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7. Oktober 2005

"Baby-Blues" statt Mutterfreuden

Kongress an der Universität Heidelberg diskutiert Geschlechtsunterschiede bei psychischen Erkrankungen

Frauen sind anders. Männer auch. Und deshalb sind Frauen und Männer auch verschieden anfällig für Krankheiten, und Medikamente haben eine unterschiedliche Wirkung, je nachdem, ob "man" oder "frau" sie schluckt. Frauen erkranken leichter an Depressionen und Ess-Störungen, Schizophrenie nimmt bei Frauen einen anderen Verlauf als bei Männern. Bis Samstag beschäftigen sich internationale Wissenschaftler bei einem Kongress mit "Geschlechtsunterschieden in Genese, Symptomatik und Therapie psychischer Erkrankungen"; Veranstalter ist die Gesellschaft für die psychische Gesundheit von Frauen (GPGF).

Wichtigste Themen des Kongresses sind Störungen, die mit dem Hormonzyklus der Frau zusammenhängen wie prämenstruelle Symptome oder postpartale Erkrankungen. So entwickeln etwa ein bis zwei Prozent aller Frauen nach einer Entbindung eine massive Depression, und jede zweite Mutter sinkt in ein kurzfristiges Stimmungstief. Dass bei einer massiven Depression schwere Schäden für Mutter und Kind drohen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, unterstrich Dr. Niels Bergemann, Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Kongressleiter gestern gegenüber der Presse.

Von Dezember 2004 bis Juni 2005 untersuchten Heidelberger Wissenschaftler über 1000 Mütter auf Depressions-Symptome und Angststörungen. Dabei reicht die Bandbreite vom tränenreichen "Baby- Blues", der nach einigen Tagen meist von selbst verschwindet, bis zur massiven postpartalen Psychose, die Mütter an den Rande des Selbstmords treibt. An der Universitätsklinik Heidelberg gibt es deshalb seit vier Jahren stationäre Mutter-Kind-Therapien, bei denen Depressionen nach der Geburt und Zwangserkrankungen bei der Mutter sehr erfolgreich behandelt werden. "Mit Medikamenten kann meist eine schnelle Besserung erreicht werden, gute Erfolge haben aber zusätzlich Musiktherapie, Gesprächstherapie und Verhaltenstherapie", unterstrich Professor Christoph Mundt, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Psychiatrie.

Östrogen spielt eine große Rolle

Zwar gebe es zahlreiche Studien, die die Psychosozialen Bedingungen untersuchen, die zu einer postpartalen Depression führen, relativ unerforscht seien aber noch die endokrinologischen Vorgänge. "Klar ist aber, dass der massive Abfall von Östrogen nach der Geburt eine Depression auslösen kann", so Mundt.

Wie schlecht es einer Mutter geht, die keine Freude über ihr Baby empfinden kann, schilderte sehr offen Anke Nowak. Als sie vor fünf Jahren ihren Sohn auf die Welt brachte, geriet die junge Frau immer tiefer in einen Strudel aus Traurigkeit, Antriebslosigkeit und innerer Leere, aus der sie keinen Ausweg mehr sah. Durch einen Zeitungsartikel wurde sie auf die Mutter-Kind-Station an der Psychiatrischen Uni-Klinik Heidelberg aufmerksam, wo ihr geholfen werden konnte. Heute engagiert sich Anke Nowak zusammen mit 200 anderen Frauen im Verein "Schatten und Licht", der Frauen hilft, mit Krisen nach der Geburt umzugehen.

"Wir arbeiten in Heidelberg interdisziplinär eng zusammen und haben gerade ein neues Graduiertenkolleg zum Thema 'Frühe Kindheit' eingerichtet", unterstrich Professor Mundt. Dabei setzen die Wissenschaftler stark auf Prävention und Beratung schon in der Schwangerschaft. Nachgewiesen ist nämlich, dass sich der Stress werdender Mütter über Hormone auf das Ungeborene überträgt, und dass Babys, die ohne engen emotionalen Kontakt zur Mutter oder einer anderen Bezugsperson aufwachsen, meist psychische Schäden davontragen.

Lächelt beispielsweise das Baby seine Mutter an, und die wendet sich regelmäßig ab und das Lächeln des Kindes läuft so ins Leere, reagiert das Baby zunächst ebenfalls eher abweisend und zeigt später selbst depressive Verstimmungen. Deshalb ist bei der Heidelberger Mutter-Kind-Therapie die Videoanalyse ein wichtiges Element. An Hand gefilmter Mutter-Kind-Interaktionen werden positive Verhaltensweisen der Mutter verstärkt und sie lernt, ihre intuitive Kompetenz zu entdecken und umzusetzen.

Ingeborg Salomon

INFO: "Schatten und Licht" informiert im Internet unter www.schatten-und-licht.de



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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