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4. Juli 2005

ZEITZEICHEN von Werner Koch nur noch bis zum 10. Juli zu sehen

Mit der Installation ZEITZEICHEN ist die Abguss-Sammlung der Universität Heidelberg zum ersten Mal Ort einer Ausstellung zeitgenössischer Kunst – Kollegiengebäude, Marstallhof 4 – Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag: 15.00 bis 17.00 Uhr – Mittwoch, 15.00 bis 19.00 Uhr und Sonntag von 11.00 bis 17.00 Uhr

Installation ZEITZEICHEN ist die Abguss-Sammlung der Universität Heidelberg

Die Initiative zu diesem Unternehmen ging vom Künstler selbst aus. Seine Idee, Abgüsse von griechischen Statuen und Reliefs als visuelle Bezugsebene für seine umrissartig gestalteten Figuren zu nehmen, fand in Heidelberg spontanes und uneingeschränktes Interesse. Das Konzept machte neugierig, versprach es doch etwas völlig Neues und nichts weniger als eine tatsächliche Begegnung von antiker Skulptur und moderner Form.

Nun ist in der jüngeren Vergangenheit die Auseinandersetzung mit antiker Kunst, sei sie an Originalen oder an Kopien wie den Gipsabgüssen orientiert, in den allermeisten Fällen darauf beschränkt, einzelne bekannte Themen oder bestimmte Werke aufzugreifen und neu zu gestalten. Werner Koch interpretiert nicht antike Vorgaben, er will mehr, wenn er mit seinen Figuren Menschen von der Straße und damit die Gegenwart in die Abguss-Sammlung holt. Er schafft "Kunst über Kunst", wie Michael Hesse im folgenden Beitrag treffend formuliert.

Installation ZEITZEICHEN ist die Abguss-Sammlung der Universität Heidelberg

Werner Koch folgt damit auch nicht wie manch anderer Künstler rein formalästhetischen Kriterien. Aus seiner Biographie und gelegentlichen mündlichen Äußerungen wird deutlich, dass seine Sicht der griechischen Skulptur aus der Kritik am traditionellen, nicht selten unreflektierten Umgang mit der Antike erwächst, ein Umgang, der aus der klassizistischen Überlieferung herrührt und der auf einer scheinbaren Vertrautheit mit antiken Formen beruht.

Werner Koch stellt mit seinem ästhetischen Konzept die Gültigkeit der tradierten Normen in Frage – und damit auch die Abgusssammlungen, die als Einrichtungen diese normativen Werte aus der Antike in ihrer physischen Erscheinung konservieren und präsentieren. Er setzt sie einer harten, kompromisslosen Konfrontation mit seinen eigenen Figuren aus, die völlig anderen Regeln folgen als die antiken Skulpturen: Sie sind plastische Körper und zugleich graphische Zeichen, stellen menschliche Gestalten dar, ohne deren Räumlichkeit anzunehmen.

Was die Konzeption von plastischen Werken und ihre Wahrnehmung angeht, könnte der Unterschied zwischen antiker und moderner Auffassung nicht größer sein: Hier das bis ins Einzelne durchkonstruierte, nach idealen Maßverhältnissen gestaltete und doch natürlich erscheinende Bildwerk, dort das rasch skizzierte und frei formulierte Ergebnis einer zufälligen Begegnung. Die Spannung zwischen den zeitlos wirkenden, weil seit Jahrtausenden bestehenden Schöpfungen antiker Bildhauer und den momenthaften Skizzen der Koch'schen Entwürfe macht die Zeit als eine der wesentlichen Ingredienzen erfahrbar, die sich im Werk des zeitgenössischen Künstlers manifestieren.

Die schwarzen Figuren Werner Kochs sind zunächst eigenständige Gestalten, im Kontext der Installation dann aber keineswegs autonom, denn sie benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten, die rundplastischen weißen Statuen als Projektionsfläche. Je nach Standort des Betrachters kommt es dabei zu sehr unterschiedlichen 'Begegnungen'. Wer eine heftige Konfrontation, ein aggressives Eindringen der anonymen schwarzen Gestalten erwartet hat, sieht sich auf überrascht einem sehr differenzierten, aber durchweg ästhetisch abgestimmten Bild gegenüber: An manchen Stellen zeigen die fremdartigen Umrisse durchaus die Fähigkeit, den Rhythmus der antiken Kompositionen aufzunehmen; bisweilen ahmen sie lediglich den Umriss einer Statuengruppe nach, greifen ein einzelnes Haltungsmotiv auf, konterkarieren in anderen Fällen mit ihren ungebundenen Bewegungsmustern die ruhige Ausgeglichenheit klassischer Skulpturen. Doch nirgends werden antike Vorgaben einfach negiert und völlig überspielt.

Angesichts der Thematik und der Breite der Reflexion im Umgang mit antiker Kunst bedurfte es keiner langen Überlegung, das Angebot Werner Kochs anzunehmen und seine Installation in Heidelberg zu zeigen. Die hierfür von ihm geschaffenen 40 Figuren und 12 Bilder beherrschen den Raum auf bislang nicht gekannte Weise. Ihrer Aufstellung, in der sie jetzt zu sehen sind, ging ein längerer Prozess voraus: Zunächst entstand ein auf die Heidelberger Situation zugeschnittener und in einem Raummodell angelegter Entwurf, der sich immer mehr konkretisierte, bis dann nach den ausgewählten Skizzen die entsprechenden Figuren gebaut und schließlich mit den vorgesehenen Abgüssen zu Ensembles verbunden wurden.

Zwischen der Installation vor Ort und dem ersten Besuch von Werner und Gisela Koch in Heidelberg liegen mehrere Jahre. Einer früheren Realisierung des Projekts stand entgegen, dass zum damaligen Zeitpunkt eine offene und flexible Aufstellung der Skulpturen, wie sie für eine zeitgemäße Nutzung der Abguss-Sammlung unerlässlich ist, noch nicht möglich war. Erst nach der Umgestaltung des Raums 2003 konnte die eigentliche Umsetzung des Konzepts beginnen.

Werner und Gisela Koch, er als Künstler und sie als Managerin und Kontaktperson, hielten beharrlich an dem einmal verabredeten Vorhaben fest, bis es endlich im April 2005 verwirklicht werden konnte. Dank der Ausdauer und der Gelassenheit, die den Künstler auszeichnet, sowie des unermüdlichen organisatorischen Engagements seiner Frau gestaltete sich die Zusammenarbeit trotz der langen Vorbereitungsphase bis hin zum Ende des Aufbaus als angenehme und überdies anregende Erfahrung.

Wir sind Werner Koch in zweierlei Hinsicht dankbar: zum einen dafür, dass er sich mit antiker Kunst auseinandersetzt, vor allem aber, dass er die Abguss-Sammlung als Schauplatz dieser Auseinandersetzung wählt, eine Einrichtung, die heute viel zu wenig als Ort der Vermittlung wahrgenommen wird. Zum anderen dafür, dass er der Heidelberger Abguss-Sammlung die Möglichkeit gibt, in den aktuellen Dialog zwischen antiker und gegenwärtiger Kunst einzutreten. Wir hoffen, dass mit ZEITZEICHEN von Werner Koch auch für die Abguss-Sammlung der Universität Heidelberg ein Zeichen gesetzt wird, das künftigen Unternehmungen dieser Art den Weg bereitet. Ein guter Anfang ist jedenfalls gemacht.



Weitere Informationen:
Dr. Hermann Pflug
Seminar für Klassische Archäologie
Tel. 06221 542515
antikenmuseum@urz.uni-heidelberg.de

Allgemeine Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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