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7. Juli 2005

Streitschriften gegen die Juden – Neue Perspektiven auf das Judenbild des Mittelalters

Manuela Niesner vom Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg erhält Akademiepreis 2005 – "Die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern ist ein zentrales Anliegen"

Am Samstag, dem 16. Juli, zeichnet die Heidelberger Akademie der Wissenschaften Dr. Manuela Niesner mit dem Akademiepreis 2005 aus. Sie erhält den diesjährigen Akademiepreis für ihre Habilitationsschrift "Wer mit juden well disputiren. Deutschsprachige Adversus-Judaeos-Literatur des 14. Jahrhunderts." Niesner ist Hochschuldozentin für Ältere deutsche Philologie am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg, die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Fritz Peter Knapp, Ordinarius am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg. Die gegen Juden gerichteten Streitschriften, die sogenannten "Adversus-Judaeos-Texte", blicken in der christlichen Literatur auf eine lange Tradition zurück. Bereits in der Antike verfasste Tertullian einen Traktat, der sich gegen die Uneinsichtigkeit der Juden richtete, Jesus als den Messias anzuerkennen. "Doch was kaum bekannt ist, auch im deutschen Sprachraum entsteht seit dem 14. Jahrhundert ein argumentatives Schrifttum gegen die Juden", so Niesner. "Während die Judenthematik in anderen Textsorten und Epochen mittlerweile durchaus gut erforscht ist, gab es hinsichtlich des Mittelalters noch einige weiße Flecken, was die Frage nach Art und Umfang der religiösen Auseinandersetzung zwischen Juden und Christen angeht."

Manuela Niesner zeigt in ihrer Habilitationsschrift neue Perspektiven des jüdisch-christlichen Miteinanders im Mittelalter auf.
Manuela Niesner zeigt in ihrer Habilitationsschrift neue Perspektiven des jüdisch-christlichen Miteinanders im Mittelalter auf. Durch eine intensive literarische Rezeption des jüdischen Glaubens fanden seine religiöse Vorstellungen auch im theologischen Diskurs christlicher Denker Niederschlag.
Foto : privat

Obwohl gerade im Mittelalter eine vielerorts dramatisch eskalierende Judenfeindlichkeit in Europa um sich griff, zeigen die von Niesner erstmals edierten und interpretierten Texte einen erstaunlich moderaten Tonfall. Nur in Ausnahmefällen weisen sie eine aggressive Polemik auf. "Ihr Zweck bestand überwiegend nicht in einer antijüdischen Agitation", resümiert Niesner. "Sondern es geht in ihnen vor allem um die argumentative Verteidigung des christlichen Glaubens gegenüber dem Judentum." Unter dieser Perspektive zeige sich, wie wichtig die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Judentum für die in Nachbarschaft der Juden lebenden christlichen Laien gewesen sei. Ging die germanistische Forschung bisher davon aus, dass durch die Diskriminierung der jüdischen Minderheit kaum Einflüsse auf das religiöse Denken der christlichen Mehrheit bestanden, gelangt Niesner in ihrer Untersuchung zu anderen Schlussfolgerungen. Während Niesner im ersten Teil ihrer Arbeit vor allem Texte und Quellen mittelalterlicher Adversus-Judaeos-Literatur interpretiert, publiziert sie im zweiten Teil bislang unedierte Judentraktate eines anonymem österreichischen Bibelübersetzers aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Landesakademie Baden-Württembergs, ist eine der herausragenden Forschungseinrichtungen im deutschen Südwesten. Neben dem interdisziplinären Dialog ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein zentrales Anliegen.
Foto : Oestergaard/Akademie

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften verleiht den Akademiepreis jährlich. Mit ihm wird die wissenschaftlich herausragende Leistung eines Nachwuchsforschers oder einer Nachwuchsforscherin aus Baden-Württemberg ausgezeichnet. Der mit 6.000 Euro dotierte Preis wurde 1984 vom Verein zur Förderung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gestiftet. "Es ist uns wichtig, junge Forscher zu ermutigen", so Professor Dr. Peter Graf Kielmansegg, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. "Der Preis soll öffentlich deutlich machen, dass uns als Landesakademie die Förderung von jungen Nachwuchswissenschaftlern ein zentrales Anliegen ist."



Rückfragen bitte an
Dr. Johannes Schnurr
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Telefon: 06221/54 34 00
Fax: 06221/54 33 55
johannes.schnurr@urz.uni-heidelberg.de

oder
Priv.-Doz. Dr. Manuela Niesner
Telefon: 06221/54 33 64
manuela.niesner@gs.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


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