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15. Oktober 2005

Universitätsrektor Hommelhoff stellt die gesamte Ringstraßenbahn durchs Neuenheimer Feld in Frage

Bei Trassenführung für die Feldtram sieht er keine Kompromissmöglichkeiten mit der Stadt – Politik von Parkraumbewirtschaftung überzeugen

Im RNZ-Interview über die Verkehrssituation im Neuenheimer Feld macht Universitätsrektor Professor Peter Hommelhoff Oberbürgermeisterin Beate Weber schwere Vorwürfe.

Herr Hommelhoff, wie bewerten Sie, dass die Parkraumbewirtschaftung samt Jobticket derzeit auf Eis gelegt ist?

Davon kann keine Rede sein. Wir sprechen jetzt mit der Politik in Stuttgart und haben ein lebhaftes Interesse, dieses Projekt nach vorne zu bringen. Ich hoffe, dass wir die Politik von der Notwendigkeit überzeugen können.

Viele Beschäftigte der Uni bemängeln Ihre Informationspolitik zu Parkgebühren und Jobticket.

Das kann ich nicht nachvollziehen, da ich beispielsweise schon in der vorletzten Personalversammlung darüber gesprochen habe. Wenn hier ein Informationsmangel herrschen sollte, dann haben sich die Beschäftigten an den Personalrat zu wenden.

Parkraumbewirtschaftung und Jobticket sind doch nicht eine Maßnahme der Arbeitnehmervertreter, sondern des Arbeitgebers.

Die Personalvertretung hat auch hier die Interessen der Beschäftigten vertreten und ich nehme an, dass sie Gespräche mit den Arbeitnehmern geführt hat. Ich würde es für einen unzulässigen Eingriff in die Kompetenz der Personalräte halten, wenn wir hier ihnen vorgreifen würden.

Beim Klinikum war es immerhin möglich, dass ausführliche Informationen weitergereicht wurden.

Für eine gemeinsame Erklärung hätten wir sofort zur Verfügung gestanden. Und ich sehe überhaupt kein Problem, das demnächst gemeinsam mit dem Personalrat in Angriff zu nehmen.

Viele Ihrer Mitarbeiter scheinen die Notwendigkeit des Projektes nicht einzusehen.

Wir bauen ein Gebäude nach dem anderen, und jedesmal fallen dabei Parkplätze weg. Die Kinderklinik, das NCT – wir bauen hier auf Flächen, die vorübergehend zum Parken genutzt werden durften. Das wird auch so weiter gehen, auf diese Situation müssen sich alle einstellen.

Wie lange können Universität, Klinikum und Pädagogische Hochschule es sich noch leisten, dass es keine Entscheidung zur Parkraumbewirtschaftung gibt?

Wir können es uns gar nicht mehr leisten. Deshalb wollen wir ja so schnell mit der Politik zu einer Einigung kommen.

Wo sehen Sie eine Kompromisslinie?

Ich möchte einfach erst einmal wissen, wo die Politik Nachholbedarf sieht. Das, was bislang vorgesehen ist, halte ich für zumutbar – zumal wir ein gut ausgebautes Bus- und Bahnnetz haben.

Das Verhältnis von Uni und Stadtverwaltung ist etwas ambivalent: Bei der Parkraumbewirtschaftung ziehen Sie an einem Strang, aber bei der Straßenbahnlinie im Neuenheimer Feld gehen Sie getrennte Wege.

Die Stadt geht getrennte Wege, nicht wir. Im Juni letzten Jahres hatte ich ein Spitzengespräch mit Frau Oberbürgermeisterin Weber. Dabei haben wir betont, dass wir mit der Straßenbahn von der Kinderklinik zur Kopfklinik nur dann einverstanden sind, wenn die Trasse in den Klausenpfad übergeht. Aber offenbar konterkariert die Fachebene der Stadt diese Übereinkunft mit der Oberbürgermeisterin.

Sie sagen, Sie wollen Ihr nördliches Baugebiet nicht abgeschnitten sehen. Wo wollen Sie denn bauen?

Um die Pädagogische Hochschule herum, also südlich des Klausenpfads, sind unsere letzten Erweiterungsflächen. Nur mit der Straßenbahn im Klausenpfad bleibt diese Fläche ummantelt und ein gemeinsamer Campus erhalten.

Sie akzeptieren also den Klausenpfad als nördliche Grenze des Uni-Campus?

Wir haben nicht vor, uns im Handschuhsheimer Feld, dem Naherholungsgebiet der Stadt, zu erweitern.

Welche Straßenbahn-Variante halten Sie verkehrspolitisch für besser? Klausenpfad oder die Straße "Im Neuenheimer Feld"?

Das kann ich nicht beantworten und das will ich nicht beantworten. Ich kann nur sagen: Für die Universität ist eine Erschließung in der Mitte des Neuenheimer Feldes nicht akzeptabel, das habe ich immer gesagt und damals im Juli 2004 der Oberbürgermeisterin auch schriftlich mitgeteilt. Dieser Standpunkt ist also alles andere als neu.

Können Sie verstehen, dass man von Ihrer Vorgehensweise und Ihren Aussagen sehr überrascht ist?

Umgekehrt. Ich bin überrascht worden von der Ausschussvorlage, die ich einen Tag zuvor bekommen habe. Darin heißt es, dass der Nordast auf dem Klausenpfad für die Straßenbahn nicht mehr verfolgt werden soll. Über diesen Politikwechsel habe ich von der Oberbürgermeisterin nie eine Information oder einen Hinweis bekommen. Für mich ist nicht nachvollziehbar, was da gelaufen ist. Jetzt steht die Universität einer Überfallsituation gegenüber. In der Öffentlichkeit wird der Eindruck erweckt, ich würde wie ein Grashalm im Wind hin- und herwehen. Das ist mitnichten so. Die Straßenbahn muss auf der im Spitzengespräch vereinbarten Trasse fahren.

Wo sehen Sie denn da noch eine Kompromisslinie?

Ich sehe bei der Frage der Führung der Straßenbahn im Moment überhaupt keine Kompromisslinie. Wir müssen überlegen, ob wir unser Einverständnis zur Trassenführung bis zur Kopfklinik zurücknehmen, und dann werden wir uns grundsätzlich einigen müssen, ob wir überhaupt noch mit der Straßenbahn das Gebiet erschließen.

Glauben Sie, dass das im Interesse des Steuerzahlers ist?

Der Steuerzahler hat Hunderte von Millionen Euro seit 40 Jahren für den Campus, für ein wissenschaftliches Gebiet von Weltniveau, investiert. Und was macht die Stadt? Baut 38 Reihenhäuser an die Schneise einer möglichen Fünften Neckarquerung und den Heidelberger Tennisclub an den Klausenpfad. So geht es nicht. Wir lassen uns die Planung von 1962 nicht aus der Hand nehmen. Die Stadt sollte auch folgendes bedenken. Sie muss kein eigenes Klinikum unterhalten, weil es das Uniklinikum gibt. Was ein städtisches Klinikum kostet, kann Mannheim ihrer Schwester erläutern. Nach den Konzepten anderer Länder kann man Unikliniken auch so führen, dass sie nicht für die allgemeine Patientenversorgung zuständig sind, sondern allein für die Wissenschaft.

Warum führen Sie das als Argument an?

Weil wir in die Gefahr von Finanzierungsproblemen kommen könnten. Derzeit subventionieren wir ja mit unseren wissenschaftlichen Assistenzärzten die Patientenversorgung. Wir müssen aber für so viele Patienten wie möglich attraktiv bleiben.

Dafür wollen Sie die Fünfte Neckarquerung, damit der Uni-Campus besser mit dem Auto zu erreichen ist. Glauben Sie, dass die Fünfte Neckarquerung kommt?

Ich hoffe es ganz, ganz nachdrücklich. Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Verantwortungsträger der Stadt bei Abwägen aller Argumente davon zu überzeugen. Die Erreichbarkeit für den Individualverkehr ist für unser Klinikum existenziell wichtig.

Wenn die Umweltverträglichkeitsstudie zu dem Ergebnis kommt, dass die Brücke von Wieblingen her nicht benötigt wird. Werden Sie dieses Ergebnis akzeptieren?

Nein, das werde ich nicht akzeptieren. Für mich ist erst einmal die Verkehrserschließung das Wesentliche. Sie können nicht erwarten, dass ein Krebspatient mit Bahn und Straßenbahn zu seiner Behandlung anreist. Hoffentlich wird er von seinen Angehörigen gebracht, und das wahrscheinlich mit dem Auto. Alles andere ist blauäugig.

Können Sie sich vorstellen, bei der Straßenbahnführung der Stadt zuzustimmen, wenn diese ihre Widerstände gegen die Fünfte Neckarquerung aufgibt?

Bitte haben Sie Verständnis: Ihnen gegenüber kann ich keine Erklärungen abgeben; aber natürlich ist die Universität immer kompromissbereit. Ich habe immer angeregt, dass man die 1962er Verträge mit der Stadt fortschreibt. Nur, das muss dann ein für alle tragbarer und dann auch eingehaltener Kompromiss sein.

Was erwarten Sie von der Stadt?

Dass wir ins Gespräch kommen. Aber ich habe es nicht gerne, wenn ich nach einem Spitzengespräch überfallartig mit ganz anderen Konzepten konfrontiert werde. Wir müssen wieder dazu kommen, dass eine Vereinbarung per Handschlag bestand hat.

Was kann die Stadt von Ihnen und der Universität erwarten?

Ich bin gesprächsbereit. Aber in der Sache gebe ich keine Erklärung ab. Wir haben eine klare Ausgangslage und ich will erst einmal wissen, was die Stadt vorhat.

Götz Münstermann



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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