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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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21. Juni 2005

Der Start der Ruperto Carola ist fixiert

Zu der Dokumentation "Eine neue Gründungsurkunde für die Universität Heidelberg"

"Ruprecht der Ältere, von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein, des Heiligen Reichs Kurfürst und Herzog in Bayern." So beginnt der originale Text der Gründungsurkunde der Ruperto Carola, die auf den 1. Oktober 1386 datiert ist. Nur leider hat das pergamentene Unikat die Jahrhunderte nicht unversehrt überstanden. Der Text ist nahezu vollständig verblichen, die ursprünglichen vier Siegel sind stark beschädigt oder gänzlich verloren. "Die Schrift ist ausgebleicht, weil ihr das Erscheinungsbild bei verschiedenen Ausstellungen nach und nach mit allzu viel Tageslicht genommen wurde, und die Siegel fielen in langen Jahrhunderten einem immer wieder unvorsichtigen Umgang zum Opfer.

Die Situation des Papstschismas

Nach Austrocknung zerbricht ein Siegel leicht, entweder unter Druck oder Stößen oder gar beim Herunterfallen der Urkunde. Wärmeeinwirkung kann ein Siegel bis zur Unkenntlichkeit verformen, und für gänzlichen Verlust war in der Vergangenheit nicht selten auch die Begehrlichkeit eines Betrachters verantwortlich", schreibt Werner Moritz in seinem Beitrag zu einer Veröffentlichung, die sich dem Umstand verdankt, dass die Universität im vergangenen Jahr eine Replik des Originals hat anfertigen lassen. So zeigt sich die Urkunde wieder auf eine Weise, wie sie einmal ausgesehen hat.

Das Begleitheft zu diesem Projekt erläutert mit mehreren Beiträgen den Kontext des Vorhabens. Mit dem geschichtlichen Umfeld der 1380er Jahre befasste sich Jürgen Miethke vom Historischen Seminar, der auf die spezielle Situation des Papstschismas aufmerksam macht, das zu einer großen Zahl plötzlich "frei" werdender universitätserfahrener Experten führte. Bereits im Mai 1379 versuchte der französische König Karl V., die Universität von Paris zur Anerkennung des avignonesischen Papstes Clemens VII. – der dem römischen Papst Urban VI. gegenüberstand – zu zwingen. "Jedenfalls wurde es immer schwieriger, als ‚Urbanist' in Paris Unterricht zu nehmen oder zu halten und zugleich den Lebensunterhalt nicht zu verlieren, der aus den heimatlichen Pfründen floss. Eine große Zahl deutscher ‚Urbanisten' traf eine verständliche Wahl, sie verließen Paris oder – wenn sie ohnedies auf Reisen waren, als das Schisma ausbrach – kehrten nicht wieder nach Paris zurück."

Solche Aspekte ermöglichen ein besseres Verständnis für die Entstehung der Gründungsurkunde, deren neubearbeitete Textedition mit deutscher Übersetzung Reinhard Düchting vom Seminar für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit besorgte. Von ihm stammen denn auch die einführenden Zeilen dieses Artikels, die sich auf Ruprecht I., Pfalzgraf bei Rhein, beziehen, der von 1353 bis zu seinem Tod im Jahr 1390 Kurfürst war. Eine notwendige diplomatische Untersuchung übernahm Joachim Dahnlaus vom Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde. Er weist auf den bedauerlichen Umstand hin, dass von ursprünglich neun besonders gehüteten Stiftungsurkunden sieben seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen sind. Glücklicherweise jedoch wurden die Inhalte beizeiten gesichert.

Für die Rekonstruktion – oder vielmehr die Neuanfertigung der Gründungsurkunde – war die Restauratorin Andrea Popprova verantwortlich, die in ihrem Werkstattbericht einen ausführlichen Einblick gewährt in die technischen Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens, das mit der Wahl des richtigen Pergaments beginnt und bei der Mischung der original verwendeten Tannintinte noch längst nicht endet. Natürlich zog sich der Prozess der Gründung der Universität Heidelberg über viele Monate hin und schlug sich auch aus rechtlichen Gründen in mehreren Urkunden nieder. Indes gelten die Dokumente von Urban VI. aus dem Jahre 1385 und Pfalzgraf Ruprecht I. vom 1. Oktober 1386 als die beiden wichtigsten, wobei man die "Gründungsurkunde" tatsächlich als solche sehen kann.

Ein Double für die Öffentlichkeit

Damit ist Heidelberg übrigens in einer sehr vorteilhaften Situation: Wenn es um ein Jubiläum geht, kann man das Entstehen der Universität doch wenigstens einigermaßen "festmachen", während andere Hochschulen wie Montpellier, Oxford oder Bologna keinen fixen Startpunkt hatten, sondern aus Gewohnheitsrecht heraus entstanden. "Ex consuetudine", wie spätmittelalterliche Juristen es nannten. Das Original der Gründungsurkunde freilich wird künftig entsprechend eingelagert sein, darf doch jetzt ein Double den Auftritt in der Öffentlichkeit wagen. Zwar sollte man dabei bedenken, dass die Neuanfertigung nicht den "Ist-Zustand" des Originals zeigt, sondern das ursprüngliche Aussehen der Urkunde im 14. Jahrhundert. Doch bietet dies die Möglichkeit, auch visuell in die Historie einzutauchen, "als Ruprecht der Ältere ‚seine' Hochschule ins Leben rief – an jenem "Tag des Bekenners Remigius im Jahre des Herrn 1386".

Heiko P. Wacker

Werner Moritz (Hrsg.): "Eine neue Gründungsurkunde für die Universität Heidelberg". Archiv und Museum der Universität Heidelberg – Schriften 8. Verlag Regionalkultur 2005. 58 S., geheftet, 25 Abb.; Farbdruck der "neuen" Gründungsurkunde im Format ca. 35 x 50 cm als Beilage. ISBN 3-89735-296-6; 9,90 Euro.



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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Irene Thewalt
Tel. 06221 542311, Fax 542317
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