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11. November 2005

Potenziale fördern, nicht Defizite suchen

Schwerstbehinderte Menschen können in Gruppen gefördert werden – Kirsten Fath hat darüber promoviert

Gerade Schwerstbehinderte brauchen eine ausgewogene Mischung aus Einzel- und Gruppenangeboten. Kirsten Fath zeigt in ihrer Dissertation, wie das aussehen kann.   
Gerade Schwerstbehinderte brauchen eine ausgewogene Mischung aus Einzel- und Gruppenangeboten. Kirsten Fath zeigt in ihrer Dissertation, wie das aussehen kann.
Foto: Welker

Menschen mit schweren Behinderungen leiden nicht nur körperlich. An den meisten Freizeitangeboten können sie nicht teilnehmen, so dass auch soziale Kontakte oft auf der Strecke bleiben. Für eine Bewegungstherapie in einer Gruppe, die ihnen körperlich helfen würde, gelten sie meist als nicht geeignet. Deshalb sind viele Schwerbehinderte auch einsam und vermissen die Geselligkeit in der Gruppe.

Kirsten Fath hat das zum Thema ihrer Dissertation gemacht. "Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungstherapie bei Menschen mit sehr schweren Behinderungen" heißt der Titel ihrer Doktorarbeit, die sie bei (dem inzwischen emeritierten) Professor Hermann Rieder am Institut für Sport und Sportwissenschaft geschrieben hat. Jetzt ist das 375 Seiten starke Buch im Lebenshilfe-Verlag erschienen – und nicht nur für Fachleute interessant. Denn es beschreibt nicht nur Defizite, sondern schaut nach Potenzialen.

"Wir wollten die schwerstmehrfachbehinderten Menschen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken", erklärte Kirsten Fath im Gespräch mit der RNZ. Seit zehn Jahren arbeitet sie an den Johannes-Anstalten in Mosbach und leitet dort ein Projekt, in dem sie Bewegungsangebote für diese schwerstbehinderten Männer und Frauen entwickelt hat. In ihrem Buch beschreibt Kirsten Fath nicht nur den neuesten Forschungsstand, sie erklärt auch an vielen Beispielen sehr anschaulich, welche Therapieangebote helfen können.

Einer ihrer Klienten ist H. Der 39-Jährige hat auf Grund einer frühkindlichen Hirnschädigung eine schwere Oligophrenie; er ist an Armen und Beinen gelähmt sowie auf einem Auge blind und auf dem anderen sehbehindert. Außerdem leidet er oft unter cerebralen Anfällen und verletzt sich massiv selbst. H. lebt in der Wohngruppe einer Behinderteneinrichtung und hat einen gesetzlichen Betreuer, der ihn gelegentlich besucht. "Auffallend ist, dass er stereotype Fingerspiele und Schaukelbewegungen macht, starken Stimmungsschwankungen unterliegt und ihm Entspannen sichtlich schwer fällt", berichtet Kirsten Fath.

Gerade für Menschen wie H. sei ein ausgewogenes Angebot zwischen Einzel-, Partner-, und Gruppentherapie sehr wichtig, so die Sportwissenschaftlerin, die auch Lehrbeauftragte an der Pädagogischen Hochschule ist. In ihrem Buch beschreibt Kirsten Fath Übungsstunden und erklärt didaktisch und methodisch, wie Schwerstbehinderte motorisch gefördert werden können.

Zu Beginn jeder Stunde steht ein Ritual, das Sicherheit vermittelt und bei dem sich der Einzelne als Teil der Gruppe wahrnehmen kann. Dann wird der Körper "aufgeweckt", d. h. einzelne Körperteile berührt, bewegt und ausgestrichen. Nach Partner- und Gruppenübungen gibt es zum Ausklang eine Entspannung, gefolgt von einem Abschlussritual.

Der Erfolg bestätigt das Konzept

Der Erfolg gibt dem Konzept von Kirsten Fath Recht. Bei H. habe das stereotype und selbstverletzende Verhalten abgenommen, er konnte am Gruppenangebot teilnehmen und fühlte sich dabei auch wohl. "Wir haben ihm positive Körper- und Bewegungserfahrungen vermittelt, seinen Wunsch nach Distanz aber auch respektiert, und ihn dann immer wieder zu den gemeinsamen Aktivitäten zurückgeführt", berichtet Kirsten Fath.

Geholfen hat das Projekt nicht nur H., sondern auch seinen Betreuern. Denn ihr Klient ist nun viel zugänglicher, der Umgang mit ihm ist deutlich einfacher geworden. Für die Mitarbeiter, die oft vom "Burn out-Syndrom" bedroht sind, sei das ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt, so die Autorin, die diese Arbeit aus eigener Erfahrung gut kennt.

Deshalb wünschen Professor Rieder und seine erfolgreiche Doktorandin, dass das Konzept Eingang in möglichst viele Einrichtungen für Schwerstmehrfachbehinderte findet, zum Wohl der Klienten und der Mitarbeiter.

Ingeborg Salomon

INFO: Kirsten Fath, Verhaltensauffälligkeiten und Bewegungstherapie bei Menschen mit sehr schweren Behinderungen, Lebenshilfe-Verlag, Marburg, 2005, 19,50 Euro.



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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