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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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19. Oktober 2005

"Die Beziehungen zu Amerika liegen uns am Herzen"

Die Ruperto Carola besteht seit 619 Jahren: Bei der Jahresfeier am 22. Oktober steht aber die Neue Welt im Zentrum – Perspektivgespräch mit Rektor Hommelhoff

Am 22. Oktober findet die Jahresfeier der Ruperto Carola statt – sie besteht seit 619 Jahren. In welcher Verfassung ist die altehrwürdige Ruprecht-Karls-Universität?

Die Ruperto Carola ist in einem durchgehend guten Zustand, aber doch in einer gewissen konstruktiven, nervösen Unruhe. Diese hat ihre Ursache einmal in der Teilnahme am Wettbewerb der exzellenten Hochschulen, in dem wir uns hoffentlich als Spitzenuniversität platzieren können, dann aber auch in den bekannten, sehr tief gehenden Umstrukturierungen.

Bei der Jahresfeier hält Prof. Detlef Junker den Festvortrag "Europa und die USA". Steht Amerika an diesem Tag im Blickpunkt?

Ja, in dem Vortrag steckt auch Zukunftsprogrammatik. Denn wir werden demnächst die große Freude haben, in der Innenstadt unser "Heidelberg Center for American Studies" (HCA) an prominentester Stelle etablieren zu können – wo genau, soll Überraschung bleiben. Und im Hinblick auf die USA selbst sind wir in Verbindung mit der University of Massachusetts in Amherst in intensivem Gespräch über die Errichtung eines Heidelberg-Hauses auf dem dortigen Campus. Durch den Festvortrag soll betont werden, dass uns die Beziehung zu Nordamerika – ebenso wie durch das Heidelberg-Center in Chile zu Südamerika – am Herzen liegt.

Welche Funktionen soll das Haus in den USA übernehmen?

Wir wollen diese Niederlassung dazu nutzen, unsere dortigen Verbindungen zu festigen. So beabsichtigen wir etwa, mit unseren Partnern "summerschools" zu veranstalten oder deutsche Jungwissenschaftler in einem anderen Umfeld Lehrerfahrungen sammeln zu lassen, aber auch Kongresse und Begegnungen zu ermöglichen.

Gibt es weitere Veränderungen in der internationalen Präsenz der Universität?

In Santiago de Chile haben wir zunächst Wohnungen für unsere Dozenten zugekauft. In Osteuropa ist es unser Wille, die Verbindungen vor allem nach Krakau und Budapest auszubauen. Soeben war auch eine Prager Delegation zu Gast: Möglicherweise werden wir uns zusätzlich in dieser Richtung engagieren. Ein größeres Projekt ist zurzeit eine Intensivierung der Verbindung nach China. Pflegen wir zu Wuhan bereits eine langjährige Beziehung, wollen wir künftig auch mit der Tsinghua Universität in Peking verstärkt zusammenarbeiten.

Die alte Exzellenzinitiative der rot-grünen Bundesregierung sollte ja gerade die internationale Wettbewerbsfähigkeit fördern. Warum herrscht jetzt ein konstruktive Nervosität in Bezug auf den aktuellen Wettbewerb?

Die aus diesem Wettbewerb erwachsene Unruhe hat jetzt alle Akteure erfasst und zuvor brachliegende Kräfte mobilisiert – auch die Bereitschaft zu interdisziplinärer Zusammenarbeit hat deutlich zugenommen. Und schon in Kürze werden wichtige Zwischenentscheidungen fallen.

Was kann die Universität aus eigener Kraft zur Leistungsoptimierung unternehmen?

Die Hauptaktivitäten liegen in den Bereichen, in denen wir wettbewerbsstark sind: also in den Lebens- und Naturwissenschaften – aber auch in den Geisteswissenschaften. Ein weiterer großer Bereich ist die Neuaufstellung um unsere Wirtschaftswissenschaften. Prof. Peter Meusburger, der Vorsitzende der Kommission "Integrierte Wirtschaftswissenschaften", hat angekündigt, dass die Kommissionsmitglieder in dem von ihnen favorisierten Modell eine Struktur sehen, die in Deutschland neuartig sein soll: Diese Alternativform zur klassischen volkswirtschaftlichen Ausrichtung soll die Chance eröffnen, dass Heidelberg in fünf bis sieben Jahren eine Spitzenstellung erlangt. Es muss unser Ziel sein, auch in diesem Bereich – Wirtschaftswissenschaften, Politologie, Soziologie, Rechtswissenschaften und Psychologie – insgesamt eine angemessene Spitzenstellung zu erreichen.

Unter "Volluniversität" verstehen Sie also nicht nur ein Gleichgewicht von Natur- und Geisteswissenschaften, sondern auch die Einbeziehung der Sozialwissenschaften?

Zur Volluniversität gehört für mich ganz klar eine breite sozialwissenschaftliche Komponente. Hier stellte sich zwischendurch die Frage, ob wir dies zum Teil durch eine enge Kooperation mit der Universität Mannheim bewerkstelligen – was ich immer noch für ein vernünftiges Konzept halte -, aber dies war nicht durchsetzbar, auch weil die beiden Universitäten erst noch weiter aufeinander zugehen müssen. Wir in Heidelberg müssen jetzt das Projekt "Integrierte Wirtschaftswissenschaften" in Angriff nehmen. In diesem Zusammenhang sind wir auch in Gesprächen über ein "Zentrum für soziale Innovation und Investition".

Wie steht es mit den politischen Rahmenbedingungen in Land und Bund?

Für uns ist das baden-württembergische Landeshochschulgesetz der wesentliche Rahmen. Im Moment ist aber der Prozess der Modernisierung der Landesuniversitäten wichtiger, und dieses Ziel muss vor allem nach eigenen Konzepten aus eigenen Kräften erreicht werden – etwa im Hinblick auf die beiden medizinischen Fakultäten in Heidelberg und Mannheim. Was die neue Bundesregierung betrifft, so vertrete ich nachdrücklich die Forderung, dass wir zu einem konstruktiven Miteinander von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik kommen müssen. Ein totales Herausdrängen des Bundes aus diesem Bereich wäre absolut tödlich, denn wir würden uns provinzialisieren – der internationale Maßstab verbietet ein so zersplittertes Vorgehen. Auch für unser Verhältnis zu den außeruniversitären Einrichtungen brauchen wir die finanzielle Hilfe des Bundes.

Es ist immer vom Wettbewerb der Köpfe die Rede. Welche ragen an der Ruperto Carola besonders heraus?

Der berühmteste Kopf ist zurzeit sicherlich Paul Kirchhof – trotz der Wahlkampf-Turbulenzen. Dann denke ich an die beiden bedeutenden Preisträger Tonio Hölscher und Lothar Ledderose. Für den Bereich der Lebenswissenschaften würde ich als Beispiel Klaus Unsicker nennen und als jüngeren Kollegen Joachim Spatz. Gewiss dann noch Jürgen und Rüdiger Wolfrum: Der erste ist ein erfolgreicher physikalischer Chemiker, der zweite ist gerade Präsident des Internationalen Seegerichtshofs in Hamburg geworden. Aber herausragende Köpfe haben wir zum Glück noch viele mehr.

Wie fällt Ihr Ausblick auf das nächste Jahr aus?

In der Exzellenzinitiative müssen wir im Sommer die Vollanträge schreiben. Es folgt auch noch eine zweite Tranche: Einige Bereiche wie etwa die Juristische Fakultät sollen sich darin noch stärker engagieren. Wir wollen die Volluniversität Heidelberg auch dadurch in diesem Wettbewerb aufscheinen lassen, dass sie mit all ihren wesentlichen Bereichen beteiligt ist. Wir werden uns zudem mit einer Neuaufstellung des Bereiches Geologie/Geographie beschäftigen, und dann wollen wir eine bundesweit führende Gymnasiallehrer-Ausbildung am Standort Heidelberg initiieren.

Werden 2006 auch Projekte fertiggestellt?

Es gibt eine ganze Reihe konkreter Perspektiven: Im Neuenheimer Feld wird "Bioquant" 2006 fertiggestellt, dann das schon angesprochene neue Haus des HCA in der Altstadt eröffnet. Außerdem wird die Kinderklinik im Rohbau fertig werden, und wir hoffen, vielleicht auch noch den Grundstein für die neue Frauenklinik legen zu können.

Heribert Vogt



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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