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26. April 2005

Starke Frau im Hintergrund

Bärbel Meurers Band über Marianne Weber versammelt Beiträge zu Werk und Person

Marianne Weber und Heidelberg von der Fallensteinvilla aus gesehen mit Blick auf das Schloss.

Marianne Weber, die engagierte Ehefrau des berühmten Heidelberger Sozialwissenschaftlers Max Weber, wirkte unter anderem in der Frauenbewegung.
Heidelberg von der Fallensteinvilla aus gesehen mit Blick auf das Schloss. Am Geländer Max Webers Großvater Georg Friedrich Fallenstein, an der Säule Georg Gottfried Gervinus, sitzend Webers Großmutter Emilie Fallenstein. Fotos: Aus dem Buch entnommen


"Undank ist der Welten Lohn", verkündet ein geflügeltes Wort. Ein prägnanter Hinweis auf Mühen, denen die verdiente Würdigung versagt bleibt. Auch auf die Person von Marianne Weber trifft diese Floskel zu, kann man sie doch zu Recht als die "starke Frau" hinter ihrem Gatten Max Weber bezeichnen. Indes wurde sie bislang nur vage wahrgenommen. Zu Unrecht jedoch, wie das bei Mohr Siebeck in Tübingen verlegte Buch "Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person" eindrucksvoll beweist. Es handelt sich hierbei um die grundsätzlich erste Buchpublikation über Marianne Weber.

Kernthema des von Bärbel Meurer herausgegebenen Bandes ist das bislang kaum beachtete – gleichwohl vielfältig geartete – Wirken von Marianne Weber. Denn neben ihrer Rolle als Ehefrau von Max Weber, als Verfasserin seiner Biographie und Herausgeberin seiner Werke, führte sie ein sehr eigenständiges Leben in Wissenschaft und Frauenbewegung. Dies wird umso deutlicher, je mehr man in der Lektüre des facettenreichen Sammelbandes voranschreitet, bemühten sich doch die Autorinnen und Autoren, Marianne Weber auf möglichste vielen Wegen zu begegnen, Leben und Werk aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. So wurde auf die privaten Bereiche Ehe, Familie und Freundschaften ebenso eingegangen wie auf das "öffentliche" Handeln in Wissenschaft und frauenpolitischer Arbeit.

Anlass der Beiträge war eine erste Tagung zu Marianne Weber in Oerlinghausen. Dort erblickte die Tochter des Arztes Eduard Schnitger und seiner Ehefrau Anna im Sommer 1870 das Licht der Welt. Ihre Kindheit hingegen verbrachte Marianne Weber in Lemgo bei der Großmutter väterlicherseits. Die Mutter starb bei der Geburt des zweiten Kindes, während der Vater mit der Erziehung wohl überfordert war.

Anteil an der geistigen Welt

Im Jahre 1893 heiratete sie Max Weber, der ein Jahr zuvor in Berlin habilitiert hatte. Kurz darauf wurde Max Weber, der zu Recht als Begründer der modernen Soziologie gilt, zum Professor für Nationalökonomie in Freiburg berufen, bevor er 1897 an die Universität Heidelberg wechselte. Da sich Max Weber ganz der Wissenschaft verschrieben hatte, trieb es Marianne nicht nur dazu, an seiner geistigen Welt Anteil zu haben, sondern sich darüber hinaus eigene philosophische und wissenschaftliche Bereiche zu erschließen.

Im Schatten des Ehegatten

Dennoch stand sie zeitlebens im Schatten ihres Ehegatten – auch wenn sie diesen um vierunddreißig Jahre überlebte. Indes lag dies auch an ihrem eigenen Verhalten, stand die ihm doch bis zu seinem frühen Tod 1920 bedingungslos zur Seite. Anschließend bemühte sie sich um die Bewahrung und Veröffentlichung seiner Werke – und gerade der Großprojekte wie "Wirtschaft und Gesellschaft" oder "Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie". Da sie zudem eine frühe Biographie schrieb, bestimmte sie das Lebensbild von Max Weber über Jahrzehnte hinweg maßgeblich.

Ihr eigenes Wirken wurde dadurch aber ins Abseits gedrängt – erfährt nun durch den vorliegenden Band jedoch eine späte Rehabilitierung. Zudem machen die elf Beiträge deutlich, wie selbstständig Marianne Weber war, die trotz aller "Unscheinbarkeit" hinter ihrem Mann eine imponierende Frau gewesen sein muss. Wie sonst hätte es ihr möglich sein können, die Liebesverhältnisse ihres Gatten etwa zu Mina Tobler – mit der sich der Aufsatz des Heidelberger Soziologen Rainer M. Lepsius beschäftigt – zu ertragen? Immerhin suchte Marianne Weber gar den Kontakt zu den Geliebten ihres Mannes.

Neben Lepsius, der bis zu seiner Emeritierung am Heidelberger Institut für Soziologie tätig war, berichten noch zwei weitere aus Heidelberg beigesteuerte Beiträge von Frauen, die mit Marianne Weber befreundet, oder wie sie in der bürgerlichen Frauenbewegung aktiv waren. So befasste sich Heide-Marie Lauterer – tätig in der Heidelberger Arbeitsstelle der Max-Weber-Gesamtausgabe – mit Marie Baum, die sich als Fabrikinspektorin und Sozialpolitikerin einen Namen machte, während Klaus Kempter – von der Neuphilologischen Fakultät Heidelberg – seinen Beitrag Camilla Jellinek widmete, der Gründerin und Vorsitzenden der Heidelberger Rechtsschutzstelle für Frauen.

Letzten Endes muss man dem Gesamtwerk einen sehr hohen Stellenwert einräumen. Und das nicht nur, weil es eine bislang verkannte Seite von Marianne Weber zeigt. Sondern auch, weil es sicherlich einen vehementen Anstoß geben dürfte zu einer intensiveren Beschäftigung mit einer herausragenden Heidelberger Wissenschaftlerin, die zugleich eine bedeutende Frauenrechtlerin war. Weitere Publikationen sind folglich ebenso zu erwarten wie eine bewusstere Wahrnehmung ihres Lebenswerks. Ein später Dank, aber ein verdienter.
Heiko P. Wacker

Bärbel Meurer (Hg.): "Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person". Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 2004. 281 S., ISBN 3-16-148162-3, 49 Euro.

Rückfragen bitte an
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Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
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