zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

1. Juli 2005

Wo der Tintenfraß zuschlägt...

...entstehen weiße Flecken – Redakteure der Kinder-Uni untersuchten kostbare alte Handschriften

Viel zu lernen und zu staunen gab es für die Redakteure der Kinder-Uni in der Handschriften-Abteilung der Universitäts-Bibliothek.
Viel zu lernen und zu staunen gab es für die Redakteure der Kinder-Uni in der Handschriften-Abteilung der Universitäts-Bibliothek. Dr. Armin Schlechter (links) erklärte fachkundig, wie in der Vergangenheit Bücher entstanden sind.
Foto : Dagmar Welker

Was ist eigentlich Tintenfraß? Wie schrieb man im Mittelalter? Und was ist das älteste deutsche Buch? Alles Fragen, welche die Jungredakteure der Kinder-Uni im Netz (www.kinder-hd-uni.de) schon immer einmal beantwortet haben wollten. Da bot es sich natürlich an, mit Dr. Armin Schlechter, dem Leiter der Handschriftenabteilung der Heidelberger Universitätsbibliothek, einen richtigen Fachmann zu interviewen.

Alte Bücher gab es natürlich auch zu sehen und manche durften sogar angefasst werden. Natürlich nicht die ganz kostbaren, wie etwa der Codex Manesse. Die gab es dafür als Faksimile, also exakte Nachdrucke dieser alten Handschrift, und darin konnten die kleinen Redakteure auch kräftig blättern. "Warum sind weiße Seiten mittendrin?" wunderte sich Tania. Die Erklärung ist ganz einfach, denn als der Codex Manesse entstand, ließ man einfach etwas Platz für weitere Lieder.

Weiße Stellen im Text gibt es in einer anderen alten Handschrift zu entdecken, allerdings ist auch den Jung-Redakteuren sofort klar, dass die nicht von den Verfassern beabsichtigt waren. "Hier hat der Tintenfraß zugeschlagen", erläuterte der Spezialist für Handschriften Schlechter. Tintenfraß bedeutet nichts anderes, als dass die in der Tinte enthaltene Säure das Papier zerfrisst. Deshalb muss man die alten Bücher auch in speziell klimatisierten Räumen aufbewahren, denn bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit breitet sich der Tintenfraß schnell aus. Ob Tintenfraß entsteht, liegt aber auch daran, welche Tinte und welches Papier verwendet wurde. "Johann Sebastian Bach verwendete nur billigste Tinte und Papier für seine Notenblätter und deshalb zerfallen die auch schon", gab Armin Schlechter ein Beispiel.

Aufwändige Herstellung

Logo KinderUni

Haltbarer als Papier ist natürlich das aus Tierhäuten hergestellte Pergament. Anders als bei der Lederherstellung wird die Haut dafür nicht gegerbt, also mit Säuren behandelt, sondern in einer Kalklauge eingelegt. Das Produkt erinnert entfernt an Plastik, ist aber wesentlich spröder und bricht deshalb an den Rändern auch leicht. "Saugt es die Tinte nicht ein?" fragten sich die Jungredakteure. Eine durchaus berechtigte Frage, doch auch darauf wusste der Handschriftenfachmann die Antwort. "Das Pergament wird mit Kreide überzogen, und dann verläuft die Tinte nicht mehr".

Auch das älteste deutsche Buch gibt es zu sehen. "Etwa um 870 wurde es hergestellt", wusste Armin Schlechter zu berichten. Es handelt sich um eine deutsche Übersetzung der Evangelien, allerdings in Althochdeutsch, das zwischen 750 und 1050 gesprochen wurde. Da das Althochdeutsch aber nicht mit unserer heutigen Sprache vergleichbar ist, muss man es extra während des Studiums erlernen.

Aufwändig war die Buchherstellung vor mehr als 1000 Jahren auf jeden Fall, denn den Buchdruck erfand Johannes Gutenberg erst um 1445. Deshalb waren damals viel Leute an der Herstellung eines Buches beteiligt. Da gab es den Schreiber, der die Texte in klarer Handschrift niederschrieb. Der Rubrikator sorgte dann für die Textgliederung, indem er mit roter Farbe Zeichen für Paragraphen und Absätze einfügte.

Und schließlich der Buchmaler, der für Verzierungen aller Art zuständig war, unter anderem auch für die künstlerisch gestalteten Initialen zu Beginn eines Kapitels. Welcher Buchstabe da stehen sollte, wurde von dem Schreiber vorgegeben. Manchmal konnte der Buchmaler diesen Buchstaben aber nicht richtig lesen und so gibt es auch den Fall, dass ein falscher Buchstabe am Beginn eines Abschnittes auftaucht.

Stefan Zeeh



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg