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10. September 2005

Im Brennpunkt unterschiedlicher Interessen

Oliver Finks lebendige "Kleine Heidelberger Stadtgeschichte" – Obwohl "Bad Heidelberg" ein Traum blieb, kommen heute unzählige Besucher – Dr. Fink ist Redakteur der Zeitschrift "UniSpiegel" der Ruperto Carola

Zwar hat das Welterbekomitee der Unesco im vergangenen Juli die Aufnahme Heidelbergs im die Liste der Welterbestätten verschoben – was manch einen in der Neckarstadt traurig gestimmt haben dürfte. Doch hat sich bei der Sitzung im südafrikanischen Durban auch gezeigt, dass der Anfang 2004 gestellte Antrag beim nächsten Mal wesentlich bessere Chancen haben dürfte – auch weil bereits jetzt der gute Erhaltungszustand von Schloss und Stadt in seiner Originalsubstanz gewürdigt wurde.

Dies wiederum hat das ohnehin schon große Interesse an der Herkunft der "erhaltungswürdigen Originalsubstanz" geschürt. Weshalb die " Kleine Heidelberger Stadtgeschichte" von Oliver Fink zu einem idealen Zeitpunkt in den Handel kommt.

Die wechselhafte Historie

Angesichts der besonders wechselhaften und vielfältigen Geschichte, wie sie der Neckarstadt zu eigen ist, scheint eine Reduktion auf rund 150 Seiten beinahe unmöglich zu sein. Und doch gelingt es dem Autor, der auch als Redakteur der Zeitschrift "UniSpiegel" der Ruperto Carola tätig ist, einen sehr ausgewogenen Blick auf den bisherigen Weg Heidelbergs zu werfen.

Heidelbergs Alte Brücke mit dem Schloss im Hintergrund. Kolorierte Lithografie von Louis Pierre Alphonse Bichebois (1801 – 1850) aus dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg
Malerisch: Heidelbergs Alte Brücke mit dem Schloss im Hintergrund. Die kolorierte Lithografie von Louis Pierre Alphonse Bichebois (1801 – 1850) aus dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg ist auf dem Titel des besprochenen Buches zu sehen.

Natürlich mussten wegen der gebotenen Kürze zahlreiche Details ausgeblendet werden. Doch erlaubt dies im Gegenzug eine Konzentration auf das Wesentliche, so dass der Leser nach der durchaus kurzweiligen Lektüre die wichtigsten Facetten der Stadtgeschichte kennt, ohne von einer Fülle von Details erschlagen zu werden.

Natürlich beginnt Oliver Fink seinen Rückblick in der keltischen und römischen Vorgeschichte – auch wenn diese nur das Heidelberger Umfeld betrifft. Die Stadt selbst wurde erst 1196 urkundlich erwähnt, wobei man davon ausgehen kann, dass in der präurbanen Vorgängersiedlung im Klingenteichtal und rund um die Peterskirche schon etliche Jahre zuvor ein reges Leben herrschte.

"Obere Burg zu Heidelberg"

Diese Siedlung indes gehörte zur "Oberen Burg zu Heidelberg" – schon 1303 sind für Heidelberg zwei Burgen gesichert. Leider ist von der Oberen Burg kaum mehr etwas erhalten. Sie verlor bereits mit dem Ausbau der heute als "Heidelberger Schloss" bekannten Anlage auf dem Jettenbühl ihre Bedeutung.

Mit dem Heidelberger Schloss im direkten Zusammenhang steht wiederum die nach frühgotischem Muster angelegte – und in ihrer Struktur bis heute weitgehend erhaltene – Altstadt, die im Norden am Neckarufer endet und im Westen an der Befestigung auf der Linie der heutigen Grabengasse am jetzigen Universitätsplatz entlang. Im Süden und zugleich oberhalb der Stadt begrenzte das Schloss das Stadtgebiet, welches im Osten wegen der dort vorhandenen Sümpfe im sich verengenden Flusstal nur schwach gesichert werden musste.

In diesem Areal – und natürlich im Heidelberger Schloss – nahm die mitunter turbulente Stadthistorie ihren Lauf. Dabei gelang es dem Autor, die verschiedenen Bestandteile der Kommune in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. So ist sein Büchlein weder eine Geschichte des Schlosses noch der Universität noch der Stadtbürgerschaft – sondern eine lebendige Mischung aus allen drei Elementen, die auch in der Realität aufeinander einwirkten. So kommen die Aspekte der mitunter katastrophal endenden politischen Ränkespiele der Kurfürsten genauso zur Sprache wie die Entwicklung der Universität oder der durchaus erfolgreichen Bestrebungen, Heidelberg zu einem Touristenmagneten zu machen.

Die unzähligen Besucher, die heute durch die Altstadt strömen, verdeutlichen den Erfolg dieser Bemühungen – auch wenn der Sprung zur Kurstadt "Bad Heidelberg" nie gelang. 1918 wurde in Bergheim eine Solequelle erschlossen, die 1957 – im Gegensatz zu fortbestehenden Hoffnungen auf einen Kurort großen Stils – versiegte.

Doch auch ohne Heilquellen zieht Heidelberg die Menschen von überall her an. Die Stadt am Neckar stand und steht immer wieder im Brennpunkt unterschiedlicher Interessen, ob als politisches Zentrum der Kurpfalz bis ins 18. Jahrhundert oder als Stadt der Romantik, ob als Sitz von Deutschlands ältester Universität oder als wesentlicher Programmpunkt asiatischer Touristen. Von ihren ersten Ursprüngen noch vor der eigentlichen Stadtgründung ist ihre Entwicklung bis heute geprägt von Höhen und Tiefen, Katastrophen und Glücksmomenten.

Von alledem erzählt Oliver Fink in seiner "Kleinen Heidelberger Stadtgeschichte" in gebotener Kürze. Eine "große" Heidelberger Stadtgeschichte steht nämlich immer noch aus. Vielleicht ändert sich dieser Mangel, wenn Heidelberg von der Unesco in die Liste der Welterbestätten aufgenommen wird. Die nächste Sitzung des Komitees findet vom 8. bis 16. Juli 2006 im litauischen Vilnius statt ...

Heiko P. Wacker

Oliver Fink: "Kleine Heidelberger Stadtgeschichte". Pustet Verlag, Regensburg 2005. 152 S., 39 Abb. + 1 Stadtplan, kartoniert, ISBN 3-7917-1971-8; 12,90 Euro.



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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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