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19. Oktober 2005

Neue Einblicke in ein altes Meisterwerk

"Mit historischen Augen": Jan Assmanns Buch "Die Zauberflöte – Oper und Mysterium"

Eine Reise in die Vorstellungswelten vergangener Zeiten bietet das neue Buch   
Eine Reise in die Vorstellungswelten vergangener Zeiten bietet das neue Buch "Die Zauberflöte – Oper und Mysterium" des Ägyptologen Jan Assmann.
Foto: Titelbild

Sie gehört zu den populärsten Opern überhaupt – die "Zauberflöte". Zugleich aber gibt Mozarts wohl berühmtestes Werk auch die größten Rätsel auf. Und das bis heute. Die Fragen, wer denn auf der Bühne für das Gute steht und wer das Böse verkörpert, sind hier nur zwei von vielen. Wobei Mozarts Zeitgenossen sich in der Handlung wohl besser zurechtfinden konnten, als uns dies heute gelingt. Denn die Menschen – die Zuschauer – jener Zeit kannten sich aus in der Welt von Sarastro, Pamina, Tamino und der Königin der Nacht, entdeckten sie doch in der Geschichte mannigfaltige Hinweise auf die Freimaurerei, auf deren Vorstellungen vom alten Ägypten und auf die damit verbundene Mysterienkultur.

Heute indes fehlt uns dieses Wissen, gerieten doch die für das Verständnis notwendigen Hintergründe während der beiden letzten Jahrhunderte fast völlig in Vergessenheit. Nun aber nahm sich der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann des Themas an – mit dem Ziel, unsere Augen für eine Oper zu öffnen, die uns fremd geworden ist, obwohl wir sie zu kennen glaubten.

Vertraut und fremd zugleich

Ergebnis dieser Bemühungen ist das vorliegende, im Carl Hanser Verlag erschienene Buch "Die Zauberflöte – Oper und Mysterium", in dem Jan Assmann sich überaus detailliert mit Mozarts wohl bekanntestem Werk auseinandersetzt.

Dass er sich hierbei als Ägyptologe an das Thema heranwagt, verblüfft nur auf den ersten Blick, geht doch der Autor selbst auf diesen scheinbaren Widerspruch ein: "Wie kommt ein Ägyptologe dazu, ein Buch über die ,Zauberflöte' zu schreiben? Und was könnte er zu ihrem Verständnis beizutragen haben? Dazu ist zweierlei zu sagen. Erstens bin ich nicht der erste Ägyptologe, der sich an diesen Stoff wagt: Siegfried Morenz hat schon 1952 eine Studie über die Zauberflöte vorgelegt. Die Oper gehört in das Gebiet der ‚Ägypten-Rezeption', der Gedächtnisgeschichte Ägyptens in der europäischen Kultur, die, wenn auch am Rande, zu den Forschungsgebieten der Ägyptologie gehört. Die Ägyptologie ist ja selbst ein Teil dieser Gedächtnisgeschichte und fühlt sich, genau wie andere Disziplinen auch, immer wieder herausgefordert, sich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen."

Gleichwohl kommen rein ägyptologische Sachverhalte nur am Rande zur Sprache, was auch in der Lokalisierung der Oper begründet liegt. Weil nämlich "der Schauplatz dieser Oper, im Gegensatz etwa zu Verdis Aida, in meinen Augen gar nicht das alte Ägypten, sondern ein utopisches Reich ist, in dem die Mysterien der Isis begangen werden. Diese Mysterien waren es, deren Gedächtnisgeschichte ich auf den Grund gehen wollte. Zugleich interessierte mich die besondere Beziehung zwischen Ritual und Oper, die diese Oper auszeichnet: das Ritual als ästhetische Form, die Oper als sakraler Vollzug", meint der Autor, der sich daraufhin voller Elan in die Mysterienwelt des 18. Jahrhunderts sowie das freimaurerische Logentum stürzt, ohne dessen Kenntnis Mozarts Oper kaum verstanden werden kann.

So setzt denn Jan Assmann die fremdartig anmutende Mysterienforschung der Wiener Freimaurer in den umfassenderen Kontext der europäischen Beschäftigung mit den antiken Mysterien, und analysiert in diesem Zusammenhang die Handlung der "Zauberflöte", ohne diese jedoch einer reinen neuerlichen Ausdeutung zu unterwerfen.

Ägyptomanie des 18. Jahrhunderts

Vielmehr bezieht Assmann das geistige Umfeld – beispielsweise der Ägyptomanie des späten 18. Jahrhunderts – mit ein, was dem Leser ganz nebenbei eine überaus interessante Reise in die Vorstellungswelten jener Zeit ermöglicht. Einen Beitrag hierzu leisten übrigens auch die zahlreichen Zeichnungen verschiedener Bühnenbildentwürfe.

Letzten Endes kann man Jan Assmanns Buch deshalb zu Recht als eine sehr gelungene Beschreibung des Entstehungskontextes der "Zauberflöte" bezeichnen, die einst die Idee der Aufklärung in Form eines Mysterienspiels auf die Bühne brachte, wie es der Autor in seinem durchaus anspruchsvoll geschriebenen Buch verdeutlicht. "Heute spielt man die Musik ja gern auf historischen Instrumenten; so dachte ich, es wäre interessant, Text und Partitur einmal gewissermaßen ‚mit historischen Augen', durch die Brille des damaligen Wissens von Ägypten und seinen Mysterien zu betrachten", meint Jan Assmann in seinen einleitenden Worten. Wer das Buch gelesen hat, wird diesen Zeilen zustimmen.

Heiko P. Wacker

Jan Assmann: "Die Zauberflöte – Oper und Mysterium". Carl Hanser Verlag, München 2005. 384 S., geb. mit Schutzumschlag; ISBN 3-446-20673-6, 24,90 Euro.



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