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30. September 2005

Fasziniert von löchrigen Schriften

Professor Andrea Jördens ist Direktorin des Seminars für Papyrologie der Universität Heidelberg

Professor Andrea Jördens leitet das Seminar für Papyrologie   
Professor Andrea Jördens leitet das Seminar für Papyrologie; dabei arbeitet sie eng mit anderen Altertumswissenschaftlern zusammen.
Foto: Stefan Kresin

Wenn über Orchideenfächer an der Universität diskutiert wird, wird die Papyrologie immer gerne zitiert. Das Fach ist eine besonders seltene "Orchidee", die an der Universität Heidelberg in der Grabengasse 3-5 tatsächlich etwas im Verborgenen blüht. "Wir machen eben nichts, was morgen Geld bringt", weiß Professor Andrea Jördens, seit zwei Semestern Direktorin des Seminars für Papyrologie.

Ihre Fachkollegen kennt sie fast alle persönlich, den Überblick zu behalten ist nicht schwer. Nur 300 aktive Papyrologen forschen weltweit; in Deutschland gibt es nur zwei universitäre Einrichtungen, die sich in Forschung und Lehre ausschließlich der Papyrologie widmen.

Eine Stelle wie...

"Meine einzige gleichrangige Kollegin sitzt in Trier", so die Altertumswissenschaftlerin. Doch nicht nur deshalb war die Berufung an die Ruperto Carola für sie wie ein Sechser im Lotto; schließlich gilt Heidelberg als das Mekka für alle, die sich mit den faszinierenden hauchdünnen Blättchen beschäftigen.

11 000 davon stehen, säuberlich zwischen Plastikscheiben gepresst und beschriftet, in grauen Stahlschränken in zwei Zimmern des Institut. "Eigentlich sind es ja nur Fetzen zwischen Plexiglas", lacht die Frau, die sich seit fast 30 Jahren wissenschaftlich mit diesen "Fetzen" beschäftigt. Geboren 1958 studierte Andrea Jördens Klassische Philologie, Geschichte und Mittellatein in Göttingen, Florenz und Heidelberg; sie schloss ihr Studium ab mit dem ersten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. "Notfalls hätte ich Geschichte und Griechisch unterrichten können", meint sie. Ihr Mann ist diesen Weg gegangen; er studierte ebenfalls Mittellatein und ist jetzt Lehrer.

Doch Andrea Jördens entschloss sich für eine wissenschaftliche Laufbahn und promovierte, gefördert durch ein Stipendium des Landes Baden-Württemberg, 1986 über Paläographie und Papyrologie; ihr Doktorvater war Professor Dieter Hagedorn, auf dessen Lehrstuhl Andrea Jördens heute sitzt. 2002 folgte die Habilitation im Fach Alte Geschichte an der Philipps-Universität in Marburg über "Statthalterliche Verwaltungspraxis in der römischen Kaiserzeit". "Das ist wirklich ziemlich speziell", räumt Andrea Jördens ein.

Das lässt sich auch von ihren Forschungen über Papyri behaupten; doch sind die Inhalte erst einmal aus dem Griechischen, Koptischen, Persischen oder Lateinischen übersetzt, können sie durchaus für viele Kulturinteressierte von Bedeutung sein. "Die Papyri berichten aus dem Leben des kleinen Mannes; die meisten dieser Quellen sind Briefe, Verträge, Rechnungen oder Verwaltungsakten, aus dem wir viel erfahren können, wie die Menschen damals gelebt haben", unterstreicht die Wissenschaftlerin. Deshalb arbeitet die Papyrologin auch eng mit den Nachbardisziplinen, mit Althistorikern, Sprachwissenschaftlern und Religionswissenschaftlern zusammen.

Wer bei den Papyrologen forscht, ist Überzeugungstäter, wie etwa der griechische Doktorand, den Andrea Jördens zur Zeit betreut; doch auch wenn sich die Zahl der Studierenden in ihren Vorlesungen und Seminaren leicht an zwei Händen herzählen lässt, findet die Professorin das nicht frustrierend. "Ich habe auch etliche ältere Zuhörer, die mit viel Begeisterung bei der Sache sind", freut sie sich.

...ein Sechser im Lotto

Außerdem ist Andrea Jördens überzeugt, dass sich auch Nicht-Fachleute für Geschichte interessieren, "der Ansturm auf große Ausstellungen wie beispielsweise die Bibliotheca Palatina haben das bewiesen", erinnert sie. Das sei eben immer eine Frage der Vermittlung und der Darstellung; Altertumswissenschaften könnten für alle Generationen interessant sein.

Deshalb zitiert sie auch gerne eine Kollegin: "Die Medizin sorgt dafür, dass die Menschen länger leben; wir sorgen dafür, dass sich das lohnt". Orchideen bestechen eben durch ihre Seltenheit.

Ingeborg Salomon



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
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