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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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22. Oktober 2005

Rektor: Kontinuität und Veränderung überziehen die Ruprecht-Karls-Universität auch am 620. Jahrestag ihrer Gründung

Hier im Wortlaut die Ansprache des Rektors Professor Dr. Dres. h.c. Peter Hommelhoff bei der Jahresfeier der Universität Heidelberg in der Aula der Alten Universität

"Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Kontinuität und Veränderung überziehen die Ruprecht-Karls-Universität auch an diesem Tag, am 620. Jahrestag ihrer Gründung, zu dessen Feier ich Sie alle namens des Rektorats herzlich in der Alten Aula begrüße. Kontinuität deshalb, weil die Themen, die heute angesprochen werden könnten, ganz überwiegend die altbekannten sind: die Binnenstruktur der Universität und ihre Fortschreibung, um im nationalen, europäischen und globalen Wettbewerb mitspielen zu können; die internationalen Beziehungen mit denen nach Süd- und Nordamerika in ihrem Zentrum, woran Sie, verehrter Herr Kollege Junker, uns dankenswert in Ihrem Festvortrag "Europa und die USA" noch einmal erinnern wollen.

Kontinuität wahren, aber gleichermaßen die Einbettung der Universität in die Rhein-Neckar-Region, verehrter Herr Rektor Hoyningen-Huene, und die Verkehrserschließung des Neuenheimer Feldes. Sie sehen, sehr verehrter Herr Altrektor Laufs und hochverehrte, liebe Frau Altprorektorin Heym, die ich Sie, stellvertretend für alle ehemaligen Rektoratsmitglieder, willkommen heißen darf: seit Ihrer Amtszeit haben sich die Themen nur wenig gewandelt. Neu sind allein die Teilnahme Heidelbergs an politisch und finanziell herausragend bedeutsamen Wettbewerben: an Exzellenzwettbewerb und am Wettbewerb "Die deregulierte Hochschule". Aber darüber wird später an anderen Ort zu berichten sein. Indes stark, ja dynamisch haben sich die Aspekte innerhalb der überkommenen Themen gewandelt; hier zeichnen sich hier und da Veränderungen ab, die der Vorsitzende unseres Universitätsrates, Herr Dr. Bettermann, und der frisch gekürte Erste Sprecher des Senates, Herr Kollege Meusburger, wohl mit den amtierenden Rektoratsmitgliedern als Umbruch qualifizieren werden. Kontinuität und Veränderung im Aufbruch zu neuen Ufern, der die Ruperto Carola und all' ihre Angehörigen in kreative Unruhe versetzt hat.

I.
Universitäten leben lang und sind dennoch steter Veränderung unterworfen: Neue Professoren, Mitarbeiter, Studierende (von ihnen sind zu diesem Wintersemester mehr als 3.800 neu immatrikuliert worden) und weitere Angehörige kommen hinzu; von anderen muss sich die Universität trennen. Schmerzlich sind die Verluste auf ewig. Ich erinnere an die im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder, Mitarbeiter und Studierenden der Ruprecht-Karls-Universität und darf Sie bitten, sich zu ihrem Gedenken von Ihren Plätzen zu erheben.

Jeder Verstorbene hat sich an seinem Platz für die Ruperto Carola eingesetzt und verdient gemacht. In Dankbarkeit sollen sie unvergessen bleiben. Mit Ihrer Erlaubnis nenne ich stellvertretend für alle Dahingeschiedenen namentlich:

Sie haben sich zu Ehren der Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben; dafür danke ich Ihnen.

