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26. Oktober 2005

"Unsere Olympia"

Gedenktag für eine große Forscherin – Eine junge Italienerin lehrt in der Mitte des 16. Jahrhunderts als Graezistin an der Universität Heidelberg

Knapp vier Wochen nach ihrem Tod schreibt ihr Mann Andreas Grundler aus Heidelberg an den alten Freund Celio Secondo Curione nach Basel: "... doch es wäre zu weitläufig, wollte ich aufzählen, was sie alles zu unser aller, die wir sie hörten, großen Bewunderung kindlich rein, fromm, standhaft und mit tapferstem Mute sprach. Sie starb am 26. Oktober in der vierten Nachmittagsstunde, noch nicht 29 Jahre alt." Curione kann erst im März des folgenden Jahres kondolieren (und nicht wissen, dass inzwischen auch Grundler an der in Heidelberg immer noch grassierenden Pest verstorben ist) und will "die schriftliche Hinterlassenschaft unserer Olympia, die bei mir liegt, so bald als möglich herausgeben, zusammen mit lobenden Urteilen gelehrter Männer über sie ... und möchte an dich die Bitte richten, alles, was sich von ihren Schriften, sei es bei dir, sei es bei anderen, finden lässt, mir so rasch wie möglich zuzusenden." Und Curione hielt Wort: die gesammelten kleinen Schriften und vor allem Briefe der Morata erschienen in Basel 1558, in zweiter erweiterter Auflage und mit Widmung an Königin Elisabeth (I.) 1562.

Wer war diese Frau, über deren Brieflektüre dem alten Goethe 1828 "ein ganz neues Licht über den eigentlichen damaligen protestantischen Zustand" um die Mitte des 16. Jahrhunderts aufging? Olympia wurde 1526 bürgerlich geboren und hatte als Vierzehnjährige das Glück, Studiengefährtin der Prinzessin Anna am Hof der Este in Ferrara zu werden. Sie lernt Latein und Griechisch, auch die Kunst der Rede und der Kalligraphie, schreibt kleine Probestücke, übersetzt ins Lateinische und macht bald Gedichte (auf die sie viel hält). Die Inquisition unterdrückte bald evangelisch gesinnte Kreise: Olympia wurde womöglich wegen eines vermeintlichen Fehlverhaltens denunziert. Eine Liebesheirat mit dem soeben in Ferrara promovierten Schweinfurter Mediziner Grundler und eine immer wachsende Beschäftigung mit religiösen, biblischen und kirchenpolitischen Fragen führen sie 1550 nach Schweinfurt, dann nach Heidelberg. Grundler wurde auf den dritten medizinischen Lehrstuhl berufen, Olympia gar sollte griechische Sprache und Literatur lehren: eine junge Italienerin als Graezistin an der altehrwürdigen Ruprecht-Universität Heidelberg Mitte des 16. Jahrhunderts!

Reinhard Düchting



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