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27. Mai 2005

Die Menschen sehnen sich nach Ritualen

Bundesweit einzigartig: Heidelberger Sonderforschungsbereich "Ritualdynamik"

"Es gibt ein universales menschliches Bedürfnis nach Ritualen", sagt der Professor der Abteilung klassische Indologie am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, Axel Michaels. "Sie stellen Orientierungen für Gesellschaften und Gemeinschaften zu ihren Ursprüngen und Traditionen dar." Der 56-jährige Wissenschaftler ist Sprecher des Sonderforschungsbereiches "Ritualdynamik". In dem weltweit beispiellosen Projekt werden seit 2002 fächerübergreifend Rituale in verschiedenen Kulturen und Epochen erforscht und verglichen. "Es gilt, nicht nur zu fragen, wozu Rituale da sind, sondern auch, wie sie entstehen und verschwinden, sich wandeln und wandern", erklärt Michaels den neuen Ansatz.

"Der moderne Mensch stellt sich vor, dass die traditionellen Gesellschaften und Dritte-Welt-Länder mehr Rituale hätten, weil die Entwicklung dort langsamer sei", erläutert Michaels. "Es zeichnet sich aber ab, dass das so nicht stimmt." Einen Boom an Ritualen erkennt der Forscher auch in den modernen Gesellschaften. Rituale seien – entgegen der landläufigen Meinung – keine starren oder stereotypen Handlungen, sondern bildeten sich mit "atemberaubender Dynamik" ständig neu. Auch in modernen Gesellschaften existieren vielfältige Rituale. Gewaltrituale zum 1. Mai, Lichterketten als Zeichen der Anteilnahme, Begrüßungsrituale oder neue Bräuche wie Halloween. Die neueste Entwicklung seien "Rituale per Mausklick", die im Internet stattfinden.

Mehr als fünfzig Forscher aus siebzehn Fachrichtungen sind in das wissenschaftliche Vorhaben eingebunden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat dem Sonderforschungsbereich, der auf zwölf Jahre angelegt ist, für die nächsten vier Jahre sieben Millionen Euro bewilligt.

Michaels, der die neue Forschungsrichtung Ethno-Indologie begründet hat, untersucht selbst "Lebenszyklische Rituale in Nepal". Dabei geht es um pränatale Bräuche, Initiationsriten, Sterbe-, Pubertäts- und Hochzeitsrituale dieser traditionellen Gesellschaft. Textstudium und Feldforschung werden dabei kombiniert.

"Ich studiere nicht nur die Texte, wie es die Indologen machen, sondern sehe mir in Nepal an, wie die Rituale den Texten folgen", erklärt der Forscher. Die rituelle Trauer in Nepal sieht unter anderem vor, dass der Haupttrauernde dreizehn Nächte lang auf dem Boden schläft, sich den Kopf kahl schert und in der Trauerphase keiner Arbeit nachgeht. Am dritten Tag weinen die Frauen "wie auf Befehl". Das Weinen bei der Beerdigung allerdings sei verboten. Es werde geglaubt, dass der Schleim, der sich beim Weinen löst, die verstorbene Seele behindere.

Auch die Riten und Bräuche traditioneller Gesellschaften sind nach den Worten von Michaels im Umbruch: "Junge Männer finden das Kahlscheren inzwischen grässlich, und mit einer dreizehntägigen Trauerzeit kann man als Berufstätiger auch in Nepal keinen Job machen. Die Moderne ändert die Rituale."
Panja Schollbach


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Tel. 06221 542310, Fax 542317
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