zum Seiteninhalt
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Siegel der Universitaet Startseite der Universität Kontakt: Anschriften und Ansprechpartner Suche: Volltext; Personen; E-Mail; Forschungsdatenbank Sitemap: Seitenüberblick English

Startseite > Presse > Pressemitteilungen im Überblick >

24. Juni 2005

"Dunkle Energie" bestimmt die Zukunft des Universums

Der Astro-Physiker Professor Christof Wetterich erhält am Mittwoch in Berlin den Max-Planck-Forschungspreis – Erfinder des Quintessenz-Modells

Professor Christof Wetterich gilt als einer der kreativsten Vordenker der Teilchen-Physik; am Mittwoch erhielt der Heidelberger Wissenschaftler in Berlin den Max-Planck-Forschungspreis.
Professor Christof Wetterich gilt als einer der kreativsten Vordenker der Teilchen-Physik; am Mittwoch erhielt der Heidelberger Wissenschaftler in Berlin den Max-Planck-Forschungspreis.
Foto : Eduard Thommes

Ob Baryonen, Leptonen, allgemeine oder spezielle Relativitätstheorie, was vielen Menschen wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheint, ist für Christof Wetterich Bestandteil eines normalen Arbeitstages. Kein Wunder, schließlich ist er Professor für Theoretische Physik an der Universität Heidelberg. Als solcher entwickelt er theoretische Methoden, um beispielsweise astronomische Beobachtungen, die den bisher bekannten physikalischen Gesetzen anscheinend widersprechen, zu erklären.

"Gereizt hat mich an der Physik, die Herausforderung grundlegender Zusammenhänge zu erkennen und alleine durch die Anstrengung des Gehirns zu erfassen, wie die Welt aufgebaut ist", erzählt Christof Wetterich über seine Berufswahl. Und diese Berufswahl war durchaus erfolgreich. Schließlich brachte sie ihm den diesjährigen Max-Planck-Forschungspreis ein, der dem 53-Jährigen am 29. Juni in Berlin von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn überreicht wird. Der Max-Planck-Forschungspreis wird von der gleichnamigen Gesellschaft zusammen mit der Alexander von Humboldt-Stiftung vergeben; er ist mit 750000 Euro dotiert.

Wetterich gilt als einer der kreativsten Vordenker der Astro-Teilchen-Physik, und die Verleihung dieses Preises hat durchaus etwas damit zu tun, dass Christof Wetterich oft auf Gebieten arbeitet, die nicht unbedingt im Trend liegen. Wird aber Jahre später eine Aufsehen erregende Entdeckung auf einem dieser Gebiete gemacht, dann ist die Theorie dazu schon vorhanden. So auch geschehen mit der sogenannten "Dunklen Energie".

Dunkle Energie, schon der Begriff birgt etwas Mysteriöses; tatsächlich richtig greifbar geworden ist die Dunkle Energie bis heute nicht. 1998 schlossen einige Astronomen aus der Beobachtung weit entfernter Supernova-Explosionen, dass sich die Expansion des Weltalls immer weiter beschleunigt. Dies widersprach der bis dahin gültigen Vorstellung, dass sich nach dem Urknall die Expansion des Universums allmählich verlangsamen würde.

Für die zunehmende Ausdehnung des Weltalls musste aber irgendetwas verantwortlich sein, und dies wurde als Dunkle Energie bezeichnet. Eine Energie, wie die Wissenschaftler auch gleich erkannten, die etwa 70 Prozent der Energiemenge im Universum ausmacht, also wahrlich kein zu vernachlässigender Faktor. Was steckt nun aber hinter dieser Dunklen Energie? In seiner Allgemeinen Relativitätstheorie führte Albert Einstein einen Zahlenfaktor ein, den er als "Kosmologische Konstante" bezeichnete. Obwohl Einstein sie später als "die größte Eselei meines Lebens bezeichnete", geistert sie immer noch durch die Köpfe theoretischer Physiker. Sollte diese Kosmologische Konstante etwa der Dunklen Energie entsprechen? Die einfachsten Abschätzungen ergeben jedoch, dass die Kosmologische Konstante um einen riesigen Faktor von 10120 über der beobachteten Energiemenge läge.

Die Alternative beruht auf einem Modell, das Christof Wetterich bereits 1987, also lange vor der Entdeckung der Dunklen Energie, vorschlug. Dabei führte er ein Feld ein, das so genannte Kosmon, dessen Energie sich im Laufe der Entwicklung des Universums verringert. Diese Energie ist völlig gleichmäßig im gesamten Raum verteilt. Das Kosmon-Feld, später auch als Quintessenz bezeichnet, kann man sich ähnlich wie ein elektrisches Feld vorstellen. Im Gegensatz zu diesem zeigt das Feld aber nicht in eine Richtung.

Was sind nun die Konsequenzen aus den verschiedenen Modellen? Sollte die dunkle Energie zeitlich konstant sein, dann würde das Universum sich immer weiter ausdehnen. Ist die Dunkle Energie aber dynamisch, wie im Quintessenz-Modell, dann ist die Entwicklung des Universums ungewiss. Sie hängt von noch nicht bekannten Details ab. So könnte das Universum sich weiter ausdehnen oder nach sehr langer Zeit auch wieder zusammenfallen. "Auf jeden Fall bestimmt die Dunkle Energie die Zukunft unseres Universums", betont Christof Wetterich.

Stefan Zeeh



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse

Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.de


Universität | Fakultäten | Einrichtungen | Studium | Forschung und Kooperation
Stellenmarkt | Termine | Intern | Presse | Alumni/Fördervereine | Projekt IMPULSE
Ruperto Online | Kontakt | Suche | Überblick | English


Page maintained by
Pressestelle der Universität Heidelberg,
presse@rektorat.uni-heidelberg.de.
Copyright © Pressestelle der Universität Heidelberg