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1. Juli 2005

"Die lügen einem die Hucke voll"

Professor Jürgen Falter beim Studium Generale: Wie zuverlässig sind Wahlumfragen?

Der Politikwissenschaftler Professor Jürgen Falter
Der Politikwissenschaftler Professor Jürgen Falter steht der Zuverlässigkeit von Wahlumfragen skeptisch gegenüber.
Foto : Alex

Politiker verschlingen Wahlprognosen wie Groschenromane. Die Ergebnisse der Meinungsforschungsinstitute werden dabei je nach politischer Couleur ausgelegt. Können Prognosen überhaupt den "existierenden" Willen des Wahlvolks abbilden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Vortrags des Politikwissenschaftlers Professor Jürgen Falter beim Studium Generale.

Sein generelles Fazit: "Wählerwille und Wahlergebnis stimmen nicht immer überein". Ein Problem, das mit dem deutschen repräsentativen Wahlsystem zusammenhängt. Allerdings sind Umfragen allgemein in ihrer Aussagekraft nicht eindeutig. Das liegt Falter zufolge schon in den Umfragemethoden begründet. Aus Kostengründen ist es keinem Meinungsforschungsinstitut möglich jeden Wähler zu befragen. Daher werden 1000 bis 2000 repräsentativ ausgewählte Wähler befragt, deren Antworten allgemein gültige Aussagen ergeben sollen.

Von der Auswahl der Befragten abgesehen, ist die Aussagekraft der Umfragen schwierig zu bewerten. Bei der Befragung gibt es Antwortverweigerer, die sich nicht über ihre politische Meinung äußern wollen, und so das Gesamtbild verzerren. Oft trifft man die zu Befragenden auch gar nicht an, was dazu führt, dass oft nur die Hälfte der Ausgewählten antwortet. Gerade Aussagen von Wählern nicht-etablierter und extremer Parteien wie PDS oder NPD sind schwierig. Die "lügen einem oft die Hucke voll", weiß Falter. Aus Scham ihre politische Neigung preiszugeben.

Andere wiederum geben an, wählen zu gehen und bleiben am Wahltag zu Hause. Aus diesen Gründen können Umfragen nur grobe Stimmungen wiedergeben. Im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl kann man Falter zufolge nur sagen, dass momentan 41 bis 47 Prozent der Wahlberechtigten die CDU/CSU, 24 bis 30 Prozent SPD wählen würden – bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent.

Hauptinteressenten von Wahlumfragen sind Medien und Politiker. Der Grund: Entertainment und Werbung in eigener Sache. Wenn Politiker aus sich ändernden Umfrageergebnisse Stimmungsänderungen ablesen und für diese Gründe suchen, ist dies Falter zufolge zumeist "Kaffeesatzleserei". Anders sieht es bei der 18-Uhr-Prognose am Wahlabend aus. Hier werden Wähler nach der Stimmabgabe befragt. Diese Ergebnisse sind mittlerweile so präzise, dass das Wahlergebnis fast immer mit der Prognose übereinstimmt. Es sei denn das Wahlergebnis ist so knapp wie bei der letzten Bundestagswahl, bei der wenige tausend Stimmen über die rot-grüne Mehrheit entschieden haben.

Reines Infotainment sei auch die ganze TV-Dramaturgie am Wahlabends. Prognose oder Hochrechnungen ändern ja nichts am Ergebnis. Bundeskanzler Adenauer ging seinerzeit früh am Wahlabend schlafen und erfuhr das Ergebnis erst am nächsten Tag – das reichte ihm. In der heutigen Mediendemokratie wäre das für einen Politiker undenkbar.

Reinhard Lask



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