II.
Die aktuelle Lage der Universität ist, wie schon angedeutet, von kreativer Unruhe und Aufbruchstimmung in der Universität geprägt; dazu ein wenig näher:

  1. In Umsetzung der Vorgaben aus dem Strategiepapier wird die Ruperto Carola momentan an manchen Stellen durchgreifend umstrukturiert. Für die Wirtschafts- und für die Geowissenschaften haben die drei Leitungsorgane der Universität die Weichen in Richtung Zukunft gestellt; für die Technische Informatik der Universität Mannheim prüfen wir momentan noch mit Sorgfalt den Fahrplan, während sich für die beiden medizinischen Fakultäten in Heidelberg und Mannheim alle innerhalb der Universität Verantwortlichen nach Kräften darum bemühen, eine Flankenfahrt mit unabsehbaren Schäden zu vermeiden. Es wäre schön, wenn Sie, verehrter Herr Landtagsabgeordneter Pfisterer, der Sie für die Hochschulen an prominenter Stelle landespolitische Mitverantwortung tragen, wenn Sie die Entwicklung, die die Medizinstruktur innerhalb der Universität Heidelberg nach der Vorstellung Außenstehender nehmen soll, mit angespannter Aufmerksamkeit beobachten wollten. Schließlich soll die Ausbildung der Gymnasiallehrer von den Geistes- und Sozialwissenschaften bis hin zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik einschließlich der Informatik strukturell über ein Zentrum für Lehreraus- und -fortbildung durchgreifend mit dem Ziel optimiert werden, die Qualität der Lehrerausbildung in der Universität Heidelberg noch weiter zu steigern. Denn nur gute Lehrer bilden jene guten Schüler, die eine Eliteuniversität als hervorragende Studenten dringend, ja unverzichtbar benötigt. Für dies künftige Lehrerbildungszentrum werden wir gewiss auch Sie, lieber Herr Rektor Austermann, um den Rat der Pädagogischen Hochschule bitten.


  2. Nachdem sich das Rektorat in einer dramatischen Nachtsitzung mit dem Senat auf das Konzept der "Integrierten Wirtschaftswissenschaften" verständigt und dafür das Einverständnis des Universitätsrates gefunden hatte, hat in diesen Tagen nun eine internationale Kommission prominenter Experten unter der schon genial zu nennenden Stabführung von Senator Meusburger das Konzept für eine völlig neu aufzustellende "Politische Ökonomie" vorgelegt; dies hat vorgestern Universitätsrat und Senat auf Anhieb überzeugt. Den herzlichen Dank des Universitätsrats an den Ersten Sprecher des Senats wiederhole ich gern für das Rektorat öffentlich.

    Markantes Kennzeichen dieser "Politischen Ökonomie" ist ihre interdisziplinäre Vernetzung und Durchdringung mit vielen anderen Wissenschaftsbereichen, in denen Heidelberg exzellent brilliert, bis hin zur Psychologie. Auf diesem Weg, den der Universitätsrat treffend das "Wagnis eines Neubeginns" genannt hat, eröffnet sich die Ruperto Carola die Chance, mit einem ganz eigenständigen Profil dennoch unter die Top-Wirtschaftswissenschaften in Deutschland und Europa in den nächsten Jahren vorzurücken. In Gemeinschaft mit den vorhandenen Exzellenzbereichen will die Ruperto Carola ihre als unaufgebbar erkannten Wirtschaftswissenschaften an die Spitze führen.

    Die Umsetzung dieses Konzeptes wird viel Mühe und großes Engagement kosten. Maulende Halbherzigkeit oder gar versteckte Obstruktion wären der Tod dieses so verheißungsvollen Konzepts und damit gewiss politisch das Ende der Wirtschaftswissenschaften an der Ruprecht-Karls-Universität. Vollauf richtig hat der Universitätsrat einen wirklichen Neuanfang eingefordert. Dafür braucht die Ruperto Carola eine junge Mannschaft loyal engagierter Professoren mit innerer Überzeugung; sie müssen die Umsetzung des Konzepts "Politische Ökonomie" zu ihrer eigenen Erfolgsgeschichte machen und dafür mit ihrer Person und ihrem Ansehen als Wissenschaftler einstehen wollen. – Daneben werden wir im Interesse jener Studierenden, die sich im bisherigen Studiengang "Volkswirtschaftslehre" der Ruperto Carola anvertraut haben, diesen Studiengang unter der dankenswert verantwortungsbewussten Leitung von Studiendekan Sangmeister ordentlich bis zu den Abschlussprüfungen 2010 fortführen und abwickeln. Über die dafür notwendigen Dauervertretungen werden wir mit den Kollegen der Volkswirtschaftslehre ab sofort beraten und im Verlaufe des Novembers definitiv entscheiden.


