang im Trinkwasser Tetrazyklin verabreicht wird oder nicht. So lassen sich durch Ein- und Ausschalten von bestimmten Genen Erkrankungen im Tier modellieren und auch wieder "heilen". Mäuse mit Huntington-Erkrankung (Veitstanz) erholen sich zum Beispiel vollständig, wenn der Genschalter umgelegt und das Huntington-Gen inaktiviert wird.

...auf Krebsgene

Mit solchen Modellen kann die Pharmaforschung neue Ansatzpunkte für die Entwicklung von Medikamenten finden. "Auch massive Tumoren bei Mäusen können verschwinden, wenn das auslösende erste Gen abschaltet wird", betont Bujard. Die Forschung konzentriere sich daher erneut auf solche "Krebsgene".

Ebenfalls ein Thema für die TET-Technologie ist die Schädlingsbekämpfung geworden. Hier ließen sich beispielsweise Bestände von Insekten reduzieren oder auch eliminieren, indem man nur männliche Nachkommen eins Schädlings produziert und dann aussetzt. Sie werden solange nur Männchen erzeugen, bis es keine Weibchen mehr zur Reproduktion gibt. Der Eingriff in die Natur, so TET Systems-Mitarbeiterin Dr. Sabine Freundlieb, ließe sich dann rechtfertigen, wenn es um Schädlinge gehe, die aus fremden Kontinenten eingeführt wurden und keine natürlichen Feinde haben.

Die Firma TET Systems, im Heidelberger Technologiepark angesiedelt, hat die Patentfamilien, welche die Technologie schützen, vor zwei Jahren von BASF/Abbott zurück erworben. Die Technologie soll weiterentwickelt und erfolgreicher vermarktet werden, so Geschäftsführer Hans Peter Kneubühl. Für die akademische Forschung blieb der Zugang zur Technologie frei. Dadurch fand sie eine weite Verbreitung, wurde vielfältig eingesetzt und weiterentwickelt.

Birgit Sommer



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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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