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7. Oktober 2005

"Tough" contra "zickig"

Alice Schwarzer über Männer, Frauen und Politik

Wenn ein Mann und eine Frau das gleiche tun, ist es noch lange nicht das gleiche. Wer wüsste das besser als Alice Schwarzer, Journalistin, Verlegerin und bekannteste Vertreterin des Feminismus. Gestern hielt die 62-Jährige den Eröffnungsvortrag beim siebten Kongress der Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen.

"Ohne die Frauenbewegung würden Sie nicht hier sitzen", begrüßte Alice Schwarzer die meist weiblichen Kongressteilnehmer in der voll besetzten Aula der Alten Universität. Sie hatte die Lacher sofort auf ihrer Seite, als sie ausführte, dass, wo früher ein "Geschlechterkrieg" ausgefochten wurde, heute ein "Gender-Konflikt" gelöst werde. An der Sache ändere das freilich wenig: Männer haben (immer noch) die Macht, Frauen wollen sie (jedenfalls manchmal) haben. Einfach nur Mensch zu sein, sei immer noch Zukunftsmusik.

Als jüngstes Beispiel dafür, wie unterschiedlich das gleiche Verhalten von Mann und Frau beurteilt wird, führte Alice Schwarzer den Auftritt von Bundeskanzler Schröder am Wahlabend an. "Wäre eine Frau so entgleist, hätte man ihr einen schweren Realitätsverlust bescheinigt, und ein Psychiater hätte sie aufgefordert, ihren Aggressionsschub unter Kontrolle zu bringen", so die Rednerin. Immerhin sei es ein Fortschritt, dass auch viele Männer von Schröders Auftritt peinlich berührt gewesen seien.

Viel erreicht, doch nicht genug

Weithin gelte bei einem Mann ein aggressives Vorgehen als "tough", eine Frau sei gleich "zickig". Dass jetzt eine Frau – 87 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts – nach dem Bundeskanzleramt greife, sei ihr wirklich in die Knochen gefahren, berichtete die Journalistin. Alice Schwarzer, selbst als ziemlich unerschrocken bekannt, befand, das sei "ein historischer Moment, Angela Merkel traut sich echt etwas." Ihre Zuhörer forderte sie auf, in den nächsten Monaten die politischen Vorgänge unter diesem Aspekt sehr genau zu beobachten. Angela Merkel könne machen, was sie wolle, es werde in den Augen der Öffentlichkeit wohl nie "richtig" sein.

In ihrem Vortrag blickte Alice Schwarzer auch zurück auf die Anfänge der Frauenbewegung in den 70er Jahren. Beispielsweise habe damals eine Erhebung des Müttergenesungswerkes belegt, dass eine Million Frauen in Deutschland an einem "Hausfrauensyndrom" litten; darunter seien auch die Frauen gezählt worden die nach einer Geburt schwer verstört seien, schlug sie den Bogen zum aktuellen Kongress.

Alice Schwarzer unterschied in ihrem Vortrag zwischen Reformistinnen ("wollen ein bisschen an der Rolle der Frau verbessern"), Differentialistinnen ("wollen Gleichberechtigung und finden, dass Männer und Frauen sich ergänzen") und Gleichheitsfeministinnen ("das sind die Anti-Biologistinnen, die finden, dass Biologie nicht Machtverhältnisse rechtfertigt"). Klar, dass sich Alice Schwarzer selbst der dritten Gruppe zurechnet.

"Wir haben in 30 Jahren Frauenbewegung viel erreicht, vor allem, wenn man es vor dem Hintergrund einer 5000 Jahre langen Erbschaft in Sachen Frauenrechte betrachtet", ermutigte Schwarzer. Es sei aber auch noch viel zu tun, "aber wenn ich mir das Kongressprogramm anschaue habe ich das Gefühl, hier passiert es gerade". Deshalb war Alice Schwarzer auch mit einer Kollegin aus ihrer "Emma"-Redaktion gekommen, die über den Kongress berichten wird. Die Chefin selbst, seit 1977 Mitbegründerin und Herausgeberin dieser feministischen Zeitung, musste eilends zurück nach Köln. "Redaktionsschluss", meinte sie lakonisch.

Ingeborg Salomon



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