  3. Diese Entwicklung hin zu einem völligen Neubeginn für die Wirtschaftswissenschaften in der Ruperto Carola stimmt mich glücklich – auch und vor allem deshalb, weil die Universität offenbar doch in der Lage ist, ihre Autonomie sogar in schwierigen Fragen der Restrukturierung verantwortlich auszuüben. In allen Turbulenzen der vergangenen Monate ist nach meiner Überzeugung zweierlei deutlich geworden: Eigene Lösungen der Universität, und mögen sie noch so schwer errungen sein, sind allemal besser als angeordnete aus Stuttgart. Und Universitätsautonomie kann nur funktionieren, wenn alle Verantwortungsträger – vom Rektorat über den Senat bis hin zu den Fakultäten und Instituten – ihrer besonderen Verantwortung stets gerecht werden; das schließt die Wahrung der Vertraulichkeit mit ein.

    Es stört die Entscheidungsprozesse in den Gremien existentiell, wenn deren Inhalte in der Zeitung nachgelesen werden können; dies legt die Axt an die Autonomie. Gewiss – die allgemeine Öffentlichkeit hat einen Informationsanspruch, und die Medien haben Informationen, die ihnen zugetragen werden, im Interesse dieser Öffentlichkeit zu verwerten. Aber es steht in ihrer journalistischen Verantwortung, wie sie mit solchen Informationen umgehen. Nach einem Gespräch mit dem Chefredakteur der Rhein-Neckar-Zeitung bin ich zuversichtlich, dass beide Seiten wieder zu jenem konstruktiven Dialog zurückkehren werden, der über lange Jahre hinweg in gegenseitigem Respekt vor den jeweiligen Verantwortlichkeiten ihr Verhältnis zueinander geprägt hat. Die jüngsten Begegnungen mit der Presse stimmen hoffnungsfroh.


  4. Zu einem Prüfstein für die Hochschulautonomie und hoffentlich auch zu einer ihrer Sternstunden wird das Verhältnis der beiden medizinischen Fakultäten zueinander werden. Wie die Medizinische Fakultät Heidelberg so gehört gleichermaßen die Schwesterfakultät in Mannheim zur Universität Heidelberg; ihre Professoren, Assistenten und Studenten sind Angehörige der Ruperto Carola. Das Rektorat unterstützt deshalb die in Mannheim wirkenden Kollegen in ihrem Bestreben nach einem eigenständigen Profil, nach dem Aufwuchs zur Vollfakultät einschließlich vorklinischer Kapazitäten in Lehre und Forschung und in ihrem Bestreben nach einer angemessenen Beteiligung am Landeszuschuss. Hierbei assistiert das Rektorat der Fakultät in Mannheim auch deshalb gern, weil es damit zugleich den beachtlichen Aufstieg dieser Fakultät im Ranking anerkennen kann.

    Allerdings dürfen sich diese Bestrebungen nicht dahin auswirken, dass die medizin- und lebenswissenschaftlichen Forschungspotentiale in den Grundlagenfächern am Standort Heidelberg geschwächt werden. Diese haben Weltniveau, wie unlängst erneut eine vornehmlich ausländisch besetzte Expertenkommission befunden hat, und verschaffen der Ruprecht-Karls-Universität eine Position unter den Spitzeninstitutionen in Europa und in der Welt. Das darf nicht aufgegeben oder auch nur gefährdet werden. Deshalb appelliere ich im Interesse der gesamten Universität an jeden einzelnen ihrer Professoren und sonstigen Entscheidungsträger in Mannheim: Widerstreben Sie allen Versuchungen, falls die Politik den Aufwuchs Ihrer Fakultät zum Nachteil des grundlagenwissenschaftlichen Forschungspotentials am Standort Heidelberg betreiben sollte. Üben Sie tätige Solidarität mit Ihrer Universität und mit Ihrer Schwesterfakultät in Heidelberg. Im Gegenzuge verspreche ich den Kollegen in Mannheim für das Rektorat: Wir werden alles tun, um die Fakultät in ihrem Streben nach Eigenständigkeit und Augenhöhe zu unterstützen – einschließlich der Öffnung der Grundlagenwissenschaften am Standort Heidelberg hin zur Forschung auch am Standort Mannheim.

