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24. Mai 2005

Brücken der Wissenschaft und vielleicht der Freundschaft

Die "Schule des deutschen Rechts" und das "Europäische Graduiertenkolleg" mit Heidelberger Beteiligung an der Universität Krakau – Mitinitiator Peter Hommelhoff

Auf dem mitteleuropäisch anmutenden Krakauer Marktplatz Rynek Glówny mit den historischen Tuchhallen vorn und der Marienkirche im Hintergrund. Das rechte Bild zeigt den Eingangsbereich des nur wenige Schritte entfernten Larisch Palais.
Auf dem mitteleuropäisch anmutenden Krakauer Marktplatz Rynek Glówny mit den historischen Tuchhallen vorn und der Marienkirche im Hintergrund. Das rechte Bild zeigt den Eingangsbereich des nur wenige Schritte entfernten Larisch Palais. In diesem Gebäude der Juristischen Fakultät an der Jagiellonen-Universität Krakau ist die "Schule des deutschen Rechts" angesiedelt.
Fotos : Vogt

Nur wenige Schritte entfernt vom zentralen Marktplatz Rynek Glówny der südpolnischen 750000 Einwohner-Metropole Krakau befindet sich das zur Juristischen Fakultät der Jagiellonen-Universität gehörende Larisch Palais. Und schon auf diesen wenigen Metern hat man die Filiale der Deutschen Bank wie das Krakauer Goethe-Institut passiert, das in diesen Tagen des Gedenkens an das Kriegsende vor 60 Jahren und den 200. Todestag Friedrich Schillers ein Programm mit diesem Klassiker aus Schwaben anbietet. Lebendige deutsch-polnische Begegnung findet aber vor allem in der eleganten Altstadt-Residenz des Larisch Palais statt. Denn in diesem Gebäude ist die "Schule des deutschen Rechts" (seit 1998) angesiedelt. Wie auch das "Europäische Graduiertenkolleg" (seit 2002) zählt sie zu den Gemeinschaftsprojekten der Universitäten Krakau, Heidelberg und Mainz.

Allerdings hört man aus Gesprächen immer wieder heraus, dass der Heidelberger Universitätsrektor und Jurist Prof. Peter Hommelhoff eine treibende Kraft dieser Unternehmungen ist – beim Graduiertenkolleg gilt er als der Gründungsvater. Erst kürzlich wurde Hommelhoff für dieses Engagement mit einer Ehrung des polnischen Außenministers bedacht: Generalkonsul Waclaw Oleksy überreichte die Urkunde – nicht die erste polnische Auszeichnung für Hommelhoff – mit den Worten: "Ihre Verdienste auf dem Gebiet der internationalen Verständigung sind einmalig und europaweit bekannt und anerkannt." Unterfüttert wird solches Lob in Krakau sowohl durch Hommelhoffs Kollegen in der Hochschulrektorenkonferenz, deren Sprecher und Vizepräsident er ist, als auch durch Studierende und Nachwuchswissenschaftler.

Im Eingangsbereich des Larisch Palais treffe ich an diesem Samstagnachmittag zwei Teilnehmer der "Schule des deutschen Rechts": Paulina Ptak und Jedrzej Maciejewski (beide 23). Wie die Studierenden mir gestehen, sind sie etwas geschlaucht, denn an diesem Morgen hatten sie bereits um acht Uhr eine Klausur zu absolvieren, bevor Prof. Dagmar Kaiser aus Mainz dann eine Vorlesung hielt. Beide Veranstaltungen an der ausschließlich drittmittelfinanzierten Schule sind Teil des anspruchsvollen zentralen Rechtskurses – jeweils von Februar bis Juni -, in dessen Verlauf aus Heidelberg und Mainz eingeflogene Professoren in zwölf Wochenendvorlesungen die Grundzüge der deutschen Rechtsordnung vermitteln. Es winken Praktika in deutschen Unternehmen und Fortbildungsseminare.

Zunächst muss allerdings ein dichtgestaffeltes Prüfungsprogramm geschafft werden. Aber von diesem Stress merke ich jetzt nichts. Ganz im Gegenteil: Freundlich, lebendig, stolz und mit guten Deutschkenntnissen zeigen mir Paulina und Jedrzej das Universitätsareal – das Krakauer "Quartier Latin" – in der faszinierenden Altstadt, die bereits 1978 von der Unesco auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde.

Das älteste Hochschulgebäude ist das ehrwürdige Collegium Maius aus dem 14. Jahrhundert, in dessen stimmungsvoller Cafeteria wir landen. In einem eigentümlichen Kontrast zu dem historischen Gemäuer stehen meine hellwachen Begleiter, und rasch entbrennt ein geopolitisches Debattieren globalen Ausmaßes, in dessen Verlauf man so ganz anderen Weltsichten begegnet. Ein Hauptknackpunkt ist der Irak-Krieg, den insbesondere der feurige Jedrzej mit Nachdruck befürwortet. Anderslautende und als Bevormundung verstandene Kommentare von Jacques Chirac waren in Polen gar nicht gut angekommen. Dort ist vielmehr eine scheinbar ungebrochene Amerika-Bewunderung zu spüren.

Und welche Rolle spielt Deutschland in dieser Gemengelage? Die deutsche Antikriegshaltung müsse man als Folge des Zweiten Weltkriegs verstehen, als freies Polen aber nicht teilen. Weniger gut kommt Gerhard Schröders demonstrative Freundschaft mit Wladimir Putin weg. Russland erscheint heute – und nicht nur in diesem Gespräch – etwa mit Blick auf Tschetschenien als die eigentliche dunkle Macht. Auch noch zum 60. Jahrestag des Kriegsendes verweigern Putin und Russland die Aufarbeitung der historischen Altlasten gegenüber Polen – ein Hauptstichwort lautet: Katyn. An diesem russischen Ort sollen 1940 unter Stalin mehr als 4000 polnische Offiziere erschossen worden sein.

Angesichts der herben Russland-Kritik wage ich, auf das nahe Auschwitz zu verweisen. Der Unterschied – so wurde mir beschieden – liegt darin, dass Deutschland zu seiner historischen Verantwortung stehe und Russland eben nicht. Tatsächlich begegnet man in Krakau heute allenthalben einer ausgesprochenen Freundlichkeit gegenüber den Deutschen, aus der Völkerverständigung und vielleicht Freundschaft werden kann. In Einzelfällen sogar noch mehr: Vor dem Hintergrund der von Wladyslaw Bartoszewski angeführten deutsch-polnischen Eheschließungen haben auch schon zwei Teilnehmer der Krakauer Gemeinschaftsprojekte geheiratet.

Inzwischen ist auch Piotr Kostanski (25) – Teilnehmer des Europäischen Graduiertenkollegs – zu unserer Runde gestoßen, und die Debatte konzentriert sich wieder auf die Krakau-Heidelberg-Mainz-Connection. Kostanski, der auch schon drei Praktika bei Boehringer Ingelheim absolviert hat, kennt meine Begleiter aus der "Schule des deutschen Rechts", denn als Fortgeschrittener war er dort schon tätig. Das Graduiertenkolleg mit dem Titel "Systemtransformation und Wirtschaftsintegration im zusammenwachsenden Europa" ist ein stipendiengefördertes Promotionsprogramm mit jeweils 15 polnischen und deutschen Nachwuchswissenschaftlern. Häufig haben die Kollegiaten zuvor die "Schule des deutschen Rechts" durchlaufen und steuern nun in zwei Jahren mit anspruchsvollen juristischen Forschungsvorhaben auf den Doktortitel zu. Ein sechsmonatiger Aufenthalt im jeweiligen Partnerland ist Pflicht.

Am nächsten Tag sitze ich mit zwei jungen Polinnen im Krakauer Künstlercafé "Camelot". Auch Marta Soniewicka (24) und Justyna Holocher (29) nehmen am Graduiertenkolleg teil. Sie berichten von ihren Studienerfahrungen, den gemeinsamen Seminaren und den sich bietenden Berufschancen. Marta will Rechtsanwältin werden, Justyna Richterin. Sie glauben, dass die erworbenen Kenntnisse des deutschen und auch europäischen Rechts für beide Positionen im sich wandelnden Polen von großer Bedeutung sein können. Und sie verweisen darauf, dass die bilateralen Kooperationen weiter fortgeschritten sind. So ist in Krakau seit 2003 auch eine "Schule des polnischen Rechts" entstanden, und für die Zukunft ist ein gemeinsames Habilitandenprogramm angedacht. Außerdem haben sich die Initiativen noch weiter nach Osten verschoben. So leistet Polen "Entwicklungsarbeit" in der benachbarten Ukraine – die im Gespräch eher als "Dritte Welt" eingeschätzt wird –, aber auch in Litauen: Inzwischen hat die Juristische Fakultät in Krakau Schulen für polnisches Recht im ukrainischen Ternopil und im litauischen Vilnius begründet.

Es herrscht Aufbruch in Polen – und nicht nur in Richtung Westen. Im größeren Europa gewinnt eine alte Utopie neue Strahlkraft: So wie der Krakauer Nikolaus Kopernikus zu Beginn der Neuzeit nach Bologna, Padua oder Ferrara ziehen und später durch die "kopernikanische Wende" die gesamte Weltsicht verändern konnte, so bietet auch das neue freie Europa den jungen Polen zukunftsträchtige Möglichkeiten. Gern wird in diesem Zusammenhang auf Irland verwiesen – einst Armenhaus, heute europäischer Boom-Staat. Und man stimmt Wladyslaw Bartoszewski zu, der festgestellt hat: "Es gibt nichts mehr, was unmöglich ist."

Heribert Vogt
Rhein-Neckar-Zeitung



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