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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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28. Oktober 2005

Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensqualität

Rede von Rektor Prof. Dr. Dr. dres. h.c. Peter Hommelhoff beim "Heidelberger Abend" der IHK – Themen u.a.: "Integrierte Wirtschaftswissenschaften" in Heidelberg, Kooperation mit der Universität Mannheim und Exzellenzwettbewerb – Rektor übt außerdem deutliche Kritik an der Stadt im Hinblick auf die Verkehrserschließung im Neuenheimer Feld

Beim traditionellen "Heidelberger Abend" der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg heute in der Stadthalle bezog Rektor Prof. Peter Hommelhoff deutlich Position in hochschul- und strukturpolitischen Fragen. Hier seine Rede im Wortlaut:

I.
Aus dem Rhein-Neckar-Dreieck ist im vergangenen Jahr zur großen Freude auch der Universität Heidelberg die Metropolregion Rhein-Neckar mit der Perspektive erwachsen, den Einrichtungen in diesem Gebiet deutlich verbesserte Wahrnehmbarkeit in Deutschland, Europa und der Welt zu verschaffen. Gewiss: die Ruperto Carola, global bekannt, braucht dies nicht so sehr für sich, sehr wohl aber in ihren Verbindungen zu anderen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region sowie zur Wirtschaft. Aus den Vernetzungen mit ihnen zieht die Universität Heidelberg zusätzlich zu ihrem eigenen Leistungspotential jene additive Schubkraft, die ihr im Wettbewerb mit München und Berlin, aber auch mit Oxford und Cambridge, mit der Boston- und der Bay Area um San Francisco das notwendige Momentum zum Aufschließen und Mithalten verleiht. Vernetzung in der Region muss das Elixier, der Zaubertrank für die Universität Heidelberg werden; in Vernetzungen, insbesondere in interdisziplinären, ist sie eingeübt und erfahren. Diese Stärke müssen wir ausspielen.

Indes – wie schwer können regionale Vernetzungen in der Metropolregion Rhein-Neckar fallen! Hierzu können die Universitäten Mannheim und Heidelberg bekanntlich im Duett singen. In der Tat hatten sich Rektorat und Universitätsrat der Ruprecht-Karls-Universität ursprünglich von der grund- konzeptionellen Vorstellung leiten lassen, die hervorragenden Wirtschaftswissenschaften der Schlossuniversität könnten zugleich als ökonomische Fakultät der Ruperto Carola fungieren. Tatsächlich umgesetzt wäre dies Konzept einer regionalen Vernetzung wohl weithin einzigartig gewesen und hätte der Metropolregion Rhein-Neckar ein Kronjuwel geschaffen; es hat sich aber nicht umsetzten lassen – und zwar wegen der Vernetzungen der Heidelberger Wirtschaftswissenschaften innerhalb der Ruperto Carola. Vor allem in der Lehre, wenn auch kaum in der Forschung, sind die Wirtschaftswissenschaften vielfältig mit anderen Fächern der Universität Heidelberg fein gesponnen verknüpft – nicht bloß mit Politologie und Soziologie, sondern auch mit der Geographie und vielen anderen Disziplinen bis hin zu den Musikwissenschaften. Dies Geflecht konnte die Universität Mannheim nicht übernehmen; dem stand nicht bloß deren Ressourcenkonzentration entgegen, sondern wohl auch und vor allem die gewachsene und ganz eigenständige Universitätskultur der Schwesterhochschule. Deshalb waren und sind der Ruperto Carolo ihre eigenen Wirtschaftswissenschaften unabhängig von ihrem Zustand fundamental unverzichtbar. Das war die wichtigste Erkenntnis eines schwierigen Sommersemesters 2005.

Aus dieser Erkenntnis jedoch galt es Konsequenzen zu ziehen: Wenn wegen ihrer inneruniversitären Vernetzungen auf die Wirtschaftswissenschaften nicht verzichtet werden kann, dann müssen sie gerade in diesem Kontext grundlegend neu aufgestellt werden: in Lehre und Forschung, nicht bloß verbal, sondern real, konsequent und glaubwürdig. Dazu bedurfte und bedarf es eines radikalen Umschwungs; er verbindet sich mit dem Stichwort "Integrierte Wirtschaftswissenschaften" – also einer Ökonomie, die sich so in ihrer mannigfachen interdisziplinären Vernetzung innerhalb der Universität profiliert und aus ihr spezifische Stärke im Wettbewerb zieht. Diesen Umschwung hin zu einem völlig anderen Konzept musste das Heidelberger Rektorat dem Senat in Verbindung mit der Vertrauensfrage abtrotzen und mit ihr zugleich dem Universitätsrat ein Zeichen geben. Aber das ist nun, da die Expertenkommission "Integrierte Wirtschaftswissenschaften" ihr Eckpunkte-Konzept "Politische Ökonomie" zum Wohlgefallen aller vorgelegt hat, Gottlob vergessen: Der Erfolg hat stets viele Väter und Mütter; unter ihnen ist mit Fug und Recht einer herauszuheben: der Senatssprecher Professor Meusburger als Vorsitzender der Expertenkommission.

Das Konzept "Politische Ökonomie" mitsamt seinen Vernetzungen hinüber zu Politologie und Soziologie, zur Psychologie und zu den Rechtswissenschaften, aber auch zu vielen anderen Fächern mehr, ist in seinen Kernaussagen von den Medien, namentlich von der Regionalpresse, schon mehrfach sehr konstruktiv vorgestellt worden. Ab jetzt wird dies Konzept mit allem Nachdruck und in hohem Tempo umzusetzen sein: in Professuren einschließlich Lehr- und Juniorprofessuren, in Strukturen und vor allem in neue Studiengänge. Die Suche nach den Treibern für den wirklichen Neubeginn in den Heidelberger Wirtschaftswissenschaften hat schon in diesen Tagen begonnen; das kann erste Berufungen sehr zeitnah mit einschließen. Es geht also, meine sehr verehrten Damen und Herren, in kräftigen Schritten bergauf.

II.

  1. Und die Vernetzungen in der Metropolregion Rhein-Neckar mit der Universität Mannheim? Aus der Sicht der Ruprecht-Karls-Universität sind sie alles andere denn gestorben. Um dies am Beispiel des "Exzellenzwettbewerbs", des ehemaligen Wettbewerbs um Eliteuniversitäten, zu verdeutlichen: Unsere augenblicklichen Projektskizzen zu den großen Doktorschulen (in Heidelberg 4) und zu den großen Forschungsverbünden (in Heidelberg 5 Musterskizzen) enthalten nach meiner Kenntnis und zu meinem Bedauern ebenso wenig wie zur so genannten dritten Säule nennenswerte Verknüpfungen mit der Universität Mannheim. Umgekehrt ist es wohl auch so. Aber aussichtsreiche Hoffnung besteht: Vielleicht gelingt es ja beiden Universitäten in der jetzt anlaufenden zweiten Antragsrunde im Exzellenzwettbewerb, in einem wirtschaftswissenschaftlichen Forschungscluster untereinander und innerhalb der Universitäten vernetzt gemeinsam aufzutreten. Hierbei könnten namentlich die Erfahrungen älterer Professoren an beiden Standorten eine große Hilfe sein – auch um in Heidelberg nicht die Akteure des Neubeginns bis zur physischen Erschöpfung zu belasten.

    Aber unabhängig hiervon werden die Universitäten Heidelberg und Mannheim im Exzellenzwettbewerb auch zur Alternsforschung weiter im Gespräch bleiben und außerhalb dieses Wettbewerbs zur Technischen Informatik und zur Aus- und Fortbildung der Gymnasiallehrer. Hierfür wird gerade eine Aktionskommission gebildet, in die gern Mannheimer zugeladen werden können.


  2. Erlauben Sie mir bitte noch weitere Sätze zum Exzellenzwettbewerb. Denn er ist nicht bloß wegen des erhofften Geldsegens überaus bedeutsam, sondern weitergehend vor allem wegen seiner Auswirkungen auf Schwerpunkte und Strukturen der Universitäten. An den selbstgenannten Doktorschulen und Forschungsverbünden werden die Politik, also der Landtag als Gesetzgeber und Finanzier der Hochschulen, ebenso wie die Ministerialverwaltung die Universitäten festhalten und in diese Schulen und Verbünde auch künftig hinein finanzieren. Die Schlüsselbegriffe sind Profilierung und Nachhaltigkeit. Diese glanzvolle Vorderseite der Münze hat eine dunkle Rückseite: Universitätsdisziplinen, die sich nicht am Exzellenzwettbewerb beteiligen, laufen Gefahr, sich auf mittlere Sicht finanziell zu marginalisieren und damit vielleicht sogar ihre Existenz aufs Spiel zu setzen.

    Deshalb muss das Rektorat mit geschärfter Sorgfalt darauf bedacht sein, dass sämtliche Exzellenzbereiche der Ruprecht-Karls-Universität sich am Exzellenzwettbewerb beteiligen. Wer momentan noch fehlt, muss unbedingt für die zweite Antragsrunde gewonnen werden. Deshalb wird meine eigene alte Fakultät demnächst Besuch bekommen.


  3. Was aber hat der Exzellenzwettbewerb, so werden Sie sich fragen, mit der Metropolregion Rhein-Neckar zu tun? Sehr viel. Die drei Leitbegriffe der Region sind Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensqualität. Wir, die Hochschulen dieser Region, nehmen es mit großer Freude und beträchtlichem Stolz auf, dass sich eine ganze Region über ihre exzellenten Hochschulen definieren und im Reigen der europäischen Metropolregionen profilieren will. Vorgestern hat der Lenkungsausschuss der Region Rhein-Neckar sich zu den Beiträgen der Universitäten Heidelberg und Mannheim im Exzellenzwettbewerb als auch die Region stimulierend bekannt; das muss uns, die beiden Universitäten, schon deshalb mit Genugtuung erfüllen, weil damit auch die Wirtschaft angesprochen ist. Sie ist im Rahmen des Exzellenzwettbewerbs willkommener Kooperationspartner. Lasst Worten Taten folgen, um die Siegesaussichten für Mannheim und Heidelberg steigern zu helfen. Industry on campus wäre allemal förderlich – auf die BASF, Siemens und auch mittelständische Firmen warten wir mit offenen Armen.

III.
Gern würde ich jetzt, meine sehr verehrten Damen und Herren, zum kulturellen Teil des Abends überleiten und das Dauerproblem "Verkehrserschließung Neuenheimer Feld", wie im letzten Jahr, mit Humor dahingestellt sein lassen. Das aber geht nicht; denn der Gemeinderat der Stadt Heidelberg ist momentan auf bestem Wege, alles Einvernehmen, das Universität und Stadt zu Parkraumbewirtschaftung und Jobticket, zur Straßenbahnführung an der Südkante des Neuenheimer Feldes und bis zur Kopfklinik sowie zum Verhältnis von öffentlichem Personennahverkehr und automobilem Individualverkehr mittlerweile erreicht haben, mit wenigen Entscheidungen aufs Spiel zu setzen. Zuweilen befürchte ich, in Heidelberg seien die Maßstäbe verloren gegangen, wenn man der Universität und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen die Zerschneidung des Wissenschaftscampus glaubt zumuten zu dürfen, aber nicht dem Tennisclub, dass in fünfzig Meter Entfernung eine Straßenbahn vorbeigeführt wird. Den Gemeinderat fordere ich auf, die primäre Gestaltungshoheit der Wissenschaft auch für ihr Tätigkeitsumfeld anzuerkennen. Wir wollen einen Wissenschaftscampus nach internationalem Vergleich, wie er schon seit mehr als vierzig Jahren konzipiert und festgelegt ist, und keinen Werksteil Römisch I und Römisch II links und rechts der Hauptstraße. Soll der Klausenpfad zur via sacra werden? Falls sich dahinter die Befürchtung mancher Stadträte verbergen sollte, die Universität dränge in das Handschuhsheimer Feld, so ist die Universität bereit, die Nordgrenze des Wissenschaftscampus vertraglich zu fixieren – am besten durch Fortschreibung des Vertrages von 1962 unter Beteiligung des Landes.

IV.
Doch nun wirklich zu Friedlichem. Hochverehrter, lieber Herr Ehrensenator Eirich! Mit diesem Heidelberger Abend der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar verabschieden Sie sich als deren Präsident von Ihrer Ruperto Carola – glücklicherweise nur als Präsident. Das gibt mir erneut Gelegenheit, Ihnen und der IHK für diese Begegnungen zum Kennenlernen und zum Austausch, die in Deutschland ziemlich einmalig sind, von Herzen zu danken und Ihnen alles erdenklich Gute unter Gottes Segen zu wünschen. So gesehen sind die geographischen und historischen Kurzvorträge im Anschluss und das Konzert auch Zeichen des Dankes an Sie, lieber Herr Eirich. Ihnen allen, meine Damen und Herren, wünsche ich nun nur noch reines und ungetrübtes Vergnügen."



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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