Meine Bitte gilt unverändert: Lassen Sie uns Vorgaben von außen gemeinsam mit einem eigenen zwischen beiden medizinischen Fakultäten konsentierten Konzept der Universität Heidelberg begegnen. Hochschulautonomie und Solidarität, lieber Herr Pfisterer, sind hier eng ineinander verschlungen.

III.
Doch nun zum Abschluss in ruhigeres Fahrwasser – in das der internationalen Beziehungen. Mit unseren Partneruniversitäten in Montpellier haben wir in diesen Tagen dort und zuvor schon in Heidelberg das fünfzigjährige Bestehen dieser so lebendigen und über viele Fakultäten hinwegreichenden Verbindungen in angemessenem Rahmen auch akademisch würdig feiern können. Deshalb ist es dem Rektorat eine herzliche Freude, einem der unermüdlichen Motoren dieser Partnerschaft, Herrn Professor Raff, nachher die Würde eines Ehrensenators verleihen zu dürfen, nachdem zuvor schon die Université Montpellier Paul Valéry sein Engagement mit der Verleihung des Ehrendoktors überaus nobel gewürdigt hatte. Ebenso herzlich heiße ich Herrn Professor Bicker als künftigen Ehrensenator willkommen und alle amtierenden Ehrensenatoren, die uns heute die Ehre geben und für die ich stellvertretend die Herren Dr. Tschira und Dr. Hengstberger nennen darf.

Die blühenden Verbindungen nach Montpellier, nach Krakau, Budapest, Jerusalem und nach Santiago de Chile haben das Rektorat auf Anregung von Prorektor Chaniotis veranlasst, sich zur universitären Außenpolitik als neuem strategischen Ziel der Ruprecht-Karls-Universität zu bekennen. Dies Ziel schließt ein finanzielles Engagement im Ausland innerhalb angemessener Grenzen ein, soll künftig in Zielvereinbarungen mit dem Land fixiert werden und muss sich dann konsequent im Landeszuschuss niederschlagen. Konkret wird es um Investitionen in der Andrássy Universität Budapest sowie in China und in den USA gehen. In Amherst nahe Boston möchten wir ein Heidelberg House bauen und betreiben. Gewichtige Sponsoren, wenn auch noch nicht genug, sind bereits gefunden.

Umgekehrt findet die besondere Verbindung zu den Vereinigten Staaten seit langem schon in Heidelberg ihren Niederschlag – zunächst in der Schurman-Bibliothek und im Lehrstuhl für amerikanische Geschichte, sodann im Heidelberg Center for American Studies. Daher ist es mir eine besondere Freude, in Herrn Dr. Bussmann den Repräsentanten eines ganz besonders großzügigen Spenders heute begrüßen zu dürfen. Großartiges werden wir demnächst erwarten dürfen.

Die Auslandsbeziehungen der Ruperto Carola fungieren zugleich als Fundament und Quelle ihres Alumni-Netzwerks. Um dessen Pflege qualitativ zu steigern, hat die Universität ihre friends and fundraising-Aktivitäten in einem neuen Dezernat zusammengefasst und personell erheblich ausgebaut. Das Alumni-Netzwerk soll vor allem in Deutschland verbreitert und belebt werden; wir wollen die "Ehemaligen" noch lebendiger mit ihrer alten Alma Mater verbinden, die Freundschaft zu ihnen pflegen. Zugleich möchten wir aber auch die Freunde der Ruprecht-Karls-Universität gewinnen, sich wie auch immer für ihre Universität zu engagieren. Seien Sie, meine verehrten Damen und Herren, gewarnt: die Ruperto Carola kommt auf Sie zu!"



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse




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