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27. Mai 2005

Die Verlebendigung der Zeichen

Patrick Roth las Prosa von Edgar Allen Poe in der Universität Heidelberg

Ein gut gefüllter Hörsaal, vor allem studentische Hörerschaft, ein Tisch mit Mikrofonen, auf ihm ein Glas Wasser und ein Glas Wein. Man wartet auf Patrick Roth, den ehemaligen Heidelberger Poetik Dozenten, der nun Edgar Allen Poe lesen soll. Patrick Roth (sein letzter Roman hieß "Starlite Terrace", Suhrkamp Verlag) schrieb einige seiner Erzählungen inspiriert von der dichten Poeschen Bilderwelt. Prof. Dieter Borchmeyer sprach in seiner Einleitung zu der vom Palais Boisserée veranstalteten Lesung von Poe als demjenigen Dichter, der Roth die englische Sprache lehrte. Denn der 15-jährige Patrick kaufte sich von erspartem Taschengeld seinen ersten Band mit Poes Prosa – was darauf hinaus lief, dass ihn die Hauslehrerin das Werk laut zu lesen lehrte.

In der Fremde Kaliforniens (seinen Wohnsitz hat Roth in Los Angeles) hat er seine Autoren gegen die Einsamkeit: Hölderlin, Trakl, Celan und vor allem Poe, dessen Inhalte er besonders schätzt, schaffen ihm Heimat. Der Prozess des "Heimatmachens" geschieht, wenn die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, wenn die Bild- und Sinnwelten Poes die kalifornische Landschaft umgeben. Im heimatlichen Deutschland aber ist Roths Vorliebe für Edgar Allen Poe ebenso bekannt; so kam es, dass ihn der Suhrkampverlag fragte, ob er einen Sammelband Poes mit von ihm ausgewählten Werken herausgeben wolle. Entstanden ist eine zweisprachige Ausgabe mit Übersetzungen von Arno Schmidt, die im Februar nächsten Jahres erscheinen wird und Anlass für die jetzige Lesung war.

Zuerst las Roth die Poe'sche Parabel "Shadow" im Original. Schon die ersten Zeilen verrieten den Kenner und seine Erzählkunst. Weiter ging es mit dem noch unveröffentlichten Vorwort, das Roth für die zweisprachige Ausgabe geschrieben hat. Er verrät darin, dass ihm manchmal die deutschen Übersetzungen Schmidts noch besser gefallen als das Original. Poes Augenregie hätte den Horror nicht bis zum Ende erfasst. Schmidt, in Dialog mit Poe (so auch in der Ausgabe), hätte die Bilder des Sprach-Ingenieurs Poe noch besser hingesetzt.

Dann ließ Roth seine Zuhörer ein weiteres Mal in die Bilderwelt der "Schatten"-Parabel hinabsteigen und las die deutsche Übersetzung von Arno Schmidt. "Die Pest hatte ihre schwarzen Flügel ausgebreitet", "die flackernde Unrast", die Augen des in Leinen gewickelten Pest-Toten Zoilus, der formlose und unbestimmte Schatten ... Roths Stimme verlebendigte die sprachlichen Zeichen. Noch einmal verstärkt wurde dieser Effekt der Roth'schen Erzählkunst durch den Vortrag von Poes Erzählung "Das verräterische Herz" (The tale tell heart) in der Übersetzung von Hans Wollschläger (Schüler Arno Schmidts). Die Erzählung, laut Roth gleichzeitig Theater und Prosa, spielt sich im Kopf eines Ich-Erzählers ab, der erzählt, auf welche Weise er einen Mann, seines Geierauges wegen, umbringt.

Die Zuhörer wurden durch Roths lebendiges Erzählen und die Übersetzung der Poeschen Bildwelt gleichzeitig zu Zuschauern; ihnen eröffnete sich die Szenerie der Erzählung. Als der, im vollständig dunklen Zimmer im Bett liegende alte Mann laut ruft: "Wer ist dort?" schreckten einige Zuschauer im Hörsaal zusammen, hineinversetzt in einen Krimi, der doppelt erlebt werden konnte, als Schauspiel vor dem inneren Auge und als Hörspiel.
Annja Neumann


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