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20. September 2005

Biotechnologie- und Bioethik-Seminar am Heidelberg Center Lateinamerika der Ruperto Carola

Heidelberger Medizinhistoriker Professor Wolfgang Eckart und Studierende aus Lateinamerika per Videokonferenz zugeschaltet

Gemeinsam organisiert vom Interdisziplinären Bioethikzentrum der Universidad de Chile und dem Heidelberg Center Lateinamerika fand in Santiago de Chile ein internationales Seminar zum Thema Biotechnologie, Genomforschung, Bioethik und deren Bedeutung für die öffentliche Gesundheit statt. Es referierten Experten aus Brasilien, Chile, Kanada und den Vereinigten Staaten. Mithilfe einer Video-Live-Schaltung, die von der Weltbank finanziert wurde, verfolgten Studierende in Argentinien, Peru, Venezuela und dem Norden Chiles das Seminar und konnten direkt im Anschluss an die Vorträge ihre Fragen stellen.

Das Seminar stand unter der Leitung von Prof. Fernando Lolas Stepke, Direktor des Bioethikprogramms der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation und Leiter des Bioethikzentrums der Universidad de Chile. Er erläuterte zu Beginn Fragen zur Ethik und zur allgemeinen Entwicklung der Forschung in Lateinamerika. Dabei stellte er heraus, dass ein Diskurs über Risiken und Nutzen für Individuum und Gemeinschaft auch immer vom jeweiligen politischen System abhängen würden und es somit Unterschiede zwischen wirtschaftlich entwickelten und weniger entwickelten Ländern gäbe. Es gelte, das biologische Geheimnis des Individuums zu bewahren und dem Menschen bestmöglich zu dienen. So sieht er denn die Hauptaufgabe der Universitäten darin, nicht nur neue Erkenntnisse in der Wissenschaft zu suchen, sondern auch an dem gesellschaftlichen Diskurs unter Berücksichtigung ethischer und moralischer Aspekte teilzuhaben. In diesem Zusammenhang wurde per Videokonferenz der Medizinhistoriker und Bioethiker Prof. Wolfgang Eckart aus Heidelberg zugeschaltet. Er sprach zur Entwicklung von Bioethik und Genomforschung in Deutschland wie Europa und machte deutlich, dass es in der europäischen Diskussion zur Zeit um die Lösung philosophischer Fragen gehen würde und große Hoffnung bestehe, durch die Genomforschung weit verbreitete Krankheiten in den armen Ländern wie Aids, Tuberkulose und Malaria erfolgreich zu bekämpfen.

Eine interessante Studie zu den biotechnologischen Entwicklungen in ärmeren Ländern stellte Prof. Abdallah S. Daar von der University of Toronto, Direktor für Politik und Ethik am McLaughlin Centre for Molecular Medicine, in seinem Vortrag vor. Seine Mitarbeiter und er hatten herausgefunden, dass in den letzten Jahren gerade Länder wie Brasilien und Indien in Teilbereichen der Forschung besondere Fortschritte erzielen konnten. So entwickelte Kuba einen Impfstoff gegen Meningokokken-Meningitis. Da diesen Ländern jedoch die Industrie zur Entwicklung flächendeckender Medikamente fehle, bekämen die Patente auf ihre Medikamente einen immer höheren Stellenwert in der Welt. Darin sieht Prof. Daar das größte Risiko: Ein Land wie Indien könnte auf der Basis von demographischen Studien und Untersuchungen von weitverbreiteten Krankheiten im eigenen Land Impfstoffe entwickeln und deren Patente an ein Land wie die USA verkaufen, das wiederum die benötigten Medikamente in großen Mengen herstelle und sie zu überhöhten Preisen an Indien zurückverkaufen würde. Um solch eine Entwicklung zu verhindern, müsste ein gleichwertiger Austausch zwischen der jeweiligen Regierung, der Institution, der Wissenschaft und den Geldgebern geschaffen werden.

Weiterhin sprachen Prof. Geraldo Freitas de Drumond, Präsident der Fundación de Amparo a Pesquisa do Estado de Mina Gerais, über die Gesetzgebung der letzten Jahre in Brasilien, Prof. Kenneth W. Goodman, Direktor des Bioethik-Programms der University of Miami, zu der Rolle der Politik in der Genomforschung in den USA sowie Prof. Francisco Rothhammer von der Universidad de Chile zu den Konsequenzen der biotechnologischen Entwicklung in Lateinamerika.

Die internationale Ausrichtung des Seminars mit herausragenden Wissenschaftlern und der Live-Übertragung zu Studierenden diverser Universitäten in Südamerika ermöglichte einen intensiven Wissensaustausch über Ländergrenzen hinweg. Die Veranstaltung fand großen Zuspruch bei den Zuhörern, und die Organisatoren waren von der hohen inhaltlichen Qualität begeistert. Auch Dr. Walter Eckel, geschäftsführender Direktor des Heidelberg Centers für Lateinamerika, war äußerst zufrieden, eröffnet sich nun doch für die Universität Heidelberg die Möglichkeit, an der Entwicklung der Bioethik und Biotechnologie in Nord- und Südamerika aktiv zu partizipieren.



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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