zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

16. August 2005

Von Kreuzzügen und Sultanen

Susanne Endewitz referierte im Heidelberger Ferienkurs über die Geschichte von "Islam und Europa"

Der Islam und Europa sind zwei Themen, die aktueller sind denn je. Reichlich asymmetrisch wirkt jedoch die Gegenüberstellung, handelt es sich bei dem einen um einen Kontinent, bei dem anderen um eine Weltreligion. Dass trotzdem beide ihre gemeinsame Geschichte haben, zeigte Prof. Susanne Endewitz vom Seminar Sprache und Kultur des Vorderen Orients in ihrem Vortrag "Der Islam und die Entstehung Europas" im Rahmen des Internationalen Ferienkurses der Universität Heidelberg auf. Leider konnte es nur bei einem kurzen geschichtlichen Abriss bleiben, doch bot der Vortrag einen interessanten Überblick über die Geschichte von Europäern und Arabern bzw. Türken.

Den Einfluss des Islams und der arabischen Welt auf Europa kennt man vor allem von der Iberischen Halbinsel. Bereits Anfang des 8. Jahrhunderts setzten Araber und Berber aus Marokko nach Gibraltar über und vertrieben das sich im Bürgerkrieg befindende Westgotenheer König Roderichs. Von Toledo aus wurde die Eroberung der Iberischen Halbinsel vorangetrieben. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts schickten sowohl die Franken als auch die Araber Stoßtrupps für Beutezüge über die Pyrenäen. Durch diese Überfälle geprägt, war bei den Europäern das Bild der zumeist dunkelhäutigen Araber nicht besonders positiv, und sie blieben ihnen fremd. Im Gegenzug kannten die Araber die christliche Religion und deren Gebräuche recht genau, bedingt durch Christen, die, ebenso wie die Juden, zwar mit einer Sondersteuer bedacht, aber frei unter den Arabern leben konnten.

Bis dato galten die Muslime noch nicht als Feinde im Glauben, war der Handel mit Moschus, Aloe, Kampfer, Waffen und Holz doch viel zu profitabel. Dies änderte erst eine Bulle von Papst Alexander II., welche die folgenden Kreuzzüge nach kanonischem Recht absicherte. Papst Urban II. rief 1095 zum Ersten Kreuzzug gegen die Ungläubigen auf, um die christlichen Stätten zu befreien. In Wirklichkeit sollten die Söldner dem Byzantinischen Reich gegen die einfallenden muslimischen Seldschuken helfen. Trotzdem endete dieser Kreuzzug mit der Eroberung Jerusalems, und die Handelsbeziehungen konnten weiter ausgebaut werden. Getrieben durch eschatologische Ängste strömten christliche Pilger bis zum 16. Jahrhundert, teils in eigenen Schifffahrtslinien, nach Jerusalem.

Die Türkei als Tor zur arabischen Welt

Immer wieder änderte sich in dieser Zeit das Bild der Muslime bei den Europäern. Je nachdem in welchem Gegensatzpaar sie verwendet wurden, galten sie mal als die mit Mut und Aufrichtigkeit Ausgestatteten, mal als Heiden, Teufel und Dämonen. Man entdeckte Arabisch als Kultursprache, die sich zu studieren lohnte, und begann die arabischen Zahlen zu übernehmen. Auch in der Literatur schlug sich das wandelbare Bild des Muslimen nieder. Sowohl bei Wolfram von Eschenbach als auch bei Lessing oder Dante trafen Ost und West friedlich aufeinander und lässt sich Hochachtung vor den arabischen Philosophen und Gelehrten herauslesen, beeinflusst vor allem durch das ritterliche Verhalten zwischen Heinrich Löwenherz und Sultan Saladin, 1187 Herrscher über Jerusalem.

Francesco Petrarca begründete im Laufe des 14. Jahrhunderts nicht nur den Humanismus, sondern auch eine Ära der Ablehnung alles Arabischen. Dies scheint kein Wunder zu sein, verband sich 1453 nach dem Fall des Byzantinischen Reiches doch der Kreuzzug mit Landesverteidigung. Mauren und Sarazenen waren schon bekannt, aber mit den Türken, die nun an den Rändern Europas standen, war man bisher kaum auf Tuchfühlung gekommen. Bald wurde es für die Humanisten zu einem Kampf zwischen christlicher Zivilisation und asiatischer Barbarei. Gerade darum aber sprach sich Erasmus von Rotterdam dafür aus, den Türken nicht mit Waffen, sondern mit den christlichen Tugenden zu begegnen. Seit der Erfindung des Buchdrucks trat eine Verwissenschaftlichung des Islams und der arabischen Kultur ein. Es entstand die Orientalistik, und im Orientalismus sah man dessen verklärte Verlockungen und das Gegenstück zu Europa.

Heutzutage kämpfen wir gegen einen Terrorismus, der seine Wurzeln im Islam – bzw. im Koran – liegen sieht. Um vorschnelle Vereinfachungen und Urteile zu verhindern und um das Verhältnis Europas zu seinen arabischen Nachbarn zu verbessern, sieht Susanne Endewitz im EU-Beitritt der Türkei eine große Chance. Die teilweise nur herbeigeredete Spaltung zwischen Christentum und Islam solle durch die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit überwunden werden. Außerdem sah die Referentin in einer Türkei innerhalb der EU ein Sprungbrett, das die Europäer z. B. zurück in die Friedensverhandlungen im Palästinakonflikt katapultieren könne. Die Türkei gewissermaßen als Tor zur arabischen Welt. Ob so zumindest diese islamisch-christliche Geschichte weitergeführt werden solle, wurde nach dem Vortrag im Publikum rege weiterdiskutiert.

Magdalena Tonner
Rhein-Neckar-Zeitung



Rückfragen bitte an
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg