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1. April 2005

Pestwurz und "Dreckapotheke" für die alte Hausnatter

Wolfgang Eckart zum wissenschaftlichen Wert von "Wirsungs Artzney Buch"

Professor Wolfgang U. Eckart

Professor Wolfgang U. Eckart (Foto: Welker), Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Heidelberg, hat den wissenschaftlichen Begleitband zu Wirsungs Arzney-Buch geschrieben.

Professor Eckart, worin liegt der wissenschaftliche Wert von Wirsungs Artzney-Buch?

Der Wert ist in erster Linie ein wissenschaftshistorischer. Wir lesen hier eine unglaublich spannende Quelle deutschsprachiger Rezeptkunde zur Medizin des "gemeinen Mannes", die der historischen Auswertung noch dringend bedarf. Erforscht werden kann das Werk von Medizin- und Pharmaziehistorikern, von Germanisten und Anthropologen. Biowissenschaftler können den Wert alter Arzneibücher für die moderne Pharmakobiologie erkunden.

Hat der Inhalt der Sammlung heute noch medizinischen Gehalt?

Ja. Der Sammlung ist aufgrund einiger Rezepturen ein bedeutender medizinischer Wert zuzuschreiben. Bei manchen der eingesetzten Wirkstoffe können wir die pharmakologischen Effekte mit den Methoden der modernen Biochemie nachvollziehen. Vor einem freizügigen Einsatz der Rezepturen im privaten Haushalt muss jedoch gewarnt werden. Patienten sollten zuvor ihren Arzt oder Apotheker fragen.

Wie sammelte Wirsung seine Rezepte?

Hier stellten die Rezeptsammlungen des Heidelberger Hofes eine wichtige Quelle dar. Wirsung hat wohl jede Gelegenheit genutzt und sicher auch dem "gemeinen Volk" aufs Maul geschaut. Hauptsächliche Zuträger waren aber wohl Ärzte, Apotheker, sicher auch Angehörige und Bedienstete des Hofes – also ein breites Spektrum des im 16. Jahrhundert medizinisch interessierten Publikums.

Können Sie Beispiele geben, welche volksmedizinischen Schätze der Leser in Wirsungs Buch entdecken kann?

Nun, es ist praktisch die gesamte Kräuterapotheke der damaligen Zeit vertreten. Wir lesen etwas über Johannis- und Schöllkraut, über Salbei und Pestwurz und deren medizinische Wirkung, die wir heute pharmakologisch bestätigen können. Aber auch die "Dreckapotheke" kommt vor, also der Einsatz von Mist und Urin – "Medikamente", die uns heute eher fremd und zum Teil widerlich sind.

Wie erklären Sie die Popularität des Buches?

Schwer zu beantworten. Das Buch wurde mehrfach aufgelegt und in andere Sprachen, beispielsweise ins Englische, übersetzt. Die "Armen" haben es sicher nicht gekannt. Und auch in den Sudküchen und Weinlöchern am Heidelberger Neckarufer wurde Wirsung sicher nicht gelesen. Bekannt war er in akademischen, bürgerlichen und höfischen Kreisen. Wenn Wirsung den "gemeinen Mann" und "alle Hausnatter, sonderlich so auff dem Land sitzen" anspricht, dann weist er sein Werk der Hausväter-Literatur zu. Auf großen Landbesitztümern, fern ab von jeder medikalen Versorgung, gab es keine Alternativen zur Selbstmedikation. Hier wurde Wirsungs Werk willkommen aufgenommen.
Alexander R. Wenisch

Rückfragen bitte an
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
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und
Irene Thewalt
Pressestelle der Universität
Tel. 542311
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