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20. Oktober 2005

Das Leben ist ein schlechter Koch

Cees Nooteboom las aus seinem Buch "Paradies verloren" in der Aula der Alten Universität Heidelberg

Eigentlich war es im Paradies viel zu langweilig. So richtig interessant wurde es doch erst für die Menschen, und auch manchmal für die Literatur, als nach der Vertreibung aus ihm das Leben begann, "wie ein miserabler Koch" die Ingredienzien wild durcheinander zu werfen und Lebensschicksale auf irrwitzigen Wegen zusammen zu führen. Ebenso geschehen mit Alma und Erik in "Paradies verloren" von Cees Nooteboom, aus dem Niederländischen übersetzt von Helga van Beuningen.

Es ist eine Liebesgeschichte, die sich vom Schluss des Buches her entwickelt und aufdeckt, die zudem nur aus Anfängen besteht und keine Fortführung, geschweige denn ein Ende kennt. Da jedes Kapitel ein Neubeginn bedeute, schreibt Nooteboom im Prolog, und "man schon einen guten Grund haben" müsse, ein solch kleines Buch mit so vielen Kapiteln auszustatten, las der Autor in der Aula der Alten Universität, eingeladen von der Literarischen Gesellschaft Palais Boisserée und dem Germanistischen Seminar Heidelberg, die drei Anfänge, die sein Buch prägen.

Als Weltenbummler viel in Flugzeugen unterwegs, scheint es das Bordmagazin der Fluggesellschaft gewesen zu sein, mit der Nooteboom im Prolog von Friedrichshafen nach Berlin fliegt, das ihn zu den Schauplätzen São Paulo, Australien und Igls in Österreich inspiriert hatte. Auf diesen ersten Anfang des Buches folgt ein zweiter, der aus der Ich-Perpektive Alma mit ihrem Engeltick einführt, die aus unerfindlichen Gründen in die Slums von São Paulo fährt und dort vergewaltigt wird. Später redet sie sich ein, dass sie erst diese Hölle "männlichen Eindringens in Körper und Leben" durchmachen musste, um in ihr Paradies, nach Australien, zu gelangen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Almut schuf sie sich schon als Kind eine Traumwelt von diesem Land, die gnadenlos entzaubert wird, als sie dort ankommen.

Der letzte Anfang beginnt in Amsterdam, auf der Suche nach einem geeigneten Protagonisten für das zweite Kapitel. Die Wahl fällt auf Erik Zondag, der auf dem Weg nach Igls in Österreich zur Kur ist und dort seinen Engel Alma wiedertrifft. Das Ende des Buches führt zurück zum Anfang, nach Australien, wo das Leben kräftig den Kochlöffel geschwungen hatte, so dass sich Almas und Eriks Lebensbahnen kreuzten. In Igls kreuzen sie sich erneut, doch sie verknoten sich nicht, gehen wieder auseinander, ungewiss ob ihrer nächsten Zusammenkunft.

Anders als in John Miltons "Paradise lost" klagt Nooteboom nicht über die Vertreibung aus dem Paradies, sondern lobt Gott für den besten Einfall seit der Erschaffung der Welt.

Magdalena Tonner

Cees Nooteboom "Paradies verloren", Suhrkamp, Roman, Gebunden, 157 S., 16,80 Euro.



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Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
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