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2. November 2005

Gelebte Verantwortung in der Wissenschaft

Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke beim "Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft"

Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke beim   
Professor Werner Franke entlarvte Doping-Sünder wie Kristin Otto, Heike Drechsler und Marion Jones.
Foto: Dagmar Welker

"Was ich tue, das geht nur noch mit Satire." So begann Professor Werner Franke seinen Beitrag zum "Heidelberger Forum Biowissenschaft und Gesellschaft", das von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung unterstützt wird. Satire über Sportler gab es im Anschluss reichlich zu hören, dazu Satire über Politiker, Satire über korrupte Sportverbände und über die Anfeindungen, denen Franke, Leiter des Instituts für Zellbiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und bekannt für seinen Kampf gegen Doping im Spitzensport, seit Jahrzehnten ausgesetzt ist.

Die Zuhörer im Auditorium der Print Media Academy erfuhren schnell, warum der Tausendsassa früher neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Leichtathletiktrainer auch auf diversen Kabarettbühnen aktiv war. Er wisse, dass seine Ausführungen oft unangenehm seien und stellte klar: "Sie können gerne protestieren." Eine ironische Warnung in Anspielung auf mehrere Dutzend Verleumdungsklagen gegen Franke und seine Ehefrau, die frühere Kugelstoßerin und Diskuswerferin Brigitte Berendonk. Denn für die von Franke des Dopings bezichtigten Sportler hatten diese Klagen oft unerwünschte Folgen – endeten sie doch meist mit einer Verurteilung der Kläger wegen Meineids und anderer Straftaten, die Franke zu seiner eigenen Verteidigung aufdeckte.

Mit Sarkasmus gegen Doping

So lernte der Anti-Doping-Kämpfer, dass "nur das Herstellen von Öffentlichkeit über Kanäle wie die britische BBC, und meine Bekanntheit als Wissenschaftler mich schützten, so dass ich immer weiter arbeiten konnte". Zukünftig schenkte man ihm Glauben. Zum Beispiel wenn er Sportler wie Kristin Otto, Heike Drechsler, Marion Jones und Tim Montgomery entlarvte. Dass die weiterhin als "tolle Vorbilder" für den Nachwuchs gelten, brachte Franke zurück zu Ironie und Sarkasmus.

Noch gewagter satirisch wurde er allerdings, als er auf das systematische Doping in der DDR zu sprechen kam: "Dass Menschen mit Androgen die schönen weiblichen Formen bewusst veränderten, dass konnte ich als Mann ja nicht einfach hinnehmen." Doppelt so hohe Testosteron-Werte bei Frauen wie bei dem berühmten kanadischen Doping-Sünder Ben Johnson, das sei "aberwitzig", so Franke. Ebenso aberwitzig findet er die Verabreichung von Epitestosteron, einer biologisch wirkungslosen Substanz, die einzig zur Verschleierung der männlichen Hormone diene.

Frankes Partnerin Brigitte Berendonk schlug als Erste die inzwischen üblichen unangekündigten Trainingskontrollen vor. Wegen der Schwere der Vergehen und um unglaubwürdige, auch fälschlich positive Doping-Tests zu diskreditieren, leiteten Franke und Berendonk unzählige Strafverfahren ein. Gegen Sportler, vor allem aber gegen Funktionäre, Ärzte und Wissenschaftler, die sie "geheimer krimineller Experimente an jungen Menschen" beschuldigten. Zuletzt verklagten sie das kalifornische Doping-Labor Quest Diagnostics, wo Sportlern mit Analysen geholfen wurde, ihre Werte bei allen erdenklichen Dopingmitteln gerade unterhalb der zulässigen Schwellenwerte einzupendeln. "Alles was sie da sehen, ist professionell geeichtes Doping", tat es Franke keineswegs Leid, Leichtathletik-Fans enttäuschen zu müssen.

"Häufigste Nebenwirkung: die Lüge"

Die Nebenwirkungen verbotener Substanzen, die eine breite Palette von der Aggressivität "anabolisierter" Türsteher über Krebsgeschwüre bis hin zum plötzlichen Herztod umfassen, seien zu wenig bekannt. In diesem Kontext zitierte Franke auch Jacques Rogge, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees: "Doping ist eine Frage der sportlichen Ethik und nicht ein kriminelles Problem." Diese Äußerung stünde der Praxis des DDR-Dopings in nichts nach. Damals war in schriftlichen Aufzeichnungen stets von UM, von "unterstützenden Mitteln", die Rede. Franke kopfschüttelnd: "Sie glauben, sie tun es nicht, nur weil sie es nicht so nennen. Die wohl häufigste Nebenwirkung des Doping ist die Lüge."

Warum man Werner Franke zu der Vortragsreihe eingeladen hatte, diese Frage beantwortete er zwischen den Zeilen: Weil er gelebte Verantwortung in der Wissenschaft verkörpert. Franke ist kein Forscher im Elfenbeinturm der Wissenschaft – höchstens ein elfenbeinernes Juwel im Haifischbecken korrupter Sportpolitik. Sein Aufruf an die wissenschaftlichen Kollegen zum Abschluss: "Wir dürfen nur ein Prinzip haben und das ist Wahrheit."

Niklas Schenck



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