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20. Oktober 2005

Die Externsteine geben eines ihrer Geheimnisse preis

Forschern der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gelang präzise Datierung umstrittener Feuerstellen – Jahrzehntelanger Streit beendet?

Die Externsteine in Lippe sind nicht nur eines der bemerkenswertesten Naturdenkmäler Mitteleuropas, sondern bereits seit Jahrzehnten auch im Wortsinne ein Stein des Anstoßes unter Historikern. Immer wieder entzündete sich ein Streit darüber, ob die Felsstätten bereits in vorchristlicher Zeit als Kultstätten genutzt wurden. Nach einer anderthalb Jahre andauernden Untersuchung sind nun Forscher der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zu präzisen Messergebnissen gelangt. Diese Ergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz am 20. Oktober 2005 bekannt gegeben.

Eines der zentralen Rätsel der Externsteine stellt das Alter der Grotten in den Felsenstätten dar. Die genaue Datierung der Brandspuren innerhalb der Grotten wurde initiiert und finanziert von der Schutzgemeinschaft Externsteine e.V. und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Realisiert wurde die Untersuchung von der Forschungsstelle "Archäometrie" der Akademie, unterstützt wurde das Projekt überdies vom Kreis und Landesverband Lippe und begleitet von den Fachinstituten den Landes.

Die Forschungsergebnisse stellen sich wie folgt dar: Die untersuchten Feuerspuren stammen nicht aus vorchristlicher Zeit. Damit werden die Ergebnisse der bisherigen Forschung bestätigt. Das Forschungsprojekt ergab, dass zwei der untersuchten Feuerspuren in der Haupt- und Nebengrotte der Externsteine aus dem Spätmittelalter (1325 n.Chr. +/- 50 Jahre und 1425 +/- 63) stammen, eine weitere Spur ist höchstens hochmittelalterlich (nach ca. 1030 +/- 100). Entgegen den bisherigen Erkenntnissen erbrachte die Untersuchung der Bohrkerne aus der branderhitzten Decke der Kuppelgrotte jedoch deutlich höhere Alter: Während eine Spur aus ottonischer Zeit stammt (934 +/- 94), ist eine weitere in die Zeit nach 735 (+/- 180) zu datieren, könnte somit aus der Zeit der fränkisch-sächsischen Auseinandersetzungen ab der 2. Hälfte des 8. Jhdts. stammen. Die Kuppelgrotte ist damit mindestens frühmittelalterlich.

Zur wissenschaftlichen Methodik: Datiert wurden die Proben mit der Methode der sogenannten Optisch-Stimulierten-Lumineszenz (OSL). Mit dieser Methode bestimmt man den Zeitpunkt der letzten Erhitzung der im Sandstein enthaltenen Quarz- und Feldspatkörner, mithin das Mindestalter der Anlage der Grotten. Das Verfahren beruht darauf, daß natürliche Gesteine geringe Mengen an radioaktiven Elementen besitzen, welche die Mineralkörner einer fortdauernden Strahlung aussetzen und ein Lumineszenz-Signal aufbauen. Damit ist die gemessene Intensität des Signals ein Maß für das Alter der Probe. Die in Heidelberg weiterentwickelte Untersuchungsmethodik stellt einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung und zur Anwendbarkeit der OSL-Datierungsmethode dar.

Durch das tiefenaufgelöste Datierungsverfahren konnten die Verlässlichkeit der erhaltenen Alter gesichert und ausreichend erhitzte von jenen Proben unterschieden werden, die nur ungenügend erhitzt wurden und somit überhöhte Altersdatierungen erbracht hätten. Bei zwei Proben konnte dabei gezeigt werden, dass eine rötliche Verfärbung der Gesteinsoberfläche noch keine Garantie für ein verlässliches Alter darstellt. Vielmehr erwies sich die Hitzeeinwirkung an den verschiedenen Probeentnahmestellen als höchst variabel, womit erneut die Notwendigkeit des entwickelten Datierungsverfahrens unterstrichen wurde. Bei der Quantifizierung des Strahlungsfeldes ergaben sich, trotz der Anwendung präziser analytischer Verfahren, unerwartete Schwierigkeiten, die eine Erhöhung der Altersunsicherheiten mit sich führten. Dies und die geringer als erwartete Anzahl an auswertbaren Proben zeigen, dass an den Externsteinen weiterer naturwissenschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsbedarf besteht.

Archäologisch-historische Bewertung der Ergebnisse: Aus Sicht der archäologischen und historischen Forschung können aus den dargelegten Ergebnissen der OSL-Untersuchung folgende erste Schlüsse gezogen werden:
1) Es konnte bewiesen werden, dass es sich bei den bisher rätselhaften Abplatzungen und Verfärbungen in den Grotten tatsächlich um historisch relevante Brandspuren handelt.
2) Drei der neun untersuchten Proben konnten recht genau datiert werden, mit einer Spannweite von ca. 100 bis 200 Jahren, bei zwei weiteren Proben konnte eine obere Grenze für das Alter ermittelt werden, mit einer Unsicherheit von ca. 100 bzw. 360 Jahren. Die jeweiligen Alterswerte (also z.B. 680 Jahre) sind Ergebnis der Untersuchungen, die Spannweiten entsprechen Unsicherheitsfaktoren von – je nach Probe – ca. 7% bis ca. 14%.
3) Entgegen ersten Befürchtungen belegen die Ergebnisse aus dem bodennahen Bereich der Haupt- und Nebengrotte, dass normale Lagerfeuer, wie sie dort noch in den 1960er Jahren häufiger brannten, ältere Brandspuren nicht überlagern konnten. Die datierten Brandspuren sind demnach historisch signifikant und zeugen von erheblichen Eingriffen.

Resümee: Die Untersuchung konnte nicht bestätigen, dass die Grotten bereits in der Älteren Eisenzeit (Mitte 1. Jahrtausend v.Chr.) geschaffen bzw. genutzt wurden, wie dies nach den Ergebnissen der ersten, methodisch noch nicht ausgereiften TL-Altersabschätzung von 1990 möglich schien. Alle nun ermittelten Alter weisen ins Mittelalter. "Dieses Forschungsprojekt zeigte, dass sich die Externsteine ihre Geheimnisse nicht leicht entreißen lassen", so Kurt-Uwe Förster, Pressesprecher der Schutzgemeinschaft Externsteine. "Doch mit modernsten und weiterentwickelten Untersuchungsmethoden, Beharrlichkeit und Präzision hat die Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften den Feuerstellen in den Felsengrotten nun hochinteressante Alterswerte abgerungen. Insbesondere die Ergebnisse zur Kuppelgrotte bieten spannende Ansätze für weitere Forschungen. Die Schutzgemeinschaft Externsteine als Initiator des Projektes wird auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse alles daran setzen, die Untersuchungen – insbesondere zur Kuppelgrotte – fortzusetzen und durch weitere interdisziplinäre Forschungen zu ergänzen." Maßgeblich wurden die Untersuchungen von Dr. Clemens Woda geleitet. Woda betont: "Der Vorteil der naturwissenschaftlichen Untersuchungen in diesem Forschungsprojekt ist, dass sie stets objektiv, wertneutral und ergebnisoffen sind. Einzige Leitlinie des Handelns ist die höchstmögliche wissenschaftliche Qualität. Weder die eigene subjektive Weltanschauung noch irgendwelche Vorannahmen beeinflussen den Gang und das Ergebnis der Untersuchungen."



Rückfragen bitte an:
Dr. Clemens Woda
GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Tel. 089 31 87 28 02
clemens.woda@gsf.de

sowie
Prof. Dr. Günther Wagner
Forschungsstellenleiter "Archäometrie"
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel. 06221 51 62 89 oder 51 64 87
Fax 516633
guenther.wagner@mpi-hd.mpg.de

sowie
Kurt-Uwe Förster
Schutzgemeinschaft Externsteine
Vorstandsmitglied, Pressesprecher
Tel. dienstlich: 05251 8971-30
Tel. privat: 05235 7777
Mobil: 0175/36 29 430
kurt-uwe.foerster@t-online.de
www.externsteine-online.de

und
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Tel. 06221 54 34 00, Fax 54 33 55
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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