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2. Mai 2005

Torte oder Schokoschnitte?

Eröffnungsvortrag der Ringvorlesung "Wie frei ist unser Wille"

(vf) Seit nun 25 Semestern veranstaltet die Heidelberger Universität im Rahmen des Studium Generale eine Ringvorlesung zu einem aktuellen, fächerübergreifenden Thema, das sich an ein möglichst breites Publikum richtet, in diesem Sommer mit der Überschrift "Wie frei ist unser Wille?" Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel "Willensfreiheit und Determinismus" hielt der Tübinger Philosophieprofessor Ernst Tugendhat. Der Auftritt des 75-jährigen Denkers in der Aula der Neuen Uni bedeutete die Rückkehr an seine einstige Wirkungsstätte: Tugendhat war von 1966 bis 1975 Mitglied der Heidelberger Universität und Dekan der Philosophischen Fakultät.

Im Zentrum des Vortrages stand die Problematik nach der Vereinbarkeit der menschlichen Willensfreiheit mit dem Determinismus, also der Annahme, dass unser Wille durch innere und äußere Ursachen bestimmt ist. "Warum will der Mensch etwas?", fragte der Referent. Ist es Willensfreiheit zu entscheiden, ob man ein Stück Sahnetorte oder eine Schokoschnitte isst? Wenn es nach Tugendhat geht, dann ist es der Geschmack, der uns in diesem Fall zu einer Entscheidung bewegt, keineswegs unser Wille. Es ist uns also durch den Zwang der eigenen Vorlieben vorherbestimmt, eine Leckerei einer anderen vorzuziehen und in dieser Entscheidung unfrei zu sein. Und wo beginnt dann der freie menschliche Wille?

Als den wichtigsten Hinweis darauf betrachtet der Philosoph die Möglichkeit des Menschen, seine Wünsche zu verneinen, zu suspendieren. Wenn der Mensch seine Motive suspendiert, so greift er in die Kausalkette von Ursachen und ihren Wirkungen ein. Auf diese Weise trotzt der Mensch dem Zwang seiner Eigenschaften und verhalte sich gegen seinen eigenen Charakter.

Die Fragespindel philosophisch immer weiter drehend, prüfte Tugendhat, ob wir unsere Wünsche dann wiederum nach bestimmten Mustern verneinen. Denn: Vergleicht man den Kausalzusammenhang mit einem Bindfaden, und das Eingreifen, also das Verneinen der eigenen Handlungsmotive, mit einem Knoten, so stellt der Knoten zweifelsohne eine Unterbrechung des Bindfadens dar. Jedoch besteht auch der Knoten aus dem Bindfaden, den er unterbricht; er ist den gleichen Gesetzen unterworfen, wie das ihn umgebende Material. Jedoch müsse auch die Möglichkeit offen gelassen werden, dass das Geschehen innerhalb des Knotens nicht dem kausalen Fluss unterliegt.

So kann auch die Frage nach der Determiniertheit des Menschen in seinem Willen nicht vollständig aufgelöst werden. Sicher ist, so Tugendhat, dass der Mensch nur in einem bestimmten Maße die Fähigkeit hat, seine Wünsche aus Gründen der Vernunft zu verneinen. In seinem Schlusswort betonte der Philosoph, dass die menschliche Willensfreiheit begrenzt sei und warnte vor leichtfertigen Vorwürfen.

INFO:

Am Montag, 9. Mai, wird die Ringvorlesung mit dem Vortrag "Friedrich Schiller oder Die Chance der Freiheit im ,Notzwang' der Begebenheiten" in der Aula der Neuen Universität fortgesetzt.



Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
www.uni-heidelberg.de/presse




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