zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

22. Oktober 2005

"Der Professor aus Heidelberg"

In seiner Rede bei der heutigen Jahresfeier richtete Universitätsratsvorsitzender Prof. Dr. Dr. Peter Bettermann harte Kritik gegen Indiskretionen von innen und gegen die Medien – Hier seine Rede im Wortlaut

"Meine sehr verehrten Damen und Herren,
‚Der Professor aus Heidelberg' ist ja mit dem Wahlkampf bundesweit zum geflügelten Wort geworden.

Nun mag mancher fragen, ist das denn gut für unsere Universität und alle, die in und mit ihr leben? Denn schließlich hat dieser Professor ja in den Augen vieler die Wahl zumindest nicht gewonnen.

Aber: Abgesehen davon, dass auch der prominente Gegner jetzt als Verlierer dasteht, bleibt doch festzuhalten, dass ‚der Professor aus Heidelberg' nun beinahe synonym ist mit ‚Reformorientierung' und ‚Vordenker von Reformen, die diesen Namen auch verdienen'.

Nun lautet der gängige Vorwurf ja, die Reformideen des Professors aus Heidelberg seien viel zu radikal, unrealistisch und unsozial. Selbst wenn man unterstellt, diese Vorwürfe hätten Substanz, so muss man doch fragen, wie denn eine dringend nötige Reformdebatte in Gang kommen soll, wenn die Formulierung von Idealzielen gleich ausgeschlossen wird. Insofern hat mich gefreut, dass mit dem DGB-Vorsitzenden Sommer kürzlich ein sehr exponierter Vertreter des gegnerischen Lagers bei einem Vortrag im ZEW in Mannheim öffentlich erklärt hat, er bedauere sehr, dass über die Inhalte und Ziele des Kirchhoff'schen Steuermodells im Wahlkampf noch nicht mal in Ansätzen ernsthaft diskutiert worden sei.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich denke wir alle können stolz sein, wenn der Begriff ‚Heidelberger Professor' für ‚Reformideen', ‚Reformwillen' und ‚Profiteri' – ‚Mut zum öffentlichen Eintreten für Reformen' steht. Auf die Dimension ‚Gewinnen oder Verlieren' kommt es dabei nicht an, sondern darauf, die mit Reformen unabdingbar verbundenen Auseinandersetzungen geführt und ertragen zu haben.

Leider muss ich Ihnen aber auch gestehen, dass ich als Vorsitzender des Universitätsrates nicht immer stolz auf die Heidelberger Professoren sein kann. Denn so sehr mich die in unserer Universität vom Rektorat angestoßenen Reformprojekte und Reformdebatten freuen, und so sehr die derzeit herrschende ‚kreative Unruhe' einem der 68er Studentengeneration Angehörigen gefällt, gerade weil sie auf Professorenebene ausgetragen wird, so sehr bekümmert mich oft die Form dieser Auseinandersetzung. Ich frage mich zum Beispiel, warum immer dann, wenn die Gefahr eines persönlichen Nicht-Obsiegens in einem Reformprojekt auch nur am Horizont erscheint, entweder unter Missachtung von Dekanat und Rektorat der Minister in Stuttgart gleich direkt mit oft unendlichen Ergüssen beglückt wird oder die Presse mit Dichtung und Wahrheit gefüttert wird.

Nun habe ich als Weinheimer ja das Missgeschick, nicht allmorgendlich per RNZ die große weite Heidelberger Universitätsunterwelt frei Haus geliefert zu bekommen. So entgehen mir dann so wichtige Informationen wie die aus der RNZ vom 18.10. (ich zitiere):

‚Pikantes Detail am Rande: Die Kommission hatte in einer früheren Fassung des Papiers eine Präambel vorgeschlagen, in der sie ein Verbleiben der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühle an der Universität Heidelberg einem Tausch mit Mannheim vorzog. Der Text wurde jedoch vom Vorsitzenden Professor Frederik Wenz, dem Direktor der Mannheimer Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, wieder herausgenommen.' Nicht nur Kenner der Materie wissen, dass dieses ‚pikante Detail' ebenso großer Unsinn ist wie etwa die Hälfte der übrigen Berichterstattungen zu den Reformvorhaben an dieser Hochschule.

Nun könnte man angesichts des ja nicht unbeträchtlichen Unterhaltungswertes all diesen gedruckten Unsinns ja trotz der unvermeidlichen – zumindest beim unkundigen Leser – eintretenden Rufschädigung noch ganz gut leben, schon eh als Weinheimer. Aber entspricht ein solcher Stil der Auseinandersetzung wirklich dem ‚des Professors in Heidelberg'? Soll die universitätsinterne Reformdebatte wirklich durch permanente Indiskretionen gegenüber der Presse begleitet oder gar ersetzt werden? Fürwahr, schlechter Stil, und nur aus der Angst vor der persönlichen Niederlage erklärbar.

Im antiken Olympia wurden die Namen derer, die im Wettkampf zu unredlichen Mitteln griffen, in Stein verewigt. Würde dieser Usus in den derzeitigen Reformdebatten gepflegt, etliche ‚Professoren in Heidelberg' stünden versteinert auf dem Universitätsplatz. Übrigens war der antike Brauch unabhängig vom Siegen oder Verlieren. Vielleicht, Magnifizenz, sollten wir einmal über eine Wiederaufnahme des alten Brauchtums nachdenken.

Aber ein Grußwort am Samstagmorgen soll ja nicht zu kritisch oder gar ironisch werden. Darum schließe ich es, und dies aus vollem Herzen, mit den Worten:
Ich bin stolz auf die Damen und Herren Professoren in Heidelberg und zähle auf Ihren Mut und Ihre Bereitschaft, den Ruf dieser Universität als Ort des Vordenkens und rechtzeitigen Implementierens von Reformen immer neu zu begründen und zu stärken. Sie alle kennen das Bild Ihres Londoner Kollegen Professor Charles Handy, bei dem der Frosch im langsam erhitzten Wassertopf diesen für einen Ort immer größeren Wohlbefindens hält bis es zu spät ist. Dies Bild mag auf Institutionen übertragbar sein. Intellektuelle Eliten aber zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie Gefahren frühzeitig erkennen und durch Reformen, durch Veränderungen gegensteuern.

Diese Universität und unser Gemeinwesen brauchen ihn, diesen ‚Professor in Heidelberg'. Und dieser kann sich auch leisten, notwendige Auseinandersetzungen mit akademischem Anstand zu führen."



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse




Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg