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5. August 2005

Neuer ungarischer Staatspräsident László Sólyom war Anfang der 80er als Dozent in Heidelberg tätig

Neuer ungarischer Staatspräsident László Sólyom lehrte bereits 1983 an der Universität Heidelberg – Ab August als Nachfolger von Ferenc Mádl im Amt – Heidelberg ging bereits vor 23 Jahren Partnerschaft mit der ungarischen Eötvös-Loránd-Universität in Budapest ein – Glückwunschtelegramm von Rektor Peter Hommelhoff

Der neue ungarischer Staatspräsident László Sólyom  
Der neue ungarische Staatspräsident László Sólyom

Mit László Sólyom, der Anfang August Ferenc Mádl im Amt des Staatspräsidenten ablöste, ist es schon das zweite Mal der Fall, dass ehemalige, an der Universität Heidelberg tätige Dozenten das wichtigste Amt der Republik Ungarn innehaben. Denn beide Männer arbeiteten schon Jahre vor dem Fall der Mauer eng mit der Juristischen Fakultät in Heidelberg zusammen. "Es ist schon interessant, dass gleich zwei Staatspräsidenten nacheinander ‚Ex-Heidelberger' sind", meint denn auch Peter Meusburger, der seit über zehn Jahren als Partnerschaftsbeauftragter den Kontakt zur ungarischen Eötvös-Loránd-Universität in Budapest hält. So publizierte er bereits vor zwei Jahren einen Artikel über die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen, und ging auch auf László Sólyom ein – der damals natürlich noch nicht für das Amt des Präsidenten im Gespräch war. "Er hatte jedoch – wie auch sein Vorgänger Mádl – enge Beziehungen zur Universität Heidelberg, und pflegte schon lange vor der Wende, so etwa ab 1983, enge Kontakte zu den Heidelberger Juristen."

Ein interessanter Punkt. Und zudem einer, in dem sich Ungarn stark von den anderen Ländern des Ostblocks unterscheidet. Denn die neuen Eliten, die die Republik nach 1989 prägten, hatten zumeist schon über Jahre hinweg Kontakte ins westliche Ausland – und eben auch nach Heidelberg. "Schon in den Sechzigern durften ungarische Studenten DAAD- oder Humboldt – Stipendien annehmen, so dass eine beträchtliche Anzahl der – sagen wir mal – ‚wichtigen Leute' persönliche Beziehungen nach Deutschland aufbauen konnten", erinnert sich Peter Meusburger, der sich nicht nur um die Brücke nach Budapest kümmert, sondern in erster Linie als Direktor des Geographischen Instituts tätig ist. "Im Fall Heidelbergs gingen die Beziehungen jedoch noch ein gutes Stück tiefer, als dies bei anderen Hochschulen der Fall war, schloss doch unsere Universität schon früh die Partnerschaft mit der Eötvös-Loránd-Universität. Die feierliche Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags zwischen der Universität Heidelberg und der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest fand am 3. April 1982 in Heidelberg statt. Und das war erst der Anfang. Danach intensivierten sich die Kontakte immer weiter."

Der alte ungarischer Staatspräsident Ferenc Mádl  
Der alte ungarische Staatspräsident Ferenc Mádl

Besonders intensive und langfristig positive Auswirkungen sollte der 1983 stattfindende Besuch der ungarischen Juraprofessoren Ferenc Mádl und Lajos Vékás in Heidelberg haben. Diese initiierten zusammen mit László Sólyom und János Németh sowie mit den Heidelberger Juristen Erik Jayme und Gert Reinhart gemeinsame Seminare mit deutschen und ungarischen Studierenden in Zivilrecht, Unternehmensrecht, internationalem Vertragsrecht, Copyright Recht und vielen anderen Themen, die bei der späteren Einführung der Marktwirtschaft von großer Bedeutung waren. "Der dadurch gewonnene Vorsprung in der Ausbildung der ungarischen Nachwuchsjuristen erwies sich einige Jahre später bei der Einführung der Marktwirtschaft als sehr vorteilhaft", erklärt Peter Meusburger die Besonderheiten jener Situation Anfang der 80er Jahre. "Diese vier weitsichtigen, ungarischen Juraprofessoren stiegen nach 1989 in prominente Ämter auf. Ferenc Mádl, der aus einer ungarndeutschen Familie in Bánd (Westungarn) stammte, war 1990 – 1993 als Staatsminister (ohne Portefeuille) für Wissenschaftspolitik und Koordinierung der Regierungspolitik zuständig. Außerdem nahm er zwischen 1990 und1992 die Funktion eines Vorstandsvorsitzenden der staatlichen Vermögensagentur wahr, die auch die Aufsicht über das Bankenwesen hatte. 1993 bis 1994 war er Kulturminister und im Mai 2000 wurde er, obwohl er keiner Partei angehörte, zum Präsidenten von Ungarn gewählt. Im Juli 2001 erhielt Präsident Mádl die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg. Lajos Vékás, der 1987 noch ein Jahr als Humboldstipendiat in Heidelberg verbrachte, wurde Rektor der Eötvös-Loránd-Universität und später Rektor des Collegium Budapest. László Sólyom wurde der erste Präsident des ungarischen Verfassungsgerichtshofes und 2005 ungarischer Staatspräsident, János Németh wurde 1998 Präsident des Verfassungsgerichtshofes und Kálmán György, der Kooperationspartner des Heidelberger Strafrechtlers und Kriminologen Miehe, wurde nach der Wende zum ersten Generalstaatsanwalt des demokratischen Ungarn ernannt", weiß Peter Meusburger zu berichten.

Natürlich wäre es falsch, würde man behaupten, Männer wie Mádl oder Sólyom hätten ihre Positionen nur erreicht, weil sie an westlichen Universitäten tätig waren. Es verhält sich vielmehr so, dass sie sich schon früh um internationale Kontakte bemühten, was eine exzellente Vorbereitung auf ihre jetzige Tätigkeit darstellte – und Ungarn beispielsweise auf dem Gebiet der marktwirtschaftlichen Rechtssprechung einen gewaltigen Vorsprung gegenüber dem restlichen Ostblock verschaffte. "Gerade László Sólyom kümmerte sich um den Aufbau möglichst breit angelegter Netzwerke, und studierte beispielsweise auch in Hamburg, Köln und Berkeley", zählt Peter Meusburger auf. Außerdem arbeitete er Ende der 60er Jahre an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, bevor er bei der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und in der Bibliothek des Parlaments zu finden war. "Zugegeben – es zog ihn auch an andere Hochschulen. Doch zu Heidelberg hat er eben einen ganz besonderen Bezug, seitdem er 1983 erstmals Kurse bei uns angeboten hat. Denn das war für den damals 41jährigen ein ganz wichtiger Karriereschritt." Gleichwohl hat auch die Ruperto Carola die einstige Lehrtätigkeit des ungarischen Gastjuristen nicht vergessen. So schickte Rektor Peter Hommelhoff unmittelbar nach der Bekanntgabe der Wahl von László Sólyom zum neuen Staatspräsidenten ein Grußtelegramm nach Ungarn. Eine nette Geste – und ein Würdigung seiner Verdienste. Doch ganz offen gestanden: Wer hätte an so etwas gedacht, als Anfang der 80er Jahre die ersten zarten Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg geknüpft wurden?

Heiko P. Wacker



Rückfragen bitte an
Prof. Dr. phil. Peter Meusburger
Direktor des Geographischen Instituts der Universität Heidelberg
Tel. 06221 544535, Fax 544996
peter.meusburger@urz.uni-heidelberg.de
http://www.geog.uni-heidelberg.de/wisogeo/

Rückfragen von Journalisten auch an:
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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