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27. Juli 2005

Athenaeum-Stiftung ermöglicht der Ägyptologie eine Forschungsstätte für Kulturwissenschaft

Athenaeum-Stiftung für Kultur und Wissenschaft unterstützt das Seminar für Ägyptologie der Universität Heidelberg – Würdigung der Verdienste des langjährigen Direktors Jan Assmann – In der spätägyptischen Literatur und Philosophie sind noch viele bedeutende Entdeckungen zu machen

Das Seminar für Ägyptologie der Universität Heidelberg zählt heute zu den führenden Einrichtungen auf diesem Fachgebiet. Zudem gehört es zu den vier ägyptologischen Instituten, deren Tradition bis weit vor den Ersten Weltkrieg zurückreicht. Bereits 1910 legte Hermann Ranke die Sammlung des Seminars für Ägyptologie der Universität Heidelberg als Lehrsammlung an, die bis heute einen weiten Rahmen des Lebens der Ägypter und ihrer religiöser Vorstellungen widerspiegelt. Objekte des täglichen Lebens vom Paläolithikum bis in die koptische Zeit, Grabinventar, Reliefs aus allen Epochen, Privatplastiken, Götterbildnisse, Särge aus verschiedenen Zeiten, Mumienporträts und vieles mehr findet sich in der Neckarstadt. Gleichwohl begannen die Vorarbeiten von Hermann Ranke bereits im 19. Jahrhundert, so dass man zu Recht von einer weit über 100 Jahre in die Vergangenheit reichenden Forschungsgeschichte sprechen kann.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Heidelberger Ägyptologie vor allem von zwei Namen geprägt: von Eberhardt Otto, der das Institut von 1953 bis 1976 leitete, und von seinem Schüler und Nachfolger Jan Assmann, der die Schwerpunkte seines Mentors nicht nur beibehielt, sondern auch noch weiter ausbaute. So sind es vor allem die Forschungsgebiete der Literatur, der Geschichte und nicht zuletzt der Religion, auf denen Heidelberg seit 50 Jahren als absolute Hochburg gilt.

"Die Bedeutung der Ägyptologie an der Ruperto Carola ergibt sich aber auch aus der günstigen Fächerkombination, die einen immensen Vorteil darstellt", erklärt Jan Assmann. "Denn unsere ‚natürlichen' Nachbarfächer, wie man sagen könnte – also die Ur- und Frühgeschichte, die Alte Geschichte, die klassische Philologie, die Assyriologie und die Archäologie – finden sich alle in direkter räumlicher Nähe. Ein enormer Vorteil – zumal die Zusammenarbeit hervorragend läuft", erklärt der Emeritus, der sein Amt als Direktor erst vor zwei Jahren abgab. Momentan ist Joseph Maran kommissarischer Direktor, während Joachim Friedrich Quack den Ruf auf den ägyptologischen Lehrstuhl angenommen hat.

An der spezifisch kulturwissenschaftlichen Ausrichtung des Seminars wird sich jedoch auch künftig nichts ändern – dank der Athenaeum-Stiftung für Kultur und Wissenschaft. Sie nämlich ermöglichte die Einrichtung der Ägyptologischen Forschungsstätte für Kulturwissenschaft (ÄFKW) und würdigt so die Verdienste von Jan Assmann, dessen Arbeit weitergeführt und ausgebaut werden soll. "Das Seminar für Ägyptologie der Universität hat in den vergangenen Jahrzehnten die ägyptologische Forschung und Lehre um kulturwissenschaftliche Fragestellungen erweitert und damit bundesweit eine herausragende Stellung erlangt", würdigt die Präambel der Vereinbarung die Arbeit des Seminars und seines langjährigen Leiters.

"Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch Professor Assmann begründet und vorangetrieben. Mit der Emeritierung von Professor Assmann bestünde die Gefahr, dass diese Forschungstradition zum Erliegen käme." Zum Glück konnte diese Gefahr nun gebannt werden, haben sich doch die Athenaeum-Stiftung sowie die Ruperto Carola das Ziel gesetzt, "die ägyptologische Forschung mit spezifisch kulturwissenschaftlicher Ausrichtung langfristig in der Universität zu verankern und fortzuführen", wie es der Vertragstext erklärt. Damit spricht sich die Hochschule eindeutig für den dauerhaften Fortbestand des Seminars aus. "Beide Parteien gehen dabei davon aus, dass das Fach Ägyptologie ein Kernelement altertumswissenschaftlicher Forschung und Lehre an der Universität ist und daher langfristig bestehen wird."

"Sie können sich vorstellen, wie froh ich bin, dass diese Forschungsschwerpunkte auch über meine Emeritierung hinaus weiter geführt werden", freut sich Jan Assmann über die einmalige Chance einer solchen Förderung durch die Stiftung. "Ich erinnere mich noch", erklärt der renommierte Wissenschaftler mit verschmitztem Lächeln, "dass es eine ganze Weile dauerte, bis ich verstand, um was es der Stiftung eigentlich ging! Immerhin ist solch ein Engagement ja mehr als nur außergewöhnlich. Kein Wunder also, dass ich am Anfang nicht recht glauben wollte, was mir Dietrich Goetze – der Stiftungsvorstand – da vorschlug, als er sich vor einem Jahr bei mir meldete."

Natürlich bedurfte die Unterstützung zunächst einer entsprechenden juristisch gesicherten Form, deren Vorbereitung geraume Zeit in Anspruch nahm. Doch Anfang Juli konnte die Vereinbarung schließlich unterzeichnet werden, so dass die Forschung an den Heidelberger Schwerpunktthemen im Fach Ägyptologie nun in der dritten Forschergeneration fortgeführt werden kann.

Gleichwohl wird es kein stures Festhalten an bisher bearbeiteten Forschungsfeldern geben. Vielmehr erlaubt es die Unterstützung der Athenaeum-Stiftung, den Rahmen noch weiter auszudehnen. "Ich begrüße es ausdrücklich, dass es die neue Forschungsstätte möglich macht, nun auch in etwas andere Richtungen zu blicken – und denke hierbei vor allem an meinen Nachfolger, Prof. Dr. Joachim Quack, der als ausgewiesener Spezialist für spätägyptische Religion und Literatur einen Bereich pflegt, für den ich eine große Zukunft voraussehe. Da gibt es noch so viel zu entdecken – und diese Entdeckungen werden unter anderem in Heidelberg gemacht werden, was mich natürlich ungemein freut", versichert Jan Assmann.

"Ich denke aber auch an Dr. Hubert Roeder, den Leiter der neuen Forschungsstätte, der mit seinem Interesse für Rituale und Herrschaftssymbolik neue Akzente innerhalb des Schwerpunkts Religion setzen wird." Die auch international herausragende Rolle der Heidelberger Ägyptologie dürfte somit für die kommenden Jahre – und über den 100. Geburtstag des Seminars im Jahr 2010 hinaus – gesichert sein. Die Tradition setzt sich also fort – ein tröstliches Gefühl der Kontinuität.

Heiko P. Wacker



Rückfragen bitte an
Seminar für Ägyptologie
Marstallhof 4
69117 Heidelberg
Tel. 06221 542533, Fax 542551
aegypt-inst@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse




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