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9. Mai 2005

Zweckfreies Spiel mit Ideen

Heidelberger Clemens Brentano-Preis 2005 an Anna Katharina Hahn verliehen – Studierende des Germanistischen Seminars in der Jury

Wissenschaftliches Schreiben und literarisches Schreiben sind zwei Paar Stiefel – und diejenigen, die beides können, eher selten zu finden. Eine von ihnen heißt Anna Katharina Hahn, geboren 1970 im schwäbischen Ruit. Als Germanistin hat sie sich bislang vor allem mit mittelalterlicher Literatur beschäftigt (ein Schwerpunkt: Historienbibeln), als Schriftstellerin ist sie zuletzt durch die "virtuose Beherrschung von Erzählformen" und eine "aufgeräumte Kaltschnäuzigkeit" aufgefallen. So jedenfalls der Jury des Heidelberger Clemens Brentano-Preises, mit dem die junge Autorin für ihr 2004 erschienenen Erzählband "Kavaliersdelikt" (bei Suhrkamp) jetzt ausgezeichnet wurde. Das Besondere daran: Neben professionellen Kritikern und Persönlichkeiten aus dem literarischen Betrieb haben auch Studierende vom Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg bei der Suche nach einer würdigen Preisträgerin oder einem würdigen Preisträger mitgewirkt.

Anna Katharina Hahn zeigte sich bei der – trotz einer parallel stattfindenden Veranstaltung zu Friedrich Schillers 200-jährigem Todestag – gut besuchten Preisverleihung im Spiegelsaal des "Prinz Carl" durchaus gerührt, auch wenn sie in einer kleinen Dankesrede ihr Thema Mäzenatentum und literarische Freiheit nicht ohne kritischen Unterton anpackte. Seit dem Mittelalter – so Hahn mit Augenzwinkern – habe sich ja eigentlich gar nicht so viel geändert. Seinerzeit mussten die Dichter ihren Dienstherren Auftragswerke erfüllen, um dann, wie man es von Walther von der Vogelweide weiß, mit einem Pelzmantel belohnt zu werden. Heute werde im Subventionssystem zwischen Stadtschreiber-Posten und Literaturpreisen subtilerer Druck ausgeübt – man solle doch einmal über diese Sache schreiben oder überhaupt: sich mal einem Roman und nicht immer nur Erzählungen widmen. Doch Hahn lässt sich nicht beirren: Eine Kosten-Nutzen-Rechnung gibt es in der Literatur nicht. Hier wird das "zweckfreie Spiel mit Ideen" betrieben, wie die Preisträgerin mit Bezug auf Schiller betonte. Und daran werde sie festhalten.

An den Clemens Brentano-Preis sind derlei Erwartungen ohnehin nicht geknüpft. Oberbürgermeisterin Beate Weber machte in ihrer Einführung klar, dass man mit dieser Auszeichnung – der damit verbundene Verrechnungsscheck ist auf 10 000 Euro ausgestellt – den Nachwuchs fördern und die Autorin oder den Autor damit zumindest ein wenig finanziell entlasten möchte, um sich neuen Projekten zuzuwenden.

Die Würdigung des literarischen Werks von Anna Katharina Hahn oblag schließlich Ina Hartwig, verantwortlich für Literatur im Feuilleton der "Frankfurter Rundschau". Sie pries den "Röntgenblick" Hahns und ihren Humor, der "britische Züge" trage. Zugleich sei die Preisträgerin aber eine zutiefst deutsche Schriftstellerin, die ebenso wie die Journalistin Gabriele Goettle mit ihren Reportagen in den unterschiedlichsten Milieus wildere. Hartwig würzte ihre Laudatio mit vielen Zitaten aus dem Werk der Autorin und schilderte auch ihre persönliche Begegnung mit einzelnen Erzählungen, so etwa "Affenadam", eine raffinierte Else Laker-Schüler- und Gottfried-Benn-Wiedergänger-Geschichte. Oder "Kommune Kalk". Dieser satirisch angehauchte Text über eine Alten-WG aus dem Jahr 2050 hatte Ina Hartwig vor zwei Jahren sogar selbst in Auftrag gegeben, entstanden war er nämlich als Beitrag für das von ihr herausgegebene "Kursbuch" mit dem Schwerpunktthema "Die Dreißigjährigen". Und mit einer Lesung aus eben jener Erzählung beschloss Anna Katharina Hahn den diesjährigen Festakt.

Verliehen wird der Clemens Brentano-Preis seit 1993, abwechselnd in den Kategorien Roman, Erzählung, Gedicht, Essay. Zu den Preisträgern gehörten zuletzt Doron Rabinovici, Andreas Maier und Raphael Urweider. Die studentischen Teilnehmer an der Jury werden jeweils im Rahmen eines Seminars bei den Germanisten ermittelt, diesmal waren es: Katharina Dittes, Georg Isbaner und Thomas Schütt. Letzterer hielt auch bei der diesjährigen Preisverleihung eine kleine Laudatio. In einer Publikation des Kulturamtes der Stadt Heidelberg zum Clemens Brentano-Preis 2005 ist außerdem ein Gespräch der drei Studierenden mit der Autorin abgedruckt.

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Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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