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31. August 2005

"Der beste Schutz vor Alzheimer ist Neugier"

Heidelberger Experte Konrad Beyreuther rät: Mindestens 600 Gramm Obst und Gemüse pro Tag essen – Mäßiger Alkoholkonsum beugt vor

Wer Alzheimer-Fälle in der Familie hat, fürchtet sich meist davor, eines Tages selbst zu erkranken. In der Tat gehen Experten davon aus, dass die Veranlagung für die Krankheit vererbt werden kann: So haben Verwandte ersten Grades im Durchschnitt ein vierfach erhöhtes Erkrankungsrisiko, wie die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft erklärt. Bei der Entstehung der Krankheit spielen aber noch viele andere Faktoren eine Rolle. Manche davon kann man durch geistiges und körperliches Training sowie gesunde Ernährung beeinflussen, wie der Heidelberger Alzheimer-Forscher Konrad Beyreuther betont: "Wir sind nicht Sklaven unserer Gene."

Wichtigster Risikofaktor für die Krankheit ist nach Angaben der Gesellschaft ein fortgeschrittenes Alter. So beträgt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken für Menschen zwischen 75 und 84 Jahren elf Prozent, und für Menschen über 84 Jahren bereits 30 Prozent. Auch Schlaganfälle und Diabetes vergrößern Experten zufolge das Risiko. Daneben gebe es Gene, die die Krankheit begünstigten, aber alleine als Ursache nicht ausreichten. Eine seltene Ausnahme sind Krankheitsformen, die schon sehr früh, also bei 40- oder 50-Jährigen, ausbrechen: Sie werden durch Genmutationen verursacht, die ein Betroffener an die Hälfte seiner Kinder vererbt.

Wenn Alzheimer erst im Alter ausgebrochen ist, sollten sich die Verwandten wegen ihrer eigenen Zukunft nicht den Kopf zerbrechen. "Es heißt noch lange nicht, dass man auch erkrankt, wenn der Vater betroffen ist", beruhigt Beyreuther, Professor für Molekularbiologie an der Uni Heidelberg. Außerdem erkrankten Menschen, die geistig und körperlich fit blieben, gar nicht oder zumindest später an Alzheimer.

"Die für Alzheimer charakteristischen Veränderungen des Tau-Eiweißes von Nervenzellen werden auch bei Tieren gefunden, die im Winterschlaf die Aktivität von Nervenzellen um mehr als 90 Prozent reduzieren", berichtet der Experte. Dazu gehöre etwa das Erdhörnchen. Daher gilt Beyreuther zufolge die Devise: "Wer rastet, der rostet." Der beste Schutz vor der Krankheit sei Neugier. Denn dadurch werden neue Nervenzellkontakte geknüpft und der Verlust bestehender Synapsen, durch den sich die Krankheit anbahnt, ausgeglichen. Zu diesem Ergebnis kam eine US-Studie, die eine Gruppe von Nonnen sprachanalytisch untersuchte: Die Frauen, die im Alter von 22 Jahren bei ihren biografischen Aufsätzen am wenigsten einfallsreich gewesen waren, stellten im Alter 90 Prozent der Dementen.

Daher empfiehlt Beyreuther älteren Menschen, ihre grauen Zellen durch Lesen, Musizieren oder Lösen von Kreuzworträtseln zu trainieren. "Geistige Aktivitäten aller Art sind wichtig." Aber auch der körperlichen Fitness messen Experten eine große Bedeutung bei, weil dadurch die Durchblutung des Gehirns angeregt wird. Beyreuther zufolge hat sich etwa gezeigt, dass Frauen, die regelmäßig Nordic Walking betreiben, ihre geistige Leistungsfähigkeit länger erhalten. Daher rät Beyreuther älteren Menschen zu regelmäßiger Bewegung – nur Treppensteigen und Radfahren seien wegen der Sturzgefahr nicht zu empfehlen.

Daneben spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. "Vitamine sind zur Vorbeugung sehr wichtig", sagt der Forscher. So schützen die Vitamine C und E das alternde Gehirn offenbar vor zerstörerischen freien Radikalen. Beyreuther empfiehlt daher, mindestens 600 Gramm Obst und Gemüse pro Tag zu essen. "Je bunter das Obst und Gemüse, desto besser." Auch der regelmäßige Verzehr von Kaltwasser-Fisch beziehungsweise Fischöl senke wegen der darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren die Wahrscheinlichkeit zu erkranken. Die Fettsäuren wirken Beyreuther zufolge entzündungshemmend, halten die Nervenzellen kontaktfreudig und erleichtern damit Erinnerungs- und Lernprozesse. Ebenfalls große Mengen dieser Fettsäuren enthält Leinöl, daneben auch Raps-, Soja- und Nussöl. Außerdem gebe es Hinweise, dass Kurkuma, das in Curry enthalten ist, vor Alzheimer schütze. Mäßiger Alkoholkonsum dient Beyreuther zufolge ebenfalls zur Vorbeugung: Er rät zu 0,3 Liter Wein oder einem anderen Getränk, das dieser Alkoholmenge entspricht. Warum sich Alkohol günstig auswirke, sei noch unklar. Forscher haben überdies entdeckt, dass Menschen, die etwa wegen Rheuma lange Zeit entzündungshemmende Medikamente eingenommen haben, seltener an Alzheimer erkranken. Einen ähnlichen Effekt zeigten Cholesterinsenker: "Darauf setzen wir große Hoffnung", erklärt Beyreuther.

Angela Stoll



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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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