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25. August 2005

Was bringt die zelluläre Immuntherapie bei Brustkrebs?

Passive Impfung reaktiviert Immungedächtnis – Teilnehmerinnen an Klinischer Studie der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg gesucht

An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg läuft in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Immunologie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) eine klinische Studie an, die erstmals eine neue zelluläre Immuntherapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebsleiden erprobt. Es werden noch Teilnehmerinnen gesucht.

"Dabei handelt es sich um eine so genannte Phase II-Studie", erklärt der Studienleiter, Dr. Florian Schütz, Oberarzt in der Frauenklinik. "Die abgeschlossene Phase I-Studie hat an wenigen Patientinnen gezeigt, dass unsere Immuntherapie gut durchführbar ist und keine spezifischen Nebenwirkungen und Risiken hat. Nun müssen wir die Effektivität prüfen."

Die Aufbereitung der Immunzellen ist recht aufwendig: Dem Knochenmark werden spezielle tumorreaktive Immunzellen (T-Gedächtniszellen) entnommen, außerhalb des Körpers behandelt, zur erneuten Immunaktivität angeregt und schließlich der Patientin per Infusion zurück übertragen. "Es handelt sich dabei um die weltweit erste Studie, die diese Form der Immuntherapie bei Brustkrebs untersucht", erklärt Dr. Florian Schütz, ärztlicher Mitarbeiter der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik und Leiter der Studie.

Impfungen gegen Krebs haben sich im breiten Spektrum der Krebstherapien bislang nicht etablieren können, werden derzeit jedoch weltweit an mehreren Zentren experimentell oder in ersten "Phase-I-Studie" am Menschen erprobt. Meist handelt es sich um aktive Impfungen: Das Immunsystem wird durch eine immunstimulierende Substanz, z. B. ein oder mehrere Proteine oder ganze Zellen, angeregt, seine Abwehrkräfte gegen den Krebs zu formieren und ihn am Wachstum zu hindern oder zu zerstören.

Schlummernde Zellen werden aus dem Knochenmark entnommen

"Bei der passiven Impfung verwenden wir spezifische Immunzellen, die ungenutzt im Knochenmark schlummern", erklärt Schütz. Die tumorreaktiven T-Gedächtniszellen fanden die Heidelberger Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Volker Schirrmacher und Dr. Philipp Beckhove aus dem DKFZ bei zwei Drittel der nicht vorbehandelten Patientinnen mit Brustkrebs. "Chemo- und antihormonelle Therapien können die Anzahl jedoch verringern" schränken die Forscher ein.

Insgesamt 35 Patientinnen mit metastasierendem Brustkrebs und 35 Patientinnen, die mit der Erstdiagnose konfrontiert sind, wollen die Heidelberger Ärzte mit der neuen Immuntherapie behandeln. Bei den Patientinnen, deren Brustkrebs bereits Metastasen gebildet hat, sollte eine Strahlen- oder Chemotherapie abgeschlossen sein. Wichtig ist jedoch, dass weiterhin sogenannte Tumorparameter (z.B. Tumormarker, messbare Metastase) messbar sind. Mit Hilfe dieser Parameter können die Ärzte nachvollziehen, ob die zelluläre Immuntherapie effektiv ist. Bei den Patientinnen mit Erstdiagnose, soll die Therapie vor der Operation durchgeführt werden, um eine Reaktion im Tumorgewebe zu untersuchen.

Entscheidend ist bei allen Patientinnen, dass ihr Knochenmark die tumorreaktiven T-Gedächtniszellen enthält. Um dies feststellen zu können, muss Knochenmark entnommen werden, welches durch das DKFZ analysiert wird.

Sind Gedächtniszellen vorhanden, unterziehen sich die Studienteilnehmerinnen einer zweiten Knochenmarksentnahme. Diese Probe wird im Labor aufbereitet und schließlich der Patientin als Infusion wieder zugeführt. Die Infusionstherapie wird unter stationärer Überwachung vorgenommen. Nach der Entlassung wird die Patientin engmaschig in der Klinikambulanz betreut. Der Erfolg der Therapie wird anhand der Tumormessparameter und des immunologischen Ansprechens beurteilt.

Interessierte Patientinnen wenden sich an:
Dr. Florian Schütz
Universitätsfrauenklinik Heidelberg
Voßstr.9
D-69115 Heidelberg
Tel. +49-6221-56 7856
florian_schuetz@med.uni-heidelberg.de

Literatur:
Beckhove P, Feuerer M, Dolenc M, Schuetz F, Choi C, Sommerfeldt N, Schwendemann J, Ehlert K, Altevogt P, Bastert G, Schirrmacher V, Umansky V, Specifically activated memory T cell subsets from cancer patients recognize and reject xenotransplanted autologous tumors; J Clin Invest, 2004, 114: 67-76

Schuetz F, K Ehlert, P Beckhove, IJ Diel, E Solomayer, V Schirrmacher, G Bastert, HJ Strittmatter; Cellular immunotherapy in late stage breast cancer patients with reactivated autologous Memory T-cells (MTC) derived from bone marrow (BM). Breast, 2003, Vol.77

Beckhove P & Schuetz F, Diel IJ, Solomayer EF, Bastert G, Foerster J, Feuerer M, Bai L, Sinn HP, Umansky V, Schirrmacher V, Efficient engraftment of human primary breast cancer transplants in nonconditioned NOD/Scid mice. Int J Cancer. 2003; 105(4): 444-53

Feuerer M, Beckhove P, Bai L, Solomayer EF, Bastert G, Diel IJ, Pedain C, Oberniedermayer M, Schirrmacher V, Umansky V, Therapy of human tumors in NOD/Scid mice with patients-derived reactivated memory T cells from bone marrow, 2001, Nature Med, 7(4)

Brustzentrum der Universitäts-Frauenklinik im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=7911

Deutsches Krebsstudienregister: www.studien.de



Rückfragen bitte an
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 – 56 45 36
Fax: 06221 – 56 45 44
Handy: 0170 – 57 24 725
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg


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