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10. Juni 2005

Zum ersten, zum zweiten... im alten Rom

Marta Garcia Morcillo sprach am Seminar für Alte Geschichte über Auktionen in der römischen Welt

Der Finanzminister ergötzte sich an der Versteigerung der UMTS-Lizenzen, Wirtschaftswissenschaftler brüten derzeit intensiv über Auktionstheorien, und Millionen Deutsche klicken sich täglich im Internet zum kleinen Glück. Ein beinahe wahnwitziger Rausch am Verscherbeln und Erwerben von Gewöhnlichem und Bizarren hat die Menschen via eBay und Co. ergriffen. Es wird versteigert und ersteigert, was das Zeug hält.

Auch Schönheit...

Längst hat die Auktion die steife Noblesse von Auktionshäusern wie Sotheby's oder den Mitleidsruch von Zwangsversteigerungen der letzten Habe nun armer Schlucker abgestreift. Aber ist das große gesellschaftliche Interesse an dieser speziellen Verkaufsform wirklich eine einmalige und neue Erscheinung? Das ist es nicht. Die Geschichte der Auktion geht zurück bis in die Zeit um 500 v. Chr., als in Babylon auf dem jährlichen Heiratsmarkt Frauen an die Meistbietenden verkauft wurden: Schönheit hatte ihren aushandelbaren Preis.

Im antiken Rom erreichten solcherlei Aktionen eine weitere Dimension, wie die Historikerin Marta Garcia Morcillo in ihrem Vortrag "Auktionen und Macht in der römischen Welt" am Seminar für Alte Geschichte zu berichten wusste: Parallel zur beabsichtigten schnellen Finanzspritze für staatliche oder private Kassen spielte hier die bewusste politische und ideologische Instrumentalisierung eine entscheidende Rolle.

So diente damals etwa die öffentliche Versteigerung von Kriegsbeute und Gefangenen der fortgesetzten Erniedrigung der Besiegten sowie der eigenen, enthemmten Machtdemonstration und Glorifizierung. Grundsätzlich bot sich das Ritual der Versteigerung als ein effektives und gerne genutztes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele an, insbesondere in den eigenen Reihen.

Die berüchtigten Proskriptionen schlossen oft die Versteigerung des gesamten persönlichen Vermögens eines für "vogelfrei" erklärten politischen Gegners mit ein. Für einen in seiner Intimsphäre gänzlich entblößten Römer bedeutete dies die schlimmstmögliche Entehrung, Degradierung und eine "öffentliche Theatralisierung seiner Schande", wie die Referentin anschaulich in ihrem Vortrag schilderte.

...hatte ihren Preis

Man kann schon froh sein, dass heutzutage so harmlose Dinge wie der "Papst-Golf" oder das Lieblingskleid von Marilyn Monroe das Spiel von Gebot und Zuschlag anheizen. Ersteigerte Objekte dieser Art befriedigen die Gier nach Publicity, die Zurschaustellung von Reichtum und den Wunsch nach (stiller) Verehrung eines Idols. Von politischer Machtsymbolik, Unterwerfungsstrategien und Selbstdarstellung im römischen Stil ist hingegen wenig zu spüren. Oder bewegen wir uns bald doch wieder in eine ähnliche Richtung?

Susanne Rotzinger



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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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Irene Thewalt
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