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6. Juni 2005

Brücke nach Montpellier verbindet seit 50 Jahren Frankreich und Deutschland

Jubiläumstreffen anlässlich der 50. Wiederkehr der Aufnahme erster studentischer Kontakte zwischen den Universitäten Montpellier und Heidelberg – Vortrag und Podiumsdiskussion am 23. und 24. Juni in der Neckarstadt – Zweiter Teil des Treffens vom 5. bis zum 9. Oktober in Montpellier

Ein halbes Jahrhundert nach Aufnahme erster studentischer Kontakte zwischen den Universitäten Heidelberg und Montpellier sind die Beziehungen intensiver denn je. Dabei hätte Mitte der 50er Jahre kaum jemand abzuschätzen gewagt, wohin das mutige Unterfangen, eine Brücke zwischen den beiden Nationen zu schlagen, führen würde. Immerhin lag der Zweite Weltkrieg erst zehn Jahre zurück, so dass die Wunden noch denkbar frisch waren. Entsprechend zaghaft gestalteten sich denn auch die ersten Schritte, die ihren Ausgangspunkt im Deutsch-Französischen Kulturabkommen hatten, das Ende Oktober 1954 abgeschlossen wurde – und erstmals Chancen gegenseitigen Kennenlernens eröffnete. "Was die jungen Menschen beiderseits des Rheins 1945 nicht für möglich gehalten hatten, wurde Wirklichkeit. Entschlossen, einer leidvollen Vergangenheit gründlich abzuschwören, suchten sie in die Zukunft gerichtet die Aussöhnung zwischen den vormaligen Erbfeinden und hofften auf ein gedeihliches Miteinander in Frieden und Freundschaft", fasst Professor Diether Raff die besondere Stimmung jener Zeit in Worte.

Dass die ersten Studenten aus Heidelberg in jener Zeit die Reise nach Südfrankreich unternahmen, stand wohl im Zusammenhang mit dem "Deutsch-Französischen Studententreffen", das 1955 in Heidelberg abgehalten worden war. Jedenfalls entschlossen sich einige wenige bereits im Studienjahr 1954/55, ins ferne Montpellier aufzubrechen, um ihre Studien an einer der ältesten Universitäten Europas aufzunehmen, die schon im 12. Jahrhundert gemeinsam mit Paris und Bologna zu einer bedeutenden Trias gehörte. Bologna galt einst als Metropole der Jurisprudenz, während sich Paris als Hochburg der Philosophie etabliert hatte – und Montpellier als Zentrum der Medizin. Indes vermag heute niemand mehr die genauen Gründe zu benennen, die den Fokus der Heidelberger Studenten ausgerechnet auf Montpellier lenkten. Die Reize des Languedoc und der Provence werden aber auf jeden Fall ihren Beitrag geleistet haben. Und wahrscheinlich hat auch der Wunsch, schulisches Wissen um die französische Sprache in der Praxis anzuwenden, eine Rolle gespielt.

Wie dem auch sei – rasch begannen ernsthafte Vorbereitungen, die ersten zaghaften Kontakte in einem fundierten Partnerschaftsverhältnis festzuschreiben. Schon 1955 besuchten einige Heidelberger Studenten als französische Stipendiaten die Medizinische Fakultät Montpelliers. Die Dinge gewannen nun zusehends an Fahrt, und schon im Oktober 1956 mündeten die Kontakte in erste offizielle Verabredungen zwischen der Fachschaft Medizin der Ruperto Carola und der "Corporation d'étudiants en médicine de Montpellier" – und schließlich am 8. Februar des folgenden Jahres im feierlichen Vollzug einer Partnerschaft. Der Text der von den Studentenvertretern Winfried Kahlke und dem jüngst verstorbenen Paul Parguel ausgetauschten Freundschaftsurkunde gibt beredtes Zeugnis von der Aufbruchstimmung, die jene Studenten beseelte, von denen viele noch am Kriegsgeschehen teilgenommen oder zumindest die Härten der Nachkriegszeit erfahren hatten. Die Facetten, die in den folgenden Jahren die Freundschaft prägten, waren mannigfaltig. So wurden nicht nur Exkursionen durchgeführt oder der Spracherwerb forciert, sondern bald auch andere Fakultäten mit einbezogen sowie durch großzügige Zuwendungen privater Gönner ein längerfristiger Studienaustausch ermöglicht.

Es gab aber auch problematische Zeiten, veränderten sich doch in den 68er Jahren die Rahmenbedingungen in beiden Ländern. Zudem wurde die Universität Montpellier 1971 in drei autonome Hochschulen aufgegliedert, was eine Anknüpfung an alte Kontakte nicht eben leichter machte. Erst Anfang 1980 wurde unter dem Rektorat von Professor Laufs ein Vertrag zwischen der Ruperto Carola und den drei Universitäten von Montpellier abgeschlossen. Diesem fehlte zwar das euphorische Pathos der 50er Jahre – doch dafür garantierte der eher nüchterne Charakter ein solides Fundament der erneut auflebenden wissenschaftlichen Aktivitäten zwischen den Partnern, die zu Beginn der 90er Jahre in die regelmäßig stattfindenden "Montpellier-Tage" in Heidelberg sowie die "Heidelberg-Tage" in Montpellier mündeten. Beredtes Zeugnis für die Dauerhaftigkeit der Beziehungen zwischen Heidelberg und Montpellier sind nicht nur die zur Tradition gewordenen juristischen Seminare, deren rechtsvergleichende Resultate sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache veröffentlicht werden, sondern auch die fruchtbare Zusammenarbeit der Germanisten und Romanisten sowie der Naturwissenschaftler und Mediziner.

Anlässlich der 50. Wiederkehr der Aufnahme erster studentischer Kontakte zwischen den Universitäten Montpelliers und Heidelbergs werden nun vom 22. bis zum 26. Juni 2005 in Heidelberg – und vom 5. bis zum 9. Oktober in Montpellier – Jubiläumstreffen stattfinden. Die Heidelberger Begegnung wird am Donnerstag, 23. Juni, mit einem Vortrag von Professor Wilhelm Kühlmann eröffnet, der einen weiten Blick zurück in die Geschichte wagen wird. "Montpellier und Heidelberg im 16. Jahrhundert – Konturen einer historischen Beziehung" lautet der Titel seines Vortrags, der um 18.15 Uhr in der Aula der Alten Universität beginnt (Grabengasse 1, 69117 Heidelberg).

Im Mittelpunkt des Partnerschaftreffens wird indes die Podiumsdiskussion am Freitag, 24. Juni, stehen. Die um 9.30 Uhr beginnende dreistündige Diskussion stellt sich nämlich – auf besonderen Wunsch der südfranzösischen Gäste – die Frage, wie "Deutschland 15 Jahre nach der Wiedervereinigung" die durch den Fall der Mauer gestellten Aufgaben bewältigt hat. Dabei sollen die Ursachen für die Schwierigkeiten des Einigungsprozesses deutlich gemacht, sowie den Hintergründen der zahlreichen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Probleme – die bis heute nicht bewältigt werden konnten – nachgespürt werden. Teilnehmer des Podiums sind neben den französischen Professoren Godé, Kremer-Dubois, Merchiers, Boisson und Voisin der Rektor der Universität Heidelberg sowie die Professoren Borchmeyer, Eckart, Müller-Graff, Siebke, Schmidt und Wolfrum. Moderiert wird die Table Ronde von Professor Sellin vom Historischen Seminar der Ruperto Carola. Die Veranstaltung wird in deutscher Sprache mit Übersetzung stattfinden.

Ein halbes Jahrhundert nach den ersten Schritten, die die ehemaligen Erbfeinde aufeinander zuwagten, markiert die doppelte Jubiläumsveranstaltung in Heidelberg und in Montpellier nicht nur einen wichtigen Punkt in den Beziehungen der zwei Traditionsuniversitäten – sondern auch in der Partnerschaft beider Nationen.

Heiko P. Wacker



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